Grüne starten in einen vornehmlich digitalen Wahlkampf

Offenbacher Grüne: „Wir wollen stärkste Kraft werden“

Die Wahlkampfseite angezeigt auf einem Smartphone
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„Zukunft Offenbach“ heißt die Internetseite der Grünen zum Wahlkampf.

Mit großen Ambitionen haben die Offenbacher Grünen den Kommunalwahlkampf eröffnet: „Unser Ziel ist es, die stärkste Partei zu werden“, sagt Sprecherin Birgit Simon. Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Wir wollen zum ersten Mal diejenigen sein, die zu Sondierungsverhandlungen einladen.“

Offenbach - Das ist insofern ambitioniert, da die Grünen bei der vergangenen Kommunalwahl von zuvor 22,1 Prozent auf 14,5 Prozent abgerutscht waren. Zudem verhindert die Corona-Pandemie die üblichen Wahlkampf-Mechanismen: Einen Straßenwahlkampf mit Ständen und persönlichem Gespräch an der Haustür wird es aller Voraussicht nach dieses Jahr nicht geben. Für sämtliche Parteien eine Herausforderung, die Wähler zum Urnengang zu motivieren und ihnen die eigenen Ziele und Angebote zu vermitteln.

Das Angebot der Grünen kommt mit satten 71 Seiten Wahlprogramm daher, wenig überraschend nimmt der Klimaschutz dabei den größten Raum ein. „Der Klimaschutz ist trotz Corona weiterhin für uns das zentrale Thema“, sagt Spitzenkandidatin Sybille Schumann. Zwei Ziele sind für die Grünen dabei vorrangig: So soll die Stadt bis 2026 aus der Kohleverbrennung aussteigen – ein Vorhaben, das freilich nur im Einklang mit Energieversorger EVO, Betreiberin der Anlage, gelingen kann, wie Schumann betont. „Außerdem braucht es eine echte Verkehrswende in Offenbach: Wir brauchen eine Stärkung des Individualverkehrs auf Fahrrad- und Fußbasis.“

Soziale Gerechtigkeit ist ein weiteres Kernanliegen im Wahlprogramm. Dazu gehörte auch der Umgang mit dem Zuzug in die Stadt sowie die Regulierung des Wohnungsmarktes. „Wir wollen keine weiteren Baugebiete, die bisher noch nicht geplant sind „, sagt Tobias Dondelinger, der auf Listenplatz Zwei kandidiert. Die klimagerechte Innenverdichtung sei das Mittel der Wahl, um neuen Wohnraum zu schaffen. Um Menschen zu helfen, ihre Wohnung in der Stadt halten zu können, soll außerdem eine Wohnungssicherungsstelle eingerichtet werden.

Zur sozialen Gerechtigkeit gehöre auch der Bereich Bildung und Kinder, nur eine vollumfängliche Teilhabe an Bildung sichere den sozialen Frieden. Daher wollen die Grünen einen Sozialindex an Kitas einführen, sodass Kitas mit besonderem Bedarf mehr Erzieher erhalten. Obwohl der Markt für Fachkräfte heiß umkämpft ist, sehen die Grünen Offenbach gut aufgestellt, um weitere Erzieher in die Stadt zu locken. „Offenbach hat bereits gute Kampagnen, um neue Kräfte in die Stadt zu holen“, sagt Simon.

Das Formulieren von Wahlzielen ist jedoch nur die eine Seite der Medaille, die andere ist deren Umsetzung. Und dabei geben sich die Offenbacher Grünen überaus realistisch: „Wir müssen nach der Wahl natürlich neu justieren, was mit welchen Partnern möglich ist“, sagt Simon. In der vergangenen Legislaturperiode sei das gelungen, auch wenn es innerhalb des Viererbündnisses nicht immer ganz einfach gewesen sei. „Erfolgreiche Politik geht aber immer nur auf Augenhöhe“, betont sie.

Zunächst aber müssen die Grünen ihr Programm und ihre Kandidaten bekannt machen – der Großteil des Wahlkampfes wird digital ausgetragen, die Grünen haben sich die Internet-Seite zukunft-offenbach.de dafür gesichert. Dabei wird zu Internet-Konferenzen zu lokalen Stadtteilangelegenheiten wie auch zu übergreifenden Themen, etwa dem Klimaschutz, eingeladen. Während der Konferenzen sollen besonders die Kandidaten zu Wort kommen, um diese bekannter zu machen. Mitte Januar wird auch eine Broschüre zu den Kandidaten der ersten 20 Listenplätze verteilt. Das Budget dabei einzuhalten, werde allerdings eine Herausforderung, sagt Dondelinger.

„So ganz auf den persönlichen Kontakt zu verzichten, das bereitet mir schon Bauchschmerzen“, gibt Sprecher Wolfgang Malik unumwunden zu. Im persönlichen Gespräch, etwa am Wahlkampfstand, habe sich in der Vergangenheit manches gut erklären lassen, ob das auch digital funktioniere, werde sich zeigen. „Aber das ist ein Problem, mit dem alle Parteien in diesem Jahr zu kämpfen haben“, sagt er.

Von Frank Sommer

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