Autos werden heute geklebt

Frank Haug

Offenbach - Klebstoffe sind aus der Automobilindustrie nicht mehr wegzudenken. Die Offenbacher Firma Bodo Möller verkauft sie. Das Familienunternehmen setzt aber auch noch auf andere Trends. Von Marc Kuhn

Leichtbau ist vor allem in der Automobilindustrie gefragt. In den Fahrzeugen wird immer mehr Technik verbaut, deshalb darf die Karosserie nicht zu schwer sein. Und auch Elektroflitzer müssen leicht sein. Ein Trend, von dem das Offenbacher Unternehmen Bodo Möller Chemie GmbH profitiert, wie Geschäftsführer Frank Haug unserer Zeitung sagt. Moderne Pkw-Teile bestehen zum Beispiel aus Fasern und Kunststoffen sowie aus Carbonfasern und Epoxidharzen. Die Verbindung der Kunststoffelemente mit Aluminium sei nur mit Klebstoffen möglich, erklärt Haug. Zwischen 15 und 18 Kilogramm dieser Produkte sind mittlerweile in einem durchschnittlichen Auto verbaut. Sie gehören ebenso wie Additive für Kunststoffe, Lacke, Farben, Kautschukprodukte und Schmierstoffe zum Angebot von Bodo Möller. Etwa 18.000 Tonnen Chemie werden pro Jahr an der Senefelder Straße umgeschlagen. „Wir sind wahrscheinlich der größte Händler in Europa“, meint Haug.

Die leichten Kompositteile sind zuerst im Weltraum- und Flugzeugbau eingesetzt worden. Seit rund 15 bis 20 Jahren würden sie auch im Fahrzeug- und Maschinenbau nachgefragt, berichtet Haug. Früher habe Bodo Möller die harzverstärkten Bauteile und Klebstoffe den großen Autobauern vergeblich ans Herz gelegt. „Alle bis auf Audi haben uns weggeschickt.“ Die Ingolstädter erkannten, dass sich der Fahrkomfort durch die Steifigkeit der Karosserie und die Bilanz bei den Crashtests mit den Kunststoffteilen verbessern ließen - sie absorbieren die Energie beim Aufprall. Erste Erfahrungen machten die Pkw-Produzenten dann im Rennsport. Seit Jahren sind der Leichtbau und die Chemie der Offenbacher nicht mehr aus der Branche wegzudenken. „Alle Autohersteller kleben heute“, erläutert Haug.

Er betont: „Bodo Möller Chemie zählt auf die Kooperation mit zahlreichen internationalen Partnerunternehmen.“ Diese entwickeln und produzieren unter anderem die Klebstoffe. Das Familienunternehmen arbeitet mit den namhaften Chemiekonzernen Henkel, BASF, Dow Automotive Systems und Huntsman Advanced Materials zusammen. Bodo Möller greift die Bedürfnisse seiner Kunden auf und entwickelt innovative Produkte mit. Zu den Käufern der Chemikalien zählen nicht nur Konzerne, sondern auch kleine und mittelgroße Unternehmen.

Harze und Klebstoffe liefert Bodo Möller zudem auch an den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Der Grund: Die mit Harzen produzierten leichten Kompositteile lassen Wellen durch, mit denen Gegner beispielsweise nach Flugzeugen suchen. So sind diese nicht erkennbar. „Die Chemie, die dahinter steckt, ist geheim“, sagt Haug. Aber auch im zivilen Bereich gibt es zahlreiche Einsatzgebiete von harzverstärkten Elementen und Klebstoffen - zum Beispiel in der Ski- und Fahrradindustrie sowie in der Medizintechnik. „Klebstoff ist überall“, erklärt der Geschäftsführer.

Bodo Möller beschäftigt mittlerweile etwa 110 Mitarbeiter in Europa und Südafrika, 55 sitzen in Offenbach. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die 1974 gegründete Firma einen Umsatz in Höhe von etwa 54 Millionen Euro. Sie ist nach wie vor zum Großteil in Familienbesitz. 2005 ist Haug als Gesellschafter eingestiegen, nachdem der Diplomchemiker im Jahr 2000 die Geschäftsführung übernommen hatte. Nach seiner Einschätzung wird Bodo Möller 2013 „wahrscheinlich wachsen“. Aber: „Die Wirtschaft ist eher verhalten.“ Deshalb rechnet Haug nicht mit organischem Wachstum. Die Umsätze würden wohl zulegen, weil Bodo Möller Geschäft und Personal von einem Partner übernehmen werde.

Der Mittelständler habe aber auch schwere Zeiten hinter sich gebracht, erklärt der Geschäftsführer. „Die Photovoltaik ist uns auf die Füße gefallen.“ Für die Hersteller sogenannter Wechselrichter in Solarzellen hatten die Offenbacher einen speziellen Klebstoff entwickelt. Als die Abnehmer in den vergangenen Monaten in die Insolvenz rutschten, brachen die Umsätze in diesem Geschäftsfeld ein. Da Bodo Möller auch Scheiben- und Strukturkleber an die Pkw-Bauer liefert, schlägt zudem die europäische Autokrise auf die Bilanz der Offenbacher durch. Die Einbußen konnten nach den Worten von Haug aber mit dem Verkauf der Klebstoffe für die Leichtbauteile aufgefangen werden.

Realistisch betrachtet er die Zukunft des Unternehmens am Standort Offenbach, in dessen Nachbarschaft vor allem Wohngebiete sind. Bodo Möller vertreibe zwar harmlose Chemie, erklärt Haug. „Durch die Zertifizierung haben wir sehr hohe Standards.“ Die Gesetze würden aber immer strenger. Irgendwann werde sich die Frage nach einem Umzug stellen, sagt Haug - wohl in einen Industriepark.

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