Wind sorgt für Überschuss

Offenbacher Energieversorgung erwirtschaftet 20,9 Millionen Euro Plus

Der EVO-Windpark im Jossgrund.
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Im Jossgrund hat die EVO im vergangenen Jahr ihren fünften Windpark eröffnet.

Gute Nachrichten für die arg gebeutelte Stadtkasse: Die Energieversorgung Offenbach (EVO) hat im vergangenen Geschäftsjahr ein dickes Plus an Überschuss erwirtschaftet und wird davon 8,6 Millionen Euro an die Stadtwerke Holding als einen der beiden Hauptaktionäre auszahlen.

Offenbach - Insgesamt hat der Energieversorger trotz der Corona-Pandemie einen Überschuss von 20,9 Millionen Euro erreicht, 51,4 Prozent mehr als noch im Vorjahr. EVO-Vorstandsvorsitzender Christoph Meier führt dies nicht zuletzt auf das „gute Windjahr 2020“ zurück. „Was an Windenergie erwirtschaftet wurde, macht mehrere Millionen Euro aus“, sagte er am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz, die corona-bedingt freilich digital abgehalten wurde.

Das deutliche Plus dank Windkraft bestätigt die Strategie der EVO, in erneuerbare Energien zu investieren. Gerade im Bereich Windkraft sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt: Im vergangenen Juli konnte im Jossgrund mit der Anlage Rosskopf der fünfte Windpark eröffnet werden. Insgesamt betreibt die EVO in Hessen und Rheinland-Pfalz damit 45 Windkraftanlagen, die rund 50 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. „Damit haben wir in gut zehn Jahren unseren Anteil an erneuerbaren Energien von Null auf fast 50 Prozent bei der Stromerzeugung gesteigert“, sagt Meier. Knapp 35 Millionen Euro hatte das Unternehmen in diese Energiesparte bisher investiert. Einen Freibrief für hohe Überschüsse stellt dies jedoch nicht dar: Für das kommende Geschäftsjahr wird wegen der schlechteren Windbedingungen seit Oktober mit deutlich weniger Ertrag gerechnet.

Ansonsten sieht Meier die EVO gut gerüstet: Durch die Modernisierung und Erweiterung des Müllheizkraftwerks können künftig nicht nur wie bisher 250 000 Tonnen Abfall pro Jahr verbrannt werden, sondern auch knapp 80 000 Tonnen Rohklärschlamm. Das darin enthaltene Phosphor soll zudem weiterverwertet werden.

In Sachen Kohlenstoffdioxid-Reduktion seien ebenfalls gute Fortschritte zu verzeichnen: Durch Optimierung und geänderte Verfahren habe man den CO2-Ausstoß im Kohle-Heizkraftwerk am Hafen deutlich reduzieren können. Wurden im Jahr 2000 noch 118 000 Tonnen Kohle verwertet und dabei 3428 000 Tonnen CO2 ausgestoßen, wurde 2020 der jährliche Verbrauch auf 68 000 Tonnen Kohle und 153 000 Tonnen Co2-Ausstoß reduziert.

Mit dem Bau des neuen Rechenzentrums auf dem EVO-Gelände am Nordring sei das Portfolio des Unternehmens zudem erweitert worden, der Bau eines weiteren Rechenzentrums werde derzeit geprüft.

Das gesellschaftliche Engagement der EVO wurde 2020 deutlich erweitert: Bei der gemeinsamen Aktion von EVO und unserer Zeitung wurden 40 000 Euro an Vereine in Not ausgeschüttet.

Corona-Pandemie sorgt für Digitalisierungsschub

Seit Anfang März vergangenen Jahres unterhält die EVO einen ständigen Krisenstab. Somit soll die Versorgung von knapp einer halben Million Haushalten und Betrieben in der Region auch während der Pandemie sichergestellt werden. Die EVO hat weitestgehend auf digitale Heimarbeit umgestellt, Konferenzen, Aufsichtsratssitzungen, Besprechungen und Anrufe werden komplett über den Dienst Microsoft Teams abgewickelt. Dafür wurden alle Mitarbeiter mit entsprechender Hard- und Software ausgestattet. In den Kraftwerken gilt ein strenges Hygienekonzept, die Schichten wurden getrennt. Auch die Ausbildung erfolgt digital, lediglich in der Lehrwerkstatt wird mit Masken und Abstandsregeln gearbeitet. Das Konzept hat sich laut Vorstandsvorsitzendem Christoph Meier bewährt, unter den knapp 800 Mitarbeitern der EVO-Gruppe kam es zu keiner Corona-Infektion.

„Wir schreiben schwarze Zahlen mit grünen Ideen“, sagt Meier zur guten Bilanzsumme von 339,2 Millionen Euro dank der umfangreichen Zukunftsinvestitionen. Vor Zinsen und Steuern wurden 40,3 Millionen Euro erwirtschaftet, zehn Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Der satte Überschuss von 20,9 Millionen Euro wird allerdings nicht komplett ausgeschüttet: Stadtwerke und MVV Energie als Hauptanteilseigner erhalten jeweils 8,6 Millionen Euro, 600000 Euro werden an Anteilseigner aus der Belegschaft ausgeschüttet. Die Dividende steigt von 74 Cent pro Aktie auf 96 Cent. Knapp 3,2 Millionen Euro werden für Investitionen zurückgehalten, denn für die Zukunft steht einiges an: So muss in die Umspannwerke und Stromversorgung investiert werden, um den durch Zuzug gestiegenen Energiehunger der Region Rechnung zu tragen. So werden etwa neue Stromleitungen von Dettingen unter dem Main nach Seligenstadt verlegt oder innerhalb Offenbachs das Stromnetz für die neuen Industriegebiete am Güterbahnhof oder dem Alessa-Gelände erweitert.

„Der Ausbau des Hochspannungsnetzes ist wichtig für den Ausbau der erneuerbaren Energien“, betont Technikvorstand Günther Weiß. Der Trassenbau werde jedoch umweltverträglich und größtenteils unterirdisch erfolgen. Was das Kohlekraftwerk im Hafen anbelangt, soll bis „zum Ende der Dekade“ eine Lösung gefunden werden. Es werde „in alle Richtungen gedacht“, um einen Ersatz zu schaffen. Schon jetzt werde das Kraftwerk nur noch im Winter benötigt.

Von Frank Sommer

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