Bürger haben sich zum Teil arrangiert

Stadthof: Fragen um das Drumherum

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Alles so schön bunt hier... Bei der offiziellen Wiedereröffnung des Stadthofs erfreuten sich die Offenbacher am Lichterspiel.

Offenbach - Einst fürstlicher Garten, Schulhof und Platz zur Wartung von Feuerwehrgerät. Seit dem 18. Jahrhundert ist der Stadthof im Herzen der Innenstadt oft unterschiedlich genutzt und nach neuerlichem Umbau rasch wieder als urbanes Zentrum angenommen worden. Von Harald H. Richter 

Seinen Namen erhielt er, weil er einst der Hof hinter einem Stadthaus war, das die isenburgische Fürstenfamilie als Residenz nutzte, um komfortabler wohnen zu können als im Schloss am Main. Daran erinnert Baudirektor Markus Eichberger am Montagabend vor interessiertem Publikum im Politischen Salon, dem offenen Gesprächskreis von Arbeiterwohlfahrt und Volkshochschule. Wassertische, Platzbänder und einige neue Bäume geben nach Einschätzung des Leiters des Stadtplanungsamtes dem Areal eine zur umliegenden Architektur passende Charakteristik. Doch wie meist scheiden sich in Geschmacksfragen die Geister. Was dem einen zu betongrau, hält der andere für angemessen und ins Bild passend mit dem in den 70er Jahren entstandenen Sitz der Stadtverwaltung.

„Früher gab es mehr optische Abwechslung durch bunte Blumenbeete“, wirbt AWO-Vize Kurt Henninger für mehr Innenstadt-Grün, das er beim Besuch anderer Städte stets als angenehm wahrgenommen hat. Er fordert damit sogleich Widerspruch heraus. „Nur der Optik wegen alle paar Wochen die jeweiligen Saisonpflanzen auszutauschen, ist alles andere als nachhaltig“, kritisiert Barbara Levi-Wach von der Lokalen Agenda 21. Sie verweist darauf, dass mit dem Umbau eine umfassende Bürgerbeteiligung stattgefunden habe. Die bei diesem Verfahren unterbreiteten Anregungen seien weitgehend in die Gestaltung eingeflossen.

„Pflegeleicht und trotzdem schön anzuschauen“

Eichberger verweist auf den ähnlich wie im Büsingpark verwendeten Staudenmix an der östlichen Stadthofseite. „Der ist pflegeleicht und trotzdem schön anzuschauen.“ Aus dem Publikum kommt ein anderer Anstoß: Ansässige Gärtnereien könnten doch versetzbare Behälter bepflanzen und pflegen, wie das beispielsweise in der Mitte von Verkehrskreiseln der Fall sei. Der Baudirektor gibt zu bedenken, dass man bewusst auf ein Mehr an „grüner Möblierung“ verzichtet habe, weil der Platz vielfältig als Veranstaltungsort genutzt werden solle. Deshalb jedes Mal solche Hindernisse entfernen und später wieder aufstellen zu müssen, sei mit Kosten verbunden und binde unnötig Personal. Die Erfahrungen aus den ersten Monaten nach dem Umbau hätten jedenfalls gezeigt, dass die Bevölkerung den neu gestalteten Stadthof mit seinen Wasser- und Lichtspielen annehme.

Ungeachtet des Unmuts über vermeintlich rüpelhafte Jugendliche trügen auch die 45 signalroten Sessel unter den Bäumen auf dem Aliceplatz zur Aufenthaltsqualität im Zentrum bei, betont Levi-Wach. „Schade nur, dass der dazu gehörende rote Läufer beseitigt worden ist“, kritisiert sie. Die Anschaffung dieser Sitzmöbel ging auf eine Anregung aus den Reihen des Projekts „Aktive Innenstadt“ zurück. Allerdings sind die Sessel inzwischen unansehnlich. „Der ESO-Dienstleister bleibt in der Pflicht, für deren Reinigung durch die ODG zu sorgen.“

Was aus City-Passage wird, zeigt sich erst 2017

Aus dem Kreis der Zuhörer wird Eichberger mit Fragen überhäuft, die primär nicht in seine Zuständigkeit fallen, die er aber nicht im Raum stehen lassen möchte. Einige Nutzungsideen gebe es für das alte IHK-Gebäude, aber es sei zu früh, Konkretes zu nennen. Die unweit davon gelegene Immobilie an der Ecke Platz der Deutschen Einheit/Kaiserstraße, wo sich einst die UBS-Bank befand, sei verkauft. Man sei gespannt, was der neue Eigentümer plane.

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Was aus der City-Passage werde, werde sich erst 2017 nach Auslaufen des Mietvertrags mit dem Spielhallenpächter zeigen, sagt Eichberger. Bis auf dessen Nutzung steht die Immobilie an der Frankfurter Straße seit Jahren leer und bietet in der Fußgängerzone einen wenig ansehnlichen Anblick. Das war auch bei der Passage am Markt der Fall, ehe sie grundlegend umgebaut wurde und seitdem einen Discounter beherbergt. Für Moderator Bruno Persichilli ein Indiz dafür, dass „Ladenpassagen in Offenbach eher glücklos geblieben sind“.

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