Täglich nasse Füße

Offenbacher bemängeln Zustand der Gehwege

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Stolper- und Fahrradfallen, teils durch die winterlichen Regenfälle sichtbar gemacht.

Offenbach - Alle Winter wieder: klaffende Spalten, schiefe Gehwegplatten, tiefe Löcher. Und die Stadt beziehungsweise der Stadtservice kommt mit der Beseitigung der Mängel kaum hinterher. Von Martin Kuhn 

Zur Einordnung: Das Schlagloch in der Liebigstraße misst (Zollstock!) mindestens 80x60 Zentimeter. Wer da bei Dunkelheit und Gegenverkehr in der engen Straße reinradelt, hat keinen Spaß mehr.

Es sei an der Zeit, dass die Stadt sich dieser Thematik nachhaltig annimmt, klagen Offenbacher. Allein: Es fehlt am Geld. Der ADAC hat’s mal überschlagen: In die Bundesfernstraßen werden im Schnitt rund fünf Milliarden Euro pro Jahr investiert. Der eigentliche Bedarf liege jedoch bei mindestens 7,5 Milliarden Euro. Ähnlich die Situation in den Kommunen: Die notwendigen Investitionen für den Straßenerhalt belaufen sich auf acht Milliarden Euro, tatsächlich geben Städte und Gemeinden fünf Milliarden Euro aus. Folge laut ADAC: „Bereits jede zweite Straße ist kaputt.“
Das ist in Offenbach – trotz diverser Sonderprogramme – nicht anders. „Dass Schlaglöcher nur notdürftig und mit zweifelhafter Haltbarkeit geflickt werden, ist landläufig bekannt“, kritisiert ein Leser und schildert plastisch seine Erfahrungen: „In der zwischen Berliner und Frankfurter Straße nicht gerade wenig befahrenen ,Nebenstraße’ Ludwigstraße bemühte man sich erst nach mehr als zwei Jahren, eine recht ausgeprägte Schlaglochzone so zu flicken, dass die Füllung die Monatsfrist überdauert.“

Nach seiner Beobachtung machte der regenreiche Winter allerdings ein weiteres Problem sichtbar: Den sich „erheblich verschlechternden“ Zustand der Gehwege! Es sei beinahe unmöglich, selbst bei nur kurzen Fußwegen nicht auf lose Gehwegplatten zu stoßen, „die - auf den ersten Blick nicht immer als solche erkennbar - beim Auftreffen des Schuhwerks spürbar nachgeben“. Was bei trockener Witterung nicht nur für Ältere schon gefährlich genug sei, werde bei Regenwetter zur „widerlichen Spritzfalle“. Es sei an der Zeit, dass die Stadt sich auch dieser Thematik nachhaltig annimmt! Er schreibt: „Es kann nicht sein, dass man sich einerseits für Prestigeprojekte wie Hafenviertel und Kaiserlei feiern lässt oder sich um die Millionen für den Marktplatzumbau streitet, auf der anderen Seite aber die Bürger bei ihrer alltäglichen Routine nasse Füße bekommen.“

Dass er mit seinem Anliegen nicht allein steht, bestätigt Sigrid Aldehoff. Die Sprecherin des Stadtdienstleisters ESO hat zusammengerechnet: In den vergangenen beiden Jahren sind jeweils mehrere hundert Meldungen über Gehwegschäden eingegangen – meist telefonisch, oft über den elektronischen Mängelmelder via Internet oder Smartphone. Hinzu kommt das, was der Außendienst bei seinen regelmäßigen Touren entdeckt, markiert und weitermeldet. Und demnächst soll es auch im Zuge des „Nahmobilitätsplans“ ein Kataster zum Zustand der Gewege geben.

Die „Straßengeher“ haben einiges zu leisten bei einem Straßennetz mit rund 280 Kilometern Länge. Da diese zumeist mit zwei Gehwegen versehen sind, sind’s gut 500 Kilometer, die turnusmäßig zu kontrollieren sind. Eine Besonderheit ist die Fußgängerzone: Dort sind die „Straßengeher“ wöchentlich unterwegs.

Ein einheitliches Schadensbild gibt’s in Offenbach nicht: Mal haben sich einzelne Platten gelöst, mal sind großflächige Senkungen oder Brüche zu reparieren, meist verursacht durch schwere Fahrzeuge. „Absolute Priorität haben hochstehende Platten“, betont Aldehoff. Die Reparatur durch den Stadtservice erfolgt „zwischen sofort bis drei Tage bei Stolperfallen und bis zu drei Wochen bei anderen Schäden“.

Schlaglöcher und kaputte Wege in Offenbach: Leserbilder

Dass nicht mehr getan werden kann, liegt an den fehlenden Finanzmitteln. Das regelt in den beschriebenen Fällen der sogenannte Rahmendienstleistungsvertrag. Jahr für Jahr überweist die Stadt an die Stadtwerke-Holding 2,5 Millionen Euro – abgegolten sind Reparaturen an Straßen und Gehwegen, Beschilderung, Hochwasserschutz, Bereitschaftsdienste... Im vergangenen Jahr wurde ausgerechnet, was für den Erhalt des lokalen Straßennetzes aufzuwenden wäre: mehr als 35 Millionen Euro. Damit wäre aber keine grundhafte Erneuerung zu bezahlen, die sich einige wünschen – auch nicht für die Gehwege.

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