Als Offenbacher Diebe noch Manieren hatten

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Fesselnde Geschichten, manchmal auch im Wortsinn: Im elften Erzählcafé der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal wollte es Moderator Karl-Heinz Stier (rechts) ganz genau wissen und büßte dafür gerne vorübergehend an Bewegungsfreiheit ein. Viele, die früher Heinz Krömmelbein oder Kurt Löwer begegneten, kamen nicht so glimpflich davon. Der pensionierte Hauptkommissar und der einstige Polizeipräsident erzählten ebenso wie Amtsgerichtspräsident a. D. Wilhelm Uhl und Oberstaatsanwalt Peter Kircher von Gaunern und Ganoven, denen sie von Berufs wegen auf die Füße getreten sind. Die Erzählungen drehten sich auch um den Wandel, den Polizei, Polizeiarbeit und vor allem Kriminelle im Laufe der Jahrzehnte durchlaufen haben.

Offenbach - Als der Jurist Kurt Löwer 1971 Polizeipräsident in Offenbach wurde, stand er einer städtischen Polizei vor. Drei Jahre danach wurde sie verstaatlicht, was Löwers Amtsbereich um den Kreis Offenbach vergrößerte. Von Lothar R. Braun

Mittlerweile ist das in Offenbach ansässige „Polizeipräsidium Südosthessen“ zuständig für einen riesigen Bereich, der bis an die bayerische Landesgrenze im Spessart und den Rand des Vogelsbergs reicht. Die Polizei und die Polizeiarbeit haben sich verändert in den letzten Jahrzehnten. Darüber wurde gesprochen im Erzählcafé der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal. Es war dort die elfte Veranstaltung, wieder moderiert von Karl-Heinz Stier.

Der Pensionär Löwer traf dabei auf den amtierenden Polizeipräsidenten Heinrich Bernhard, der im Jahr 2005 bundesweit bekannt wurde, als ihn der Zufall Zeuge eines Mordes in der Darmstädter Straße werden ließ. Unbewaffnet konnten der Präsident, sein Fahrer und sein Pressesprecher den bewaffneten Täter verfolgen und festnehmen, einen ausländischen Auftragskiller. Dem Vorgänger Löwer ist solcher Mut nie abgefordert worden. Ihn bedrückt es jedoch auch im Ruhestand noch, dass in seiner Zeit zwei junge Beamte in Ausübung ihres Dienstes erschossen wurden.

Gauner gab's schon immer“ hieß der Titel der Veranstaltung. Doch wie die Polizei haben sich auch die Gauner im Laufe der Zeit verändert. Davon erzählte der pensionierte Hauptkommissar Heinz Krömmelbein. Als er 1954 bei der Offenbacher Polizei anfing, genoss der „Herr Wachtmeister“ noch den Respekt auch notorischer Kleinkrimineller. Krömmelbein erinnert sich an Festnahmen, bei denen der Festgenommene brav neben dem Fahrrad des Polizisten mit zur Wache trabte.

Auch Offenbachs Amtsgerichtspräsident a. D. Wilhelm Uhl konnte in jungen Jahren als Jugendrichter noch mutterseelenallein in Problemvierteln Verdächtige aufspüren. Und als er dann Ermittlungsrichter war, boten seine Klienten sogar Schutz gegen Bedrohungen durch ortsfremde Ganoven an. Gentlemen? Nein. Aber in dieser alten Zeit hatten Polizei und Justiz es noch vornehmlich mit „lokalen und regionalen Tätern“ zu tun. Man kannte einander. Das ist anders geworden.

Mehrfach kam zur Sprache, dass die Einbrecher von früher bessere Manieren hatten als ihre aktuellen Nachfolger. Sie klauten sozusagen reinlich, ohne dabei wie die Vandalen zu hausen und sinnlose Schäden anzurichten. „Das hat sich geändert, als in der Mitte der 1970er Jahre die Drogen aufkamen“, bestätigte Oberstaatsanwalt Dr. Peter Kircher, der gleichwohl davor warnte, die Vergangenheit zu verklären.

Zur Sprache kamen Begegnungen mit dem fünffachen Frauenmörder, der vor Jahren einmal den Wald auf der Rosenhöhe zu einem „Mordwald“ werden ließ.  Das war Kriminalgeschichte. In die Gegenwart führte Polizeipräsident Bernhard, als er darauf hinwies, die Masse der Straftäter entstamme schwierigen sozialen Verhältnissen: „Wenn man sich um diese Kinder und Jugendlichen rechtzeitig kümmert, landen sie nicht bei der Justiz.“

Bernhard wusste jedoch auch Positives zu melden. In Bezug auf die Kriminalität sei Offenbach besser als sein Ruf: „Wir registrieren einen ständigen Rückgang der Fallzahlen“.

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