Masterplan-Tour durch die Innenstadt

Offenbacher Innenstadt: Mehr Grün und mehr Leben gefordert

„Ein toter Platz in bester Lage“: Der Stadthof wird heftig kritisiert.
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„Ein toter Platz in bester Lage“: Der Stadthof wird heftig kritisiert.

Regelmäßig lädt der IHK-nahe Verein „Offenbach offensiv“ zu Stadtrundgängen ein, damit sich Bürger über den Stand der Schlüsselprojekte des Masterplans informieren können. Nachdem im vergangenen Jahr sämtliche Planung durch die Corona-Pandemie obsolet wurde und die Rundgänge ausfielen, können sich interessierte Bürger nun wieder an ihnen unter Einhaltung der 2G-Corona-Schutz-Regelung beteiligen.

Offenbach - Zum Auftakt am Mittwoch haben Marion Rüber-Steins von der Stadtplanung und Laura Becker von „Offenbach offensiv“ das besondere Sorgenkind aller planerischen Überlegungen im Visier: die Innenstadt.

Diese hat in den vergangenen Jahrzehnten gewaltige Veränderungen erfahren, baulich wie strukturell. Und so startet der Rundgang mit einem Blick in die Geschichte: So mancher Teilnehmer mag die ausgesuchte Hässlichkeit des Platzes Ecke Waldstraße und Berliner Straße schon verdrängt haben, doch mit alten Fotos zeigt Rüber-Sterins, welche gewaltigen Veränderungen dieser Ort erfahren hat. Wo aktuell das marode City Center saniert wird, erhob sich einst ein Teil der Betonkonstruktion der „Zweiten Ebene“, darunter ein ebenso unansehnlich wie unpraktisch angelegter Busbahnhof.

Dass das Center ebenso wie das gegenüberliegende Areal des einstigen Einkaufszentrums nun umgestaltet werde, sorge für eine deutliche Aufwertung dieses Innenstadt-Bereichs, sagt Rüber-Steins: „Dass gewerbliche Investoren die in die Jahre gekommenen Gebäude sanieren, hat etwas gedauert – aber nun sind alle Offenbacher Großimmobilien im Wandel.“

Im Wandel ist auch die Struktur der Innenstadt: In den vergangenen Jahrzehnten dominierte dort vor allem der Handel, doch mit dem Siegeszug des Online-Einkaufs geriet das stationäre Gewerbe in Bedrängnis. Neue Planungen, wie das von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene „Zukunftskonzept Innenstadt“ setzen auf eine Mischung aus verschiedenen Nutzungen, der Handel ist lediglich ein Angebot unter vielen. Gerade als Wohnraum soll die Innenstadt wiederentdeckt werden: Ein Beispiel dafür – wenn auch hier eine besondere Form des Wohnens praktiziert wird, ist das Boardinghouse in der Berliner Straße 48, gegenüber dem Sparkassen-Sitz.

Lange Zeit ein Schandfleck mit heruntergekommener Fassade und problematischen Vermietungen, sei es gelungen, den Eigentümer von einem Nutzungswechsel samt Sanierung zu überzeugen: Das Gebäude präsentiert sich heute sauber und gefällig, im unteren Bereich sind Läden, oben werden möblierte Wohnungen vermietet.

Der Aspekt der Verschönerung der Innenstadt, liegt so manchem der Teilnehmer besonders am Herzen: Mehr Leben in Form einer attraktiven Bepflanzung wird etwa gewünscht. Ansinnen, die der Stadtplanung bekannt sind, doch deren Umsetzbarkeit enge Grenzen gesetzt sind. Dach- oder Fassadenbegrünung kann nicht angeordnet werden, da die Gebäude nicht im Besitz der Stadt sind, an anderen Orten wie dem Hugenottenplatz sind höchstens Kübelpflanzen möglich, schließlich befindet sich unter dem Pflaster eine Tiefgarage. Und selbst die Baumbepflanzung in der Frankfurter Straße, die seit Abbau der Straßenbahngleise erfolgte, war nicht unproblematisch: 2012 mussten alle Bäume erneuert werden, da ein Pilz die zuerst gesetzten befallen hatte. Aufwendige Blumenbeete wiederum erfordern eine ebenso umfangreiche Pflege, was die Stadtkasse belastet.

Ein anderer oft geäußerter Wunsch: mehr Leben für die Innenstadt. Besonders harsch fällt die Kritik für den Teil des Stadthofs rund um den Polizeipavillon aus: „Ein toter Platz in bester Lage“, konstatieren Besucher wie Rundgang-Leitung. Doch Becker wie Rüber-Steins können Hoffnung auf Besserung machen: 2023 soll der Polizeiladen von der Stadt „entmietet“ werden, momentan wird geprüft, was dort einziehen soll. „Bitte nicht noch mehr Gastronomie, davon gibt es hier schon genug“, heißt es von einigen Teilnehmern.

Die als „Station Mitte“ des Zukunftskonzepts geplante Verlagerung der Stadtbücherei vom Büsingpalais in die Innenstadt ist ebenso Teil des Rundgangs. Die Verlagerung wird von den Teilnehmern begrüßt – besonders das von Leerstand geplagte Einkaufszentrum KOMM sei deren nach Ansicht nach dafür geeignet – was dann aus dem Kulturkarree werden soll, ist jedoch nicht Thema der Führung. Bis Jahresende werde die Prüfung von sechs Orten in der Innenstadt – die dafür geeigneten Orte lassen sich jedoch leicht an einer Hand abzählen. Im kommenden Jahr sollen die Ergebnisse vorgestellt werden, auch die Bürger sollen dann in den Planungsprozess miteinbezogen werden.

Für die Rundgänge am Samstag ( 20.) um 15 Uhr durch den Hafen und ebenfalls um 15 Uhr durch das Nordend sowie für Sonntag (21.) um 15 Uhr zur Innenstadt sind noch Plätze frei, Anmeldung unter E-Mail an p.bauer@offenbach.ihk.de

Von Frank Sommer

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