Wo auch mal Tränen kullern

Mehr als 1300 Starter beim Offenbacher Citylauf

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Mit Spaß und Ehrgeiz: Mehr als 900 Meldungen für die Stadtschulmeisterschaften hat es gegeben. „So viele wie noch nie“, freuen sich die Organisatoren vom ausrichtenden Offenbacher Leichtathletik-Club.

Offenbach - Mehr als 1 300 Starter gingen beim 20. Offenbacher City-Lauf auf den innerstädtischen Rundkurs. Mit 900 Teilnahmemeldungen erreichten die Rennen um die Stadtmeisterschaften der Schulen eine Rekordmarke. Es gab Glücksmomente, aber auch manch enttäuschtes Gesicht. Von Harald H. Richter 

Die gesamte Gefühlswelt steht in dem Augenblick Kopf, als Felix nach der ersten Runde um die Ecke biegt und auf der langen Gerade der Frankfurter Straße erkennen muss, dass die anderen Kinder weit enteilt sind. Enttäuscht schert der Fünfjährige aus dem Läuferfeld aus, Tränen kullern über seine Wangen. Tröstende Worte und Aufmunterungsversuche seiner Eltern können ihn nicht überzeugen, weiter zu laufen. Sein heftiges Kopfschütteln bekräftigt, er mag nicht mehr – Schluss, Aus, Feierabend! Dabei hatte er sich wie zuvor auch sein sechsjähriger Freund Jordan Ray gut gelaunt eines der hellgrünen Leibchen seiner Grundschule übergestreift. Wohlweislich haben die Kinder im Vorhinein auf dem Hof ihrer Schule geübt, um ein Gefühl für die knapp anderthalb Kilometer lange Strecke zu bekommen.

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Jordan Ray jedenfalls ist überzeugt, dass er in seiner Altersstufe vorn mitmischen wird. „Ich war im Training der Schnellste.“ Der Rennverlauf bestätigt seine Erwartung, denn als der Blondschopf auf dem Aliceplatz die Ziellinie überquert, strahlt er übers verschwitzte Gesicht und ist mit seiner Zeit um sechs Minuten zufrieden. Dankbar greift er, wie viele andere Starter, zu einer kostenlos gereichten Erfrischung und verschmäht auch den vitaminreichen Apfelschnitz nicht. 130 Kilogramm dieses gesunden Tafelobstes haben freiwillige Helfer des Offenbacher Leichtathletik-Clubs (OLC) mundgerecht zerkleinert und bieten es den Läufern an einem der Stände vor dem KOMM-Center an. Dort hat auch das Reha- und Gesundheitszentrum Theraneum sein Zelt aufgestellt. „Bei uns können sich Aktive nach dem Rennen kostenlos behandeln lassen“, erläutert Mitgeschäftsführer Holger Jung.

Für den ausrichtenden OLC bedeutet der 20. City-Lauf ebenso wie fürs städtische Sportamt eine organisatorische Herausforderung. Mitten im Zentrum gilt es, eine Sportveranstaltung zu stemmen, während die Ladengeschäfte geöffnet sind, der Verkehr möglichst wenig beschränkt werden sollte und die Buslinien ohne allzu große Verspätungen ihre Routen fahren müssen. OLC-Chef Diethelm Kuttich betont, dass etwa 70 Mitglieder ehrenamtliche Aufgaben zur Abwicklung des Jubiläumsevents übernommen haben – sei es als Streckenposten, im Meldebüro oder an einer der Verpflegungsstationen. Ferner sind Technisches Hilfswerk und Arbeiter-Samariter-Bund im Einsatz. Rund 50 Mitarbeiter der Stadtverwaltung sorgen ebenfalls für einen geordneten Ablauf, berichtet Alexander Knöß vom Sportamt. „Keine besonderen Vorkommnisse“ signalisiert er – eine beruhigende Meldung in Zeiten, da öffentliche Großveranstaltungen gewisse Risiken bergen.

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Mehr als 900 Meldungen für die Stadtschulmeisterschaften über die 1,4 Kilometer-Distanz hat es gegeben, „so viele wie noch nie“, freut sich Kuttich. Das Teilnehmerfeld komplettieren rund 450 Starter bei den offenen Schüler- und Jugendrennen über die gleiche Streckenlänge sowie zum 5,5 Kilometer-Stadtlauf und in der „Königsdisziplin“ Halbmarathon. Das Publikum lässt sich während des Nachmittags auf dem Aliceplatz von Darbietungen der „Icebreakers“ der Stadtgarde Offenbach sowie deren Samba-Tanzgruppe „Bambis“ unter Leitung von Sandra Gottscheck und den von Katja Kühn betreuten Zumba-Kids der TSG Bürgel unterhalten. Für den siebenjährigen Noah aus der Beethovenschule endet der Tag zweifach erfolgreich. Er hat nicht nur den 1,4 Kilometer-Lauf um die Stadtschulmeisterschaft geschafft, sondern die Distanz gleich noch einmal bewältigt, um im offenen Rennen seinen kleinen Bruder Philipp zu begleiten. „Der ist erst vier, wollte aber unbedingt auch mitmachen“, sagt der Dreikäsehoch zufrieden und grinst mit ihm in Erwartung der Anerkennungsurkunden um die Wette.

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