Revolution in der Küche

Offenbacher entwerfen besonderes Schneidebrett

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Die Offenbacher Johannes und Joseph Schreiter sind stolz auf ihre „Werkbank für die Küche“.

Offenbach - Die Idee kam Johannes Schreiter vor drei Jahren bei der Arbeit. Der Koch hatte sich schon länger gefragt, wie sich die Arbeit in der Küche, also das Schnibbeln von Gemüse und Anrichten von Fleisch, optimieren ließe. Von Rebecca Röhrich 

Das ständige Improvisieren ging dem Profikoch, der in einem Frankfurter Restaurant arbeitet, auf die Nerven. „Gerade wenn es in der Gastroküche hektisch wird, müssen die Arbeitsschritte und -wege unkompliziert sein“, erzählt er. Optimal wäre also ein Schneidebrett, an dem die nötigen Behältnisse für das geschnittene Gemüse, für Abfall und Gewürze nach Belieben angebracht werden können. „Das habe ich meinem Bruder Joseph erzählt, der gerade an der HfG sein Studium für Industriedesign begonnen hatte“. So begannen die Zwillingsbrüder an dieser Idee zu tüfteln.

Das Grundprinzip war schnell gefunden. Ausziehbare Metallstreben sollen unterschiedliche Behälter am Schneidebrett festhalten. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Von Hand bauten sie in den vergangenen drei Jahren insgesamt 16 Prototypen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren. Für die Entwicklung ihrer „Werkbank für die Küche“ haben sie eisern gespart. Das hat ziemlich viel Geld gekostet und war somit auch ein finanzielles Risiko.

„Ich habe in diesen Jahren so wenig Geld wie möglich ausgegeben“, erzählt Johannes Schreiter. Immer wenn wieder Geld da war, hätten die Brüder in ihrer gemeinsamen Wohnung getüftelt und Material getestet. „Die Familie war schon ein bisschen besorgt“, erzählt Joseph Schreiter. „Schließlich haben wir insgesamt 50.000 Euro in die Entwicklung investiert und noch keinen Cent damit verdient“, berichtet der 33-jährige Offenbacher.

Genuss aus Frucht und Kräutern - Limonade selbst gemixt

Vor vier Monaten war es endlich so weit: Das Frankfurter Brett war bereit, in die Massenproduktion zu gehen. Der Name bezieht sich übrigens auf die Frankfurter Küche, die in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, um die Abläufe in der Küche zu vereinfachen, und als Urtyp der Einbauküche gilt. Denn die Jungs wollen nicht weniger als die Arbeit in der Küche erneut revolutionieren. Auch sei der Name praktisch, weil er International verstanden werde. Das „Frankfurter Würstchen“ ist auch dem gemeinen US-Amerikaner geläufig.

Und die Idee kommt an. Auf der amerikanischen Internetplattform Kickstarter, auf der weltweit junge Unternehmer über das Crowdfunding-Prinzip Finanziers für ihre Ideen finden, haben die Offenbacher Brüder die anvisierten 75.000 Euro Startkapital mühelos erreicht. 300 Kickstarter wollen sie unterstützen und haben Frankfurter Bretter, die in drei unterschiedlichen Größen erworben werden können, bestellt. Außerdem hat ein großer US-Onlineanbieter für schicke Haushaltsgeräte Interesse an der Küchen-Werkbank angemeldet.

„Das ging alles doch recht schnell“, sagt Joseph Schreiter. Beide sind nun gespannt, wie es weitergeht. Aber sie sind bestens vorbereitet. „Wir haben eine Firma in Rodgau, die unsere Bretter herstellt“, erzählen sie. Dass die Offenbacher ihrem Produkt ausgerechnet den Namen der ungeliebten Nachbarin gegeben haben, sehen die beiden mit Humor. „Zwei Offenbacher erfinden die Frankfurter Küche neu“, sagen sie. Und es ist ihnen anzumerken, dass sie es kaum noch abwarten können, mit der Massenproduktion loszulegen...

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