FDP fordert kreativere Innenstadt-Konzepte

Einzelhandel leidet unter drastischen Kundenschwund

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So voll wie bei diesem verkaufsoffenen Sonntag vor einigen Jahren wird es in der Innenstadt schon lange nicht mehr.

Offenbach - Es ist eine bestürzende Entwicklung, auf die IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach hinweist: Die Zahl der Passanten in der Offenbacher Innenstadt – also der potenziellen Kunden – ist seit 2014 drastisch zurückgegangen.

Eine Tendenz, die Hand in Hand mit der immer schwieriger werdenden Situation des Einzelhandels geht. Darauf hat Achenbach bei einer einer öffentlichen Fraktionssitzung der FDP aufmerksam gemacht. Den liberalen Fraktionschef Oliver Stirböck alarmiert besonders, dass der „Einzelhandelszentralitätsindex“ von 111,1 auf 103,4 stark gesunken ist. Der Wert gibt an, wie weit ein Standort Kundschaft auch von außerhalb anzieht: Wird die Hunderter-Marke gerissen, trägt die eigene Bevölkerung ihr Geld mehr nach außen als in die eigene Stadt. Und dann verliere die Stadt ihre Oberzentrumsfunktion, so Stirböck. Die seit Jahrzehnten sinkende Kaufkraft der Offenbacher habe die Angebotsvielfalt in der Innenstadt schleichend verschlechtert.

Dass es um den Einzelhandel alles andere als rosig steht, ist kein Geheimnis. Dabei hat erst im Januar eine Konjunkturumfrage der IHK ergeben, dass die Geschäftserwartungen in der Region auf hohem Niveau liegen. „Der Einzelhandel aber wird vom rasenden Konjunkturzug abgekoppelt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner. Immer mehr Marktanteile wanderten vom inhabergeführten Einzelhandel zu Discountern, Fachmarktzentren, Outlet-Shops oder in den Online-Handel ab.

Bilder zur Lederwarenmesse in Offenbach

Auch Freidemokrat Stirböck sieht diesbezüglich Handlungsbedarf. „Die Innenstadt 2040 wird mit den Innenstädten von heute nicht mehr vergleichbar sein“, sagt er. „Um in Offenbach das Ruder herumzureißen, muss die Stadt an allen Stellschrauben drehen: eine aktive Wirtschaftsförderung, attraktives Wohnen in der Innenstadt, eine Verschönerung des öffentlichen Raums, Mobilität, neue Konzepte für den Handel und eine stärkere Erlebnisorientierung“. Die City werde ihre Belebung nicht nur aus dem Einkaufserlebnis, sondern stärker als Ort der Begegnung erfahren.

Der FDP-Mann Dominik Schwagereit fordert „einen Wettbewerb der Ideenvielfalt“. Er kann sich vorstellen, dass die GBO leer stehende Innenstadt-Immobilien übernimmt, um sie an kleinere, innovative Läden zu vermieten. Hoffnung schöpft Schwagereit aus dem Beispiel Ludwigshafen: „Dort ist die Einzelhandelszentralität von 91,4 im Jahr 1993 auf 116,2 gestiegen, auch als Folge eines klugen Konzepts für die Innenstadt.“ (mei)

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