Von Glasfronten und Bubble-Tea

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City-Managerin Birgit Möbus zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung in der Offenbacher Innenstadt.

Offenbach - Wer nur einmal jährlich zur Offenbacher Woche in die Innenstadt kommt, mag sich wundern. Seit dem vorigen Jahr hat sich in der Geschäftswelt einiges getan. Von Veronika Szeherova

Über Umzüge, Schließungen und Neueröffnungen bestens informiert ist die städtische City-Managerin Birgitt Möbus. Sie vermittelt Flächen, kommuniziert mit Eigentümern und Mietern – und ist bekannt wie ein bunter Hund. Aus den Läden winken ihr viele freundlich zu.

Die auffälligste Weiterentwicklung ist für sie das Geschäftshaus am südlichen Marktplatz auf der ehemaligen Fläche von Kleider Frei: „Optisch ist das Haus eine echte Aufwertung, auch die Geschäfte sind sehr hochwertig. Mit Depot haben wir eine bekannte Kette nach Offenbach geholt.“ Neben dem Deko-Geschäft findet sich in dem Haus mit der Glasfassade ein Intersport, ein Café, ein Edelfriseur und eine kleine Dependance von Frei.

Ebenfalls am Marktplatz mit viel Glas aufgehübscht wurde die Schwanen-Apotheke. „Hier haben sie sehr viel Geld reingesteckt“, lobt Möbus. Auch mit dem Schmuckgeschäft Carusel direkt daneben, das aus zweiter Reihe in einer Passage an der Frankfurter Straße umgezogen ist, ist sie zufrieden. Erfolg auch an der Großen Marktstraße: Die Drogeriekette Rossmann hat im ehemaligen Gloria-Kino eine Filiale eröffnet.

Markt für Unterhaltungselektronik in die City-Passage?

Eine Besonderheit im Jahr 2011 ist der Aus- und Wiedereinzug des Schuhhauses Dielmann. Für Möbus fast eine Herzensangelegenheit: „Es wäre sehr schade um dieses etablierte Geschäft gewesen.“ Nach einigen Monaten Mietverhandlungen ist Dielmann an die gleiche Adresse in der Frankfurter Straße gezogen – und hat sogar kräftig modernisiert. Das tat auch die Abele Optik, die sich in die frühere Essence-Fläche gegenüber Galeria Kaufhof eingemietet hat und nun gläserne Fronten und A-Lage besitzt.

Eine Renaissance erfuhr die traditionelle Offenbacher Boutique Ly Stühler an der Ecke Frankfurter Straße/Kaiserstraße mit der neuen Inhaberin Ursula Katzer. Wenige Meter weiter hat sich an der Kaiserstraße ein weiteres traditionelles Bekleidungsgeschäft neu eingerichtet: die Boutique Schmiedel, die ebenso wie Abele Optik in der City-Passage ansässig war.

Apropos City-Passage. Für den bis 2014 geplanten Neubau zeichne sich ab, dass ein großer Markt für Unterhaltungselektronik dorthin umziehe. „Es wird aber Engpässe mit der Anlieferung geben“, fürchtet Möbus. Große Lkw müssten um das alte IHK-Gebäude herum anfahren, um zum Anlieferbereich am Stadthof zu gelangen. Eine weitere Schwierigkeit sei die Spielothek, die „nur gegen gute Bezahlung“ aus der Passage ausziehen würde.

„Offenbach ist spannend“

Allerdings sei diese Spielothek „ordentlich geführt“, sagt Möbus. Dass es in den Innenstadt-Randbereichen allzu viele Spielhallen, Wettbüros und Ramschläden gibt, ist auch der City-Managerin ein Dorn im Auge: „Das Problem ist, dass diese Häuser in privater Hand sind. Die Verträge sind Privatsache, wir haben als Stadt leider keine rechtliche Handhabe.“ Den Investoren würde sie vorschlagen, ihre Gebäude in die Flächendatei der Stadt aufzunehmen, um bei der Mietersuche zu kooperieren. „Eigentümer, die in Offenbach wohnen, lassen viel leichter mit sich reden als diejenigen, die kaum hierherkommen.“ Sie erinnert sich an einen Fall, als es der Stadt gelungen ist, eine Spielothek aus einem früheren Reformhaus an der Herrnstraße zu klagen.

Ein Klagegespräch gab es auch gegen Inferno an der Frankfurter Straße – ohne Erfolg. „Der Laden läuft richtig gut, auch wenn er natürlich kein schönes Bild abgibt“, so Möbus. Ein Selbstläufer scheinen auch die Bubble-Tea-Geschäfte zu sein. Mitterweile gibt es drei Läden in der City, die das süße asiatische Getränk verkaufen. Der erste entstand im KOMM.

Neu im KOMM sind zudem eine Filiale des Fitnesscenters Pure, das Schuhgeschäft Diva, Praxisflächen und das Restaurant Galia. Der Nudel-Imbiss aber ist ausgezogen.

Auch sonst hat sich in der Gastronomie einiges getan. Die Pizza-Pasta-Factory heißt jetzt Berliner 109, das vietnamesische Restaurant Orchidee ist neu an der Ludwigstraße, die Herrnstraße 16 beherbergt jetzt statt eines Billigfrisörs die City-Bar 16, während die Dönerbude daneben einfach die Straßenseite wechselte. Ins Erdgeschoss des repräsentativen Hauses an der Ecke Kaiserstraße/Frankfurter Straße (früher BB-Bank, jetzt am Rathaus) soll nach Umbau ein Restaurant namens Corona einziehen.

„Offenbach ist spannend“, findet Möbus. „Es gibt viel Wechsel, aber auch ungewöhnlich viele traditionelle, inhabergeführte Geschäfte.“

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