Berichte über Alltagsrassismus

Zweite „Black-Lives-Matter“-Kundgebung in Offenbach zieht vor das Rathaus

Rund 200 Menschen versammelten sich.
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Rund 200 Menschen versammelten sich.

„Wir werden diese Welt verändern!“ Mit Plakaten und Sprechchören zogen am Samstagnachmittag rund 200 zum allergrößten Teil junge Leute vom Busdepot in der Hebestraße zum Willy-Brand-Platz vorm Rathaus. „Black-Lives-Matter – Rassismus tötet überall“, so ihr Motto.

Offenbach – Längst geht es ihnen nicht mehr nur um den von Polizisten ermordeten Georg Floyd in den USA. Betroffene berichten von Alltagsrassismus, den sie auch hier erleben. Organisatorin Hibba Kauser erinnert an die Toten des rassistischen Anschlags von Hanau und verliest deren Namen.

Die Parolen, die die jungen Leute wütend rufen, bleiben meist englischsprachig, so etwa „No justice, no peace“, keine Gerechtigkeit, kein Frieden, oder „Enough is enough“, genug ist genug. Inbrunst oder gar Wut mögen auch daran erkennbar sein, dass einige bereits hörbar heiser sind, als sie am Willy-Brand-Platz ankommen.

Hibba Kauser berichtet, wie sie in den letzten Wochen immer wieder zu hören bekommen habe, das sei doch übertrieben und es gäbe doch gar keinen Rassismus in Deutschland. Wie könne es dann aber sein, dass eine rassistische Partei wie die AfD in allen Landtagen sitze, laute dann ihre Gegenfrage. Es sei wichtig, dieses Thema an die Öffentlichkeit zu tragen, auch für diejenigen, die keine Stimme hätten. Der 19-jährige Aktivist Felix Hooks bezeichnet Martin Luther-King als sein Vorbild. Offenbach sei eine Stadt, die Rassismus nicht akzeptiere, gleichwohl kennt er Beschimpfungen, die er wegen seiner Hautfarbe zu ertragen hatte. Kevin aus Darmstadt berichtet, er sei in der Schule derart gemobbt worden, dass er für ein halbes Jahr Deutschland verlassen habe.

Doch nicht nur Wut, treibt die jungen Menschen an. „Diese Welt gehört uns Jungen, und wir werden sie verändern!“, ruft Hibba Kauser den Demonstranten zu. „Ich werde diese Welt verändern!“, tönt es vielstimmig zurück. Die in der SPD aktive Studentin und ehemalige Stadtschulsprecherin will weitere Kundgebungen organisieren. Zudem soll eine zentrale Gruppe entstehen, die konkrete politische Forderungen aufstellt. VON PETER KLEIN

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