BI Luftverkehr organisierte Montagsdemo

Offenbacher Deckelhymne

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Offenbacher Demonstranten: Hartmut Wagner, Brigitte Nötzel und Ingrid Wagner (von links).

Offenbach - Zum Schluss der Demo singen die 3000 Fluglärm- und Ausbaugegner auf Rhein-Main am Montag die „Offenbacher Deckelhymne“. Sie haben sehr vernehmlich den Fluglärm über ihrer Heimatstadt satt. Von Regina König

„Den Deckel drauf bei insgesamt 380.000 Überflügen pro Jahr“, lautet die Forderung. Hartmut Wagner von der Offenbacher Bürgerinitiative Luftverkehr schlägt dazu die Klampfe. Alle singen inbrünstig mit.

Werden die Offenbacher sich vom übermächtigen Gedröhne über ihren Köpfen befreien können? Die BIL richtet diese 49. Demo gegen Fluglärm aus. Brigitte Nötzel (Offenbach) und Hans Schinke aus Bürgel wenden sich mit Reden an die Ausbaugegner. Nötzel erzählt den Demonstranten aus der gesamten Region – aus Mühlheim, Rodgau, Frankfurt-Sachsenhausen und -Lerchesberg, Bad Orb, Mainz, Groß-Gerau, Hanau, Main-Kinzig-Kreis, Klein-Winterheim und vielen mehr waren sie angereist –, wie besonders Offenbach von Krach und Abgasen seit der Eröffnung der Nordwestlandebahn betroffen sei.

Mit Offenbach werde beschämend umgegangen

Mit Offenbach werde beschämend umgegangen, sagt sie. Die gesamte Stadt sei Siedlungsbeschränkungsgebiet. Kitas, Krankenhäuser und Altenheime dürften nicht mehr neu gebaut werden. Wie solle Offenbach mit der aktuellen Forderung nach weiteren Kitas umgehen? Wo alle Knirpse unterbringen, die Anrecht auf einen Platz hätten? Wer privat investiere, müsse auch privat für Schallschutz sorgen. Offenbach sei der „Superlativ an überflogenen Bürgern“. Es sei Jahrhunderte altes Siedlungsgebiet. Das gelte freilich für Mainz, Hanau oder Mühlheim ebenso. Der Flughafen befinde sich auf einem Vorkriegsstandort.

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Nötzel erwähnt schließlich auch das „Taschengeldformat“, mit dem Offenbach finanziell abgespeist werden solle. („Die Stadt kriegt kaum was ab“, OP vom 19. Dezember). Die neu ins Gespräch gebrachte Rückenwindkomponente würde allein Offenbach Überflüge an 320 Tagen im Jahr bringen. Bislang bewegte sich das im 200er-Bereich. Man wolle gar nicht mehr hören, dass die Luftfahrtindustrie sich auf Subventionen ausruhen dürfe, denn der Treibstoff für Flieger ist steuerfrei. Die Offenbacherin fordert eine Neubewertung des gesamten Standorts Flughafen Rhein-Main.

Hans Schinke nutzt, das Fastnacht ist

Hans Schinke nutzt, das Fastnacht ist. Er wendet sich als ehrlicher, offener, gefühlvoller und beleidigter Ministerpräsident Volker Bouffier durch den Mund seines „Pressesprechers“ an die Demonstranten. Hinter seiner Foto-Maske bekennt der hohe Gast, auch er schlafe schlecht – nicht wegen des Lärms, sondern weil die Bewohner Rhein-Mains „paranoide, auf Lärm fixierte Querulanten“ seien. Und in Annäherung an den späteren grünen Koalitionspartner („Die FDP schafft’s sowieso nicht mehr“) fordert Schinke-Bouffier den Deckel für alle Gemeinden bis 15 000 Einwohner: an flächendeckende Überdachung denkt der Redner; „und drauf Photovoltaik“, das sei doch grün. Ebenfalls „menschenfreundlich“ die Idee, das künftige Terminal 3 original wie Alt-Sachsenhausen zu gestalten. Die Demonstranten hatten Freude an Schinkes deftigen Vorstellungen.

Die Fastnacht hindert die Lärmgegner nie. Am Rosenmontag treffen sie sich ab 18 Uhr im Terminal 1. Lustig verkleidet und wie immer laut..

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