In Sorge um das Klinikum

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Landtagsabgeordneter und -vizepräsident, CDU-Stadtverordneter und -Magistratsmitglied: Lang ist die Liste der Ämter, die Hermann Schoppe bekleidet hat.

Offenbach - Hermann Schoppe trägt Lorbeer. Er ist Ehrenbürger der Stadt Offenbach, Ehrenvorsitzender des örtlichen CDU-Kreisverbands und Ehrenmitglied im Verband der Lehrer an Berufsschulen in Hessen. Von Lothar R. Braun

Das Bundesverdienstkreuz erhielt er in zwei Stufen, dazu den Hessischen Verdienstorden. In drei Wahlperioden haben die Wähler ihn in den Landtag geschickt, dem er zuletzt als Vizepräsident diente. Im Rathaus diente er jahrzehntelang als Stadtverordneter und Magistratsmitglied. Nun ist er ein Ruheständler, den Sorge um das Klinikum bedrückt. Am heutigen Mittwoch wird er 75 Jahre alt.

Zu den Kliniken am Starkenburgring hat der Vielgeehrte eine enge Bindung – nicht nur als Vorsitzender des Klinikum-Fördervereins. Er gehörte zu den Akteuren, als der städtische Eigenbetrieb Stadtkrankenhaus in die Rechtsform einer GmbH gekleidet wurde und die Entscheidung fiel, statt einer Totalerneuerung gleich einen Neubau zu wagen. Den Christdemokraten lässt es noch heute nicht unberührt, dass ihn der damalige SPD-Oberbürgermeister Gerhard Grandke zu seinem persönlichen Vertreter in Krankenhaus-Angelegenheiten berief. Beide waren einander vertraut. Am Wirtschaftsgymnasium hatte der Schüler Grandke den Diplom-Handelslehrer Schoppe schätzen gelernt.

Die Akteure von damals leitete das Bestreben, das Klinikum auf jeden Fall in der kommunalen Hand zu behalten. Mittlerweile scheint die hehre Absicht im Finanzstrudel unterzugehen. Auch Schoppe sieht ein privates Engagement am Klinikum Offenbach im Bereich des Möglichen. Es bedrückt ihn, obwohl er vor Jahren vom Spielfeld ging.

Doch es gibt ja nicht nur den Klinik-Schoppe. Seine erste Rede in der Stadtverordnetenversammlung hielt er 1968 als Plädoyer für die Einrichtung eines Stadtmuseums, damals am Rande des Dreieichparks. Es wurde die Wurzel des heutigen Hauses der Stadtgeschichte an der Herrnstraße. Seine zweite Rede widmete er dem Widerspruch gegen die damalige Flughafen-Erweiterung durch den Bau der Startbahn West. Ein anfassbares Denkmal setzte Schoppe auch sich selbst mit dem Standbild des „Streichholzkarlchens“ auf dem Wilhelmsplatz. Es erinnert an ein Alt-Offenbacher Original. Schoppe hat es wieder belebt.

Wähler kumulieren Schoppe ins Parlament

Politische Widersacher nannten den streitbaren Konservativen stur, aber verlässlich. Auf sein Wort, so heißt es, war immer Verlass. Das blieb nicht unbeachtet. 2001 wollte er seine ehrenamtliche Arbeit in der Kommunalpolitik beenden. Auf der Kandidatenliste der CDU ließ er sich deshalb nur auf den vermeintlich aussichtslosen Platz 68 setzen. Doch zu seiner eigenen Verblüffung kumulierten die Wähler ihn hinauf auf Platz 11. Er musste nochmal ins Geschirr.

Im Landtag fiel Schoppe mit eigenen Gesetzentwürfen auf. Ein Personalvertretungsgesetz gehört dazu. Unvergessen ist sein Anteil am Aufbau der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk, die ihren Sitz in Kassel erhielt.

Als Politiker wurde Hermann Schoppe vielseitig und belastbar erlebt. Die dazu erforderliche Kraft wurzelt, wie er meint, in einer strengen Erziehung im Elternhaus und in einer festen religiösen Bindung.

Die Arbeit hat ihm Ehrungen eingebracht. Am Ende des 75. Lebensjahrs stehen jedoch auch Enttäuschungen. Schoppe erinnert an das unruhige Jahr 1968, das für ihn wie für die Gesellschaft einen „Aufbruch zu mehr Demokratie“ einzuleiten schien. Aber was ist daraus geworden? Schoppe sieht „Rückzug ins Private, Hedonismus, sinkende Wahlbeteiligung, den Wunsch nach staatlich geplanter Sicherheit statt Eigeninitiative, zunehmende Erwartungshaltung der Bürger gegenüber dem Staat. Und immer weniger Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.“

Er hat sich von Mitverantwortung noch nicht verabschiedet. Zurzeit sammelt sein Klinikum-Förderverein Mittel für eine humanitäre Aktion. Es geht darum, einem schwerverletzten Kind aus Afrika die Behandlung in Offenbach zu sichern. Im Oktober plant Hermann Schoppe eine Benefizveranstaltung für diesen Zweck.

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