Zum Rocken ist man nie zu alt

Offenbach - Das Wummern des Schlagzeugs dringt durch die Stahltür, die den Zugang zum Keller des Kinder-, Jugend- und Kulturzentrums (KJK) in der Offenbacher Sandgasse versperrt. Dahinter dröhnt gerade „Venus“ von Shocking Blue aus dem Verstärker. Es ist Montag. Von Lena Marie Jörger

Probentag. Aber nicht etwa Jugendliche stehen hinter den Mikrofonen und hauen in die Keyboard-Tasten. Die Mitglieder von „Sandrock 55“ sind alle über 50 Jahre alt – eine Seniorenband offiziell, auch wenn der eine oder andere bei diesem Wort das Gesicht verzieht. Vor drei Jahren rief das Jugendkulturbüro das Projekt ins Leben. „Damit wollten wir Leute ansprechen, die durch Beruf und Familie lange nicht viel Zeit für die Musik hatten und ihr Hobby jetzt im Ruhestand wieder ausleben wollen“, erklärt Mitorganisatorin Claudia Weigmann-Koch. Etwa 50 Menschen bewarben sich auf die Ausschreibung, übrig blieben zwei Bands: „Weibergesang“, die derzeit aus vier Musikerinnen besteht, und „Sandrock 55“ mit fünf Mitgliedern.

Und diesen Fünf ist die wöchentliche Probe heilig. „Der Montag ist der schönste Tag in der Woche“, schwärmt Annegret Ecker (59), Sängerin und Bassistin der Band. Schlagzeuger Wolfgang Sacher (63) sieht das genauso: „Ich habe mir den Tag extra freigeschaufelt.“ In Sachen Musikrichtung ist die Gruppe breit aufgestellt. „Irgendwas mit Rock“, präzisiert Gitarrist Uwe Brand (56) dann aber doch noch. Von den Beatles über Spencer Davis, Reinhard Mey und Nena sei alles dabei. „Wir haben auch Ärzte-Songs im Repertoire“, fügt Frank Thiemann (67), Gitarrist und Sänger, hinzu.

Wie alle anderen hat auch er erst vor Kurzem wieder mit der Musik angefangen. „Mit 16 war ich in einer Schülerband, danach habe ich ein bisschen zuhause für mich gespielt.“ Dem jüngsten Bandmitglied Sabine Lämmle (52) ging es ähnlich. „Vor zehn Jahren habe ich mal mit dem Saxofon gespielt, jetzt habe ich wieder damit angefangen.“ Verlernt hat sie es über die Jahre aber nicht. „Nur die Puste geht mir jetzt ein bisschen früher aus.“ Unterstützung erhalten die Bandmitglieder von Manfred Häder, Projektbetreuer und Bluesgitarrist. „Um in einer der Bands mitspielen zu können, braucht man zwar keine Notenkenntnisse“, sagt er, „aber man sollte auf jeden Fall schon einmal ein Instrument in den Händen gehalten haben.“

Uwe Brand kramt derweil nach einem rechteckigen Schild, um es kurz darauf schmunzelnd zu präsentieren. Darauf zu sehen ist Comic-Figur Homer Simpson, den Mund zu einem Grölen weit aufgerissen und beide Arme in die Luft gestreckt. Darunter steht in großen Buchstaben: „Never too old to rock“ – übersetzt: nie zu alt zum Rocken. „Das ist unser Credo“, sagt Brand und grinst. Wie zum Beweis stimmen die Fünf „Mighty Quinn“ der Manfred Mann’s Earth Band an. Während Thiemann singt, wippt Brand lässig mit dem Fuß und beißt sich auf die Unterlippe. Mentor Manfred Häder klopft den Takt auf seinem Oberschenkel mit. Er ist sichtlich stolz. Auftritte hat die Band im Übrigen auch. „Letztes Jahr 13 Stück“, verkündet Sacher. Von Aufregung ist bei den Musikern aber keine Spur. „Sobald die ersten Töne erklingen, ist das weg“, sagt Lämmle.

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