Offenbacher 03er

Viel Platz und Industriecharme

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Glasdach, Bar und ganz viel Platz: Zur Einweihung des neuen 03er-Domizils sorgten die Icebreakers der Stadtgarde für ordentlich „Wumms“ in den neuen Räumen.

Bieber - Wer das Dach über dem Kopf verliert, hat ein dramatisches Problem: Was tun? Den Offenbacher 03ern ging es ähnlich, als vergangenes Jahr die Kündigung des Vereinsheims in der ehemaligen Lederwarenfabrik Bauer an der Schlossmühlstraße in den Briefkasten flatterte. Von David Heisig 

Wohin? Lagerhalle mieten? Gar mit einem anderen Verein fusionieren? Vom alten Domizil ist heute nichts mehr übrig. Die 03er indes sind umgezogen. Ein paar Kilometer weiter nach Osten, nach Waldhof. Am Sonntag wurde feierlich eingeweiht. „Als uns die Kündigung ins Haus kam, stand einiges, ja eigentlich alles auf dem Spiel“, erinnert Vereinsvorsitzende Ilse Hammann an die Geschehnisse. Das neue Vereinsheim liegt im Industriegebiet. Von außen ist das ehemalige Gebäude von Mano-Lederwaren an der Heinrich-Krumm-Straße ein tristes. Aber: Bunte Hinweisschilder führen den Weg von der Straße durch Gänge über Treppen hoch in den ersten Stock. Und dort ist es alles andere als eintönig. Dort erwarten die 03er ihre illustren Gäste aus Politik und Wirtschaft zur akademischen Feier. Um ihnen zu zeigen, wo sie jetzt einquartiert sind, dass sie stolz auf das Neue sind und natürlich, um danke zu sagen. Man sei als Bieberer Verein in Waldhof angekommen. Obwohl es Ressentiments gegeben habe, dass Waldhof nicht Bieber sei.

Spenden kommen bei den 03ern ins „Sparbein“: Ehrenamtsbeauftragter Reinhard Knecht, Vorsitzende Ilse Hammann, Minister Stefan Grüttner, Vermieter Michael Specht und OB Horst Schneider (von links) hoffen auf steigenden Pegel.

Kritikern gibt Hammann den Hinweis: „Schaut, wo das Ortsschild steht.“ Sie freut sich, dass viele gekommen sind und so „ihr Interesse und ihre Verbundenheit zum Verein“ bekunden. Ohne Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung und finanzielle Spritzen von Unternehmen wäre es nicht gegangen. Nirgendwo habe man dem Verein die Tür vor der Nase zugeschlagen. Auch wenn der Spruch „Die Hammann kommt, das wird teuer“ sich fast schon etabliert habe, lacht sie. Über die Wirtschaftsförderung kam der Kontakt zu Mano-Sprößling Michael Specht zustande. Ihm gehört das Gebäude. Die 03er sind dort erst einmal sicher, der Mietvertrag läuft drei Jahre. Zwar hat Specht Bedarf angemeldet, das Gebäude weiterzuentwickeln. Er bezieht sich dabei aber vor allem auf die 2 000 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss. Da könnte ein (in Offenbach fehlendes) Bowlingzentrum mit 14 Bahnen entstehen. Ideen mit Betreibern gebe es schon.

Unterdessen feixt Oberbürgermeister Horst Schneider, es sei ein Novum, dass die Stadt den Bieberern helfe, Waldhof zu integrieren. Nicht vergessen werden sollen aber die ehrenamtlichen Helfer. Ohne sie wäre der Umzug nicht über die Bühne gegangen. „Das gute Gefühl, in einer Gemeinschaft aufgenommen zu sein“, mache das „Feeling“ bei den 03ern aus. Auch wenn es ums Anpacken geht. Vor der ersten großen Bewährungsprobe, der Fete am Faschingssamstag, habe man schon Sorge gehabt, keiner finde den Verein in Waldhof, verrät Hammann.

Offenbacher 03er bringen den Saal zum Schunkeln (Archiv)

Offenbacher 03er bringen den Saal zum Schunkeln

Die zweite steht am Vormittag unmittelbar bevor, in Form eines Bausubstanztests mittels Schallwellen. Schließlich wolle man die Einweihung „mit Pauken und Trompeten“ feiern. Also wurden kurzerhand die Icebreakers, Guggemusik der Stadtgarde, eingeladen. Sie spielen „Major Tom“, „1001 Nacht“ und „Über den Wolken“. Augenzwinkernd wird Dirigent Stefan Wolf aus dem Publikum gebeten: „Mach uns nicht kaputt.“ Doch Ohren, Gläser und Scheiben halten. Die Gäste sind voll des Lobes. Viel Platz haben die 03er nun. Auch für die Schießanlage der erfolgreichen Schützen. Oder für die Tanzgruppen und Tischtennisspieler. An den Industriecharme mit Stahlträgern im Raum, langen Fluren und großen Hallen habe man sich gewöhnen müssen, sagt Hammann. Sogar Luftdruckschläuche aus der Lederwarenproduktion hätten noch gehangen, erinnert sich Specht. Um den Raum zu verkleinern, wurde eigens eine neue Wand samt Elektro- und Wasserinstallation gezogen. Keine einfache Sache. Doch die Mühe hat sich gelohnt.

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