Musiker Gerd Freymann

Von Biebers Eintracht bis zur „hr3nacht“

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Ein Herz und eine Seele: Gerd Freymann mit der Dresdner Countrysängerin Linda Feller im hr-Studio.

Offenbach - Wenn andere sich schon als Feuerwehrmann oder Jet-Pilot sahen, wusste der Knabe Gerd Freymann ganz genau, was er für einen Beruf ergreifen würde: „Allesmann“ wollte er werden. Von Klaus Ackermann

Wo geht das für einen Musiker besser als bei einer Sendeanstalt? So hat sich der mittlerweile 60-jährige Offenbacher als Schlagzeuger, Musikredakteur und Moderator beim Hessischen Rundfunk verdingt. Und gehört zu denen, die an Heiligabend arbeiten müssen. Von 14 bis 19 Uhr ist er heute bei „hr3nachten“ am Mikrofon. Aus Offenbach ist Freymann nicht wegzudenken, auch wenn er heute überwiegend in Kassel für hr4 produziert. Was man schon an der leicht dialektalen Farbe des noch immer jungenhaft wirkenden Musikers merkt, der sein Image als Spät-Hippie nach wie vor kultiviert. In Offenbach bekam der Achtjährige ersten Klavierunterricht von der Mutter, einer Klavierlehrerin, war freilich schon damals fasziniert von der großen Trommel des Musikvereins „Eintracht“.

Vom Schlagzeug-Lehrer Rudi Lenzen intensiv geschult, ist Freymann technisch so fix und fertig, dass ihn sein Vater, selbst ein Trompeter, ins traditionsreiche Offenbacher Blasorchester empfiehlt, in dem der Jung-Drummer etliche Jahre den Rhythmus vorgibt. Nach dem Abitur an der Karl-Rehbein-Schule in Hanau folgt ein Studium an der Frankfurter Musikhochschule, das Freymann mit „Sehr gut“ abschließt. Neben dem Jazz schätzt er auch die musikalische Avantgarde und beginnt mit dem Schlagzeug zu experimentieren, wie sein großes Vorbild US-Drummer Kenny Clarke, der dem Schlagwerk in Bands und Ensembles zu instrumentaler Gleichberechtigung verhalf.

Erstmals 1974 spielt der Offenbacher im damaligen Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt, in einem Konzert mit durchweg zeitgenössischen Werken, das Hans Zender dirigiert. Doch der musikbesessene Freymann ist keineswegs nur auf Neue Musik festgelegt, trommelt in Rock- und Big-Bands, im Zirkus- wie im Opernorchester, bis ihn der Ruf ans hr-Rundfunkorchester ereilt. Das war mit Namen wie Erich Börschel und Rudi Sehring (auch Schlagzeuger im hr-Jazzensemble des Albert Mangelsdorff) verbunden und damals vom musikalisch unerbittlichen Horst Welker geleitet. Kompositionen und Arrangements liefert ein weiterer Offenbacher, der unvergessene Bieberer Hermann Sattler. Sonnyboy Freymann glänzt an Vibraphon und Xylophon.

Noch ein Offenbacher stellt wiederum bei Gerd berufliche Weichen. Wellenleiter Jörg Bombach holt den ihn zu hr3, wo er als Musikredakteur Sendungen wie „TopTime“, „hr3-PopRemember“ oder die „ARD-Popnacht“ moderiert, aber auch die hr3-Discopartys in Schwung bringt. Jetzt also „hr3nachten“, wie der Titel seiner Heiligabend-Sendung etwas krampfig lautet. Freymann wird sie angehen wie immer: ein paar CDs in der Tasche und ein ungefähres Regiekonzept im Kopf. Denn der Jazzer von Geblüt liebt die Improvisation –und hofft vor allem auf viele Anrufer. Auch aus Offenbach.

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