Offenbacher Brettspieltage

Zusammen den Feind besiegen

Am Spielbrett finden Generationen zusammen. Die zweite Auflage der Offenbacher Brettspieltage war ein voller Erfolg. Manche blieben gar über Nacht.  (c)Foto: Georg 

Offenbach - Eigentlich müsste Christiane Friedrich in den Seilen hängen. Bis zwei Uhr nachts hatte die Referentin der Frei-religiösen Gemeinde Offenbach in deren Haus am Schillerplatz mitgezockt. Von Stefan Mangold 

Die Hartgesottenen übernachteten im Schlafsack auf der Isomatte in der Weihehalle. Einer schlief am schnellsten ein und schnarchte am lautesten. „Kein Auge habe ich zugedrückt“, sagt die Diplom-Pädagogin, die früh morgens mit den jungen Gemeindemitgliedern wieder alle Hände voll zu tun hatte, um das kulinarische Beiwerk für den Tag zu richten.

Zum zweiten Mal organisierten die Frei-Religiösen, der Stadtjugendring, die Evangelische Jugend und die Käthe-Kollwitz-Schule von Freitag bis Sonntag die Offenbacher Brettspieltage. Unterstützung bekamen die Veranstalter unter anderem von Sponsoren wie der Metzgerei Nußbaumer, der Sparkasse Offenbach oder dem Hotel Best Western Macrander. Zum Startschuss drohte das Gemeindezentrum aus allen Nähten zu platzen. Bis zu 200 Kinder von Eichendorff-, Erich-Kästner- und Wilhelmschule, Kindergarten der Frei-Religiösen und Kita 14 aus Waldhof saßen ab 9 Uhr an den Brettern. Am Wochenende kamen auch Familien.

Hessen spielt in der Hugenottenhalle

Doch nicht jedes Spiel scheint für alle Generationen ein Renner zu sein. Als ein sechsjähriges Mädchen die Mutter zu einer Partie „Lotti Karotti“ herausfordert – es geht um Karotten-lüsterne Hasen –, weigert die sich strikt: „Spielt ihr das, darauf hab’ ich keinen Bock.“ Über die Urgroßoma fand der ehemalige Seligenstädter Steffen Wallraff aus dem niederbayerischen Deggendorf einst zu Würfeln, Brettern und Karten. Mit ihr spielte der heute 43-Jährige den Klassiker. Mancher dürfte vor seinem inneren Ohr den Würfelwurf und das anschließende Tippeln der Figuren auf dem Pappbrett aus der Kindheit noch hören. Niemand kann sich an ein ruhiges, beschauliches „Mensch-ärgere-Dich-nicht“ erinnern ohne klagende, drohende Flüche wie „Das gibt es nicht“ und „Das merk‘ ich mir“. Steffen Wallraff blieb auch als Großer dabei. Mittlerweile kann er mehr als 1000 Spiele sein eigen nennen. Einen Teil aus seinem Fundus stellt Wallraff am Schillerplatz zur Verfügung, ebenso wie Alexander Pax aus Mainz.

Es wundert zu Zeiten des Internets, wie viele von weit herkommen, um mit realen Menschen etwa „Legenden von Andor“ zu spielen. Eine Gruppe aus Heroen mit individuellen Fähigkeiten stellt sich den Feinden des Königs entgegen. „Spiele mit kooperativem Charakter werden stark nachgefragt“, erklärt Wallraff. Die Akteure handeln im Verbund, das Spiel ist der Gegner. Ebenso bei „Pandemie“: Verliert das Kollektiv, geht der Planet den Bach runter. Ein Vorteil, echte Menschen dem Placebo-Erlebnis am Computer vorzuziehen, liegt für ihn auch darin, „dass man bei Szeneveranstaltungen Frauen kennen lernen kann“. Wallraff spricht aus Erfahrung. Er lernte in Deggendorf seine Lebensgefährtin Tanja Kellnberger kennen. Sie trägt wie Wallraff ein blaues T-Shirt, das sie als „Spieleerklärer“ ausweist.

An Turnieren teilnehmen

Viele Besucher erscheinen, um an Turnieren in „Heckmeck am Bratwurmeck“ oder „Speed Cups“ teilzunehmen. Als erste Gesamtsiegerin steht am Samstag die fünfjährige Pauline Pax aus Mainz fest. Sie drängte bei „Schubsen – Das rasante Pinguin-Rennen“ die Konkurrenz vom Brett. Die Nacht auf den Sonntag schlief Christiane Friedrich immerhin drei Stunden. Den Schnarcher hatte man separiert. Bis drei Uhr morgens hoppelten zuvor die Würfel. Bereits an den ersten beiden Tagen schauten schon 900 Spieler vorbei. „Das Ergebnis vom vergangenen Jahr ist bei weitem übertroffen“, freuen sich die Veranstalter.

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