Glasmosaik mit Wärmedämmung

„Da gehen die Sprayer nicht ran“

Offenbach - Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht die Arbeit der Offenbacher Delta Elements GmbH an vielen Gebäuden in der Region: Die geschwungene grüne Mosaikfassade bei „SportScheck“ in Frankfurt lehnt sich an Fassadengestaltung aus den 1960er-Jahren an. Von Achim Lederle

Erst kürzlich fertiggestellt wurde das Mutter-Kind-Haus im Frankfurter Stadtteil Riedberg, das mit einer auffälligen grün-weißen Mosaikfassade glänzt. „Unsere Fassaden kombinieren künstlerische Ausführung mit praktischer Wärmedämmung“, erklärt Marc Gatzweiler, Diplom-Ingenieur und Chef von Delta Elements.

Die Glasmosaik-Fassaden des Unternehmens kosten als Wärmedämm-Verbundsystem etwa 220 Euro pro Quadratmeter. Ein stolzer Preis, trotzdem kommen viele Aufträge von kommunalen Einrichtungen wie Kitas oder Schulen. Gatzweiler: „Mosaikfassade ist zwar teurer als normaler Putz, rechnet sich aber langfristig und kann von den Kommunen über 30 Jahre abgeschrieben werden. Die Fassade hilft auch gegen Graffiti, da gehen die Sprayer nicht ran“. Die Idee der Kombination aus Glasmosaik- und Wärmeverbund-Systemen ließ sich Gatzweiler patentieren.

Delta Elements in der Heyne-Fabrik

Im Herbst 2007 gründete der heute 42-Jährige sein Unternehmen parallel zu seiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Architektur an der Technischen Universität Darmstadt. Gatzweiler, der verheiratet ist und einen Sohn hat, brachte sein Wissen auch in einem Ausschuss der Bundesregierung ein, wo es darum ging, Fassaden so zu sanieren, dass sie nicht einfach überklebt werden.

Heute residiert Delta Elements in der Heyne-Fabrik, dem Offenbacher Zentrum für Mode, Design und Architektur. Insgesamt drei Beschäftigte zählt das Unternehmen, hinzu kommen zahlreiche Architekten, Künstler und Handwerksbetriebe auch aus Offenbach, die die Ideen von Gatzweiler und seinem Team in die Realität umsetzen. „Unsere Grundstruktur ist eine schlanke mit vielen Mitarbeitern außerhalb der Firma, Teilweise begleiten wir einen Bauprozess über mehrere Jahre“. sagt der 42-Jährige.

Import und Vertrieb von Baumaterial

Schwerpunkt von Delta Elements ist Fassaden- und Raumbekleidung mit Glasmosaik, daneben bietet die Firma Feinsteinzeug, Natursteine und als neuen Bereich Holzpaneele zur Fassadengestaltung an. Ein weiteres Standbein ist der Import und Vertrieb von Baumaterial. Über 90 Prozent der Einnahmen kommen laut Gatzweiler aus dem Handelsgeschäft mit Partnern im Ausland, die Material für Fassadensysteme herstellen. Forcieren will das Unternehmen in Zukunft den Indoor-Bereich. „Wir sind sehr spezialisiert und bedienen exklusiv eine Nische“, unterstreicht Gatzweiler. Dies sei vergleichbar mit der Modeindustrie. Delta Elements sei die kleine Boutique, nicht der große Modehändler. „Alleinstellungsmerkmal ist unser individueller, kundenorientierter Support. Es gibt bei uns nichts von der Stange.“

Das Unternehmen steigere seinen Umsatz Jahr für Jahr; aktuell würden etwa 200.000 Euro umgesetzt. 32 Projekte mit einer Fläche von 10.000 Quadratmetern stehen laut Gatzweiler in den Auftragsbüchern, in Planung sind 40 Projekte mit über 12.000 Quadratmetern. Delta Elements sei vor allem in deutschsprachigen Raum aktiv. „Unser größtes Projekt war die Peter-Behrens-Schule in Darmstadt mit einem integrierten Porträt des Industriedesigners Peter Behrens auf der Fassade“, erzählt Gatzweiler. Die Stadt Rüsselsheim habe an einem Gebäude in einem sozialen Brennpunkt Farbmosaiken an der Fassaden angebracht. „Das wertet die ganze Gegend dort auf.“ Eine Glasmosaik-Fassade sei sehr stabil.

Irre Halloween-Häuser in Deutschland

Irre Halloween-Häuser in Deutschland

Werde doch einmal etwas beschädigt, könnten einzelne Teile einfach ausgetauscht werden. „Wir machen keinen Luxus, sondern haltbare Produkte zum günstigen Preis“, so Gatzweiler. Das Unternehmen beteiligte sich in diesem Jahr am Hessischen Gründerpreis, wo Delta Elements in der Kategorie „Innovation“ ins Halbfinale einzog. Laut Gatzweiler war die Entscheidung für Offenbach eine sehr bewusste: „Die Heyne-Fabrik passt gut zu uns. Offenbach ist eine spannende Stadt mit vielen Kreativen und viel Entwicklungspotenzial.“ Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung sei hier sehr viel persönlicher als in anderen Kommunen. Gute Voraussetzungen, um in der Region viele weitere Hingucker an Gebäuden zu schaffen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare