Hilfe beim Smartphone-Schaden

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Marc Tecklenburg (links) und Andreas Maile haben die Repair Management GmbH gegründet.

Offenbach - Der Smartphone-Markt boomt. Die tragbaren Computer mit Telefon-Funktion sind für viele zum ständigen Begleiter geworden. Von Marc Kuhn

Was passiert indes, wenn sie den Dienst verweigern? Eine Reparatur des Smartphones bedeutet für Unternehmer, aber auch für Privatleute eine schwierige Durststrecke. Eine Offenbacher Start-up-Firma hat sich auf diesen Service spezialisiert, der auch Tablets, Notebooks, Kameras und MP3-Player einschließt. Am Montag steht die Repair Management GmbH im Finale beim Hessischen Gründerpreis. In den Räumen der Energieversorgung Offenbach (EVO) entscheidet ein Fachpublikum über die Preisträger.

Neun Gründer haben es in drei Kategorien in die Schlussrunde geschafft. Im Bereich mutige Gründung treten auch die Dreieicher Firma Kaffeeservice24 und Sey Fashion aus Hainburg an. In der Kategorie innovative Geschäftsidee ist kein Unternehmen aus der Region vertreten. Im Bereich geschaffene Arbeitsplätze hofft die Repair Management GmbH auf den Sieg. Die im April 2010 gegründete Firma beschäftigt mittlerweile 44 Menschen.

Rund 6000 kleine schwarze Kartons im Umlauf

In den Räumen des Unternehmens in der Heyne Fabrik im Norden Offenbachs herrscht stets emsige Betriebsamkeit. Alle kaputten Handys, die morgens angeliefert werden, müssen abends auf dem Weg in die Werkstatt beispielsweise von Apple in den Niederlanden sein, wie Geschäftsführer Andreas Maile erklärt. Zehn bis 15 Wannen voller Pakete liefere das Logistikunternehmen UPS täglich an, fügt sein Geschäftspartner Marc Tecklenburg hinzu. Sie kommen überwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich und den Niederlanden. Alle Handys werden im Computer erfasst und mit einem Barcode versehen. Die Schäden werden fotografiert. Kollegen in einer anderen Abteilung begutachten sie teils. Etwa 30.000 Reparaturen werden im Monat für 6000 Händler, die die Software der Firma nutzen, in die Wege geleitet - ein Teil davon wird nach Offenbach geliefert, der Rest geht direkt in die Werkstätten. Die Repair Management GmbH arbeitet bisher mit zwei technischen Versicherern zusammen.

Rund 6000 kleine schwarze Kartons sind bei dem Unternehmen im Umlauf. In ihnen werden die kaputten oder bereits reparierten Handys zwischen den Abteilungen bewegt. Jeder Vorgang wird über Barcodes und iPads dokumentiert. Bevor die Smartphones das Haus wieder verlassen, werden sie in einem speziell gegen äußere Einflüsse abgeschotteten Gerät noch mal auf Herz und Nieren getestet. Die Software, über die mit Händlern, Herstellern und Verbrauchern kommuniziert wird, hat die Repair Management GmbH selbst entwickelt. Sie beschäftigt neben IT-Leuten auch Spezialisten für Abrechnungen und Vertrieb sowie Mitarbeiter im Kundenservice.

„Wir sind kein Reparaturbetrieb“, sagt Maile, „sondern ein Full-Service-Dienstleister.“ Diese Kombination der verschiedenen Angebote mache die Besonderheit ihrer Firma aus, meint Tecklenburg. IT und Service gebe es aus einer Hand - „das macht uns einzigartig“. Die Versicherer könnten Schadensfälle komplett über Repair Management abwickeln. Sie weisen die Handynutzer selbst auf das Angebot hin. Andere werden über Internetseiten darauf aufmerksam. Für die Versicherungen und Händler steht www.partnertool.repairmanagement.de zur Verfügung. Für Händler, die für Versicherungen wie zum Beispiel die Wertgarantie Fälle abwickeln und Endkunden, die bei der Wertgarantie versichert sind, gibt es wertgarantie.repairmanagement.de/consumer und für alle anderen Endkunden und Händler: www.handyreparatur.de. Zwischen Reparaturannahme und Auslieferung an den Verbraucher sollen nur fünf bis zehn Tage liegen, je nach Hersteller.

18 der 42 Angestellten sind aus der Arbeitslosigkeit geholt worden

Die Repair Management GmbH hat ein rasantes Wachstum erfahren. Gestartet sind die zwei Geschäftsführer mit drei IT-Spezialisten. Anfangs seien etwa 140 Fälle im Monat eingegangen, berichtet Maile. Heute würde eine solche Zahl ein schlechtes Tagesergebnis darstellen, sagt Tecklenburg. Schnell konnten die beiden den Arbeitsanfall nicht mehr alleine bewerkstelligen und stellten Mitarbeiter ein. „Wir wurden mit Geld dazu gezwungen“, bemerkt Tecklenburg scherzhaft. In den ersten 1000 Tagen wollte das junge Unternehmen beim Umsatz die Marke von fünf Millionen Euro erreichen. Nun mehr seien in diesem Jahr Erlöse in Höhe von 6,1 Millionen Euro eingeplant, sagt der Diplomkaufmann.

Neben den beiden Geschäftführern stehen noch 42 Mitarbeiter auf den Gehaltslisten. Stolz sind die Chefs auch auf die Altersstruktur. Die jüngste Angestellte ist 20 Jahre alt, der Älteste 71. Und: Eine Frauenquote muss die Firma nicht fürchten. Vier Teamleiter gibt es in dem Unternehmen, drei sind weiblich. „Letztlich rocken die Damen den Laden“, sagt Tecklenburg.

Zudem betont er, dass 18 der 42 Angestellten aus der Arbeitslosigkeit geholt worden seien. Auch jetzt sei Repair Management permanent auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Im nächsten Jahr sollten 20 bis 30 Angestellte eingestellt werden, erklärt Maile.

Kein Wunder, wollen die Jungunternehmer doch weiter expandieren. Das Geschäft mit ihren Versicherern soll ausgebaut werden. Darüber hinaus wollen die Offenbacher mit Haftpflichtversicherern zusammenarbeiten. Zudem wollen sie ihr Geschäftsmodell in den nächsten beiden Jahren auch in Spanien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien, Polen und Tschechien anbieten. „Hessen ist unsere Heimat, Europa ist unser Ziel“, sagt Tecklenburg.

Dem Standort Offenbach will die Repair Management GmbH treu bleiben. Er sei günstiger als Angebote beispielsweise aus Frankfurt, heißt es. Ein weiterer Vorteil: Das Depot von UPS ist in Fechenheim. Bei der letzten Runde am Abend holt der Logistiker die Pakete in Offenbach ab.

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