Der Trauer einen Ort geben

Zweites Gräberfeld für Sternenkinder wird im Januar eröffnet

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Noch sind letzte Arbeiten zu verrichten: Steinmetz Martin Mikulas erläutert Krankenhauspfarrerin Angelika Habicht-Preis, wie die Namensschilder an der Stele angebracht werden. 

Sternenkinder. Hinter dem geradezu poetischen Begriff für tot- oder fehlgeborene Kinder stehen dramatische Schicksalsschläge für Familien. Offenbach hat reagiert.

Offenbach – Ein „dunkles Tabu-Thema“ sei es über viele Jahrzehnte gewesen, weiß Christian Jackisch, Chefarzt der Frauenklinik am Sana-Klinikum zu berichten. Noch heute regelt jedes Bundesland es anders, ab welchem Zeitpunkt ein Kind bestattet werden muss. In Hessen gilt, dass Kinder, die weniger als 500 Gramm wiegen und vor der 24. Schwangerschaftswoche leblos zur Welt  kommen, nicht bestattet werden müssen.

Zu lange wurden Föten oder Embryonen nicht beerdigt, den betroffenen Eltern fehlte ein Ort für ihre Trauer. „Dabei wissen wir längst, dass es für Eltern so ist, als sei das Kind schon geboren, sobald sie die erste Ultraschalluntersuchung, bei der die Herzfunktion festgestellt wird, erlebt haben“, sagt der Chefarzt der Frauenklinik am Ketteler-Krankenhaus, Peter Baier. Daher sei ein Ort, an dem Eltern trauern können, unbedingt vonnöten. 2001 hat die Stadt Offenbach auf Initiative der damaligen Sozialdezernentin Ingrid Borretty (Grüne) ein erstes Gräberfeld anlegen lassen.

Inzwischen ist das voll belegt, ein neues Sterngräberfeld wird daher gerade fast im Zentrum des Neuen Friedhofs angelegt. „Es wird Platz für rund 50 Gräber haben“, sagt Yvonne Schlaud, Mitarbeiterin der städtischen Friedhöfe.

Der Eigenbetrieb ESO hat rund 4500 Euro gespendet, um das Feld zu gestalten: Die einzelnen Gräberfelder sind etwa in Herz- oder Kreisform angelegt, eine Stele ist bereits aufgestellt, auf der Eltern auf Wunsch den Namen des Kindes verewigen lassen können. Aus alten Grabsteinen hat Steinmetz Martin Mikulas von der Steinwerkstatt Stefan Schneider einen Leuchtturm als Skulptur für das Gräberfeld geschaffen. Wie beim ersten Sternkinderfeld haben wieder die beiden Offenbacher Krankenhäuser die Trägerschaft übernommen.

„Ab Januar werden dann viermal im Jahr Sternenkinder beigesetzt“, sagt Krankenhauspfarrerin Angelika Habicht-Preis. Das besondere daran: Die Bestattung ist seit Jahren kostenlos, die Offenbacher Pietät Baar stellt gemeinsam mit einer Floristin alles für die Gemeinschaftsbestattung der Kinder zur Verfügung. „Für dieses Engagement sind wir sehr dankbar, denn ein Ort des Erinnerns und der Trauer ist für Eltern und Angehörige sehr wichtig“, sagt Habicht-Preis.

Rund 250 totgeborene Kinder werden pro Jahr in der Stadt gezählt, allein im Sana-Klinikum waren es im vergangenen Jahr 164. „Jeden zweiten Tag geschieht dies in unserer Stadt, das müssen wir uns in Erinnerung rufen“, sagt Bürgermeister Peter Freier (CDU). Für die Stadt sei es „eine Selbstverständlichkeit, Eltern einen Ort zur Verfügung zu stellen, damit das Kind in Würde zu Grabe getragen werden kann“.

Die erste Beisetzung soll am 7. Januar erfolgen, bis dahin müssen die letzten Arbeiten und Pflanzungen erfolgt sein. Die Gräber dürfen mit Schmuck versehen werden, sofern dieser im Einklang mit der Friedhofsordnung steht, betont Schlaud.

VON FRANK SOMMER

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