Die Botschafter des Schuhs

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Claudia Schulz und Manfred Junkert bemühen sich um die Interessen der Schuhbranche.

Offenbach - Ja, Frauen haben einen Schuhtick. „Er ist objektiv statistisch festzustellen“, sagt Manfred Junkert, Geschäftsführer des Deutschen Schuhinstituts (DSI) in Offenbach. Von Veronika Szeherova

„Männer kaufen durchschnittlich 2,4 Paar Schuhe im Jahr, Frauen sechs Paar, in Frankreich sogar acht. “ Seine Kollegin Claudia Schulz weiß, warum das so ist: „Das hat zum einen ganz pragmatische Grund - Frauen haben mehr Outfits, brauchen dazu die jeweils passenden Schuhe, auch das Spektrum an Damenschuhen ist einfach größer. “ Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Aber emotionale Gründe sind auch ganz wichtig, Frauen belohnen sich mit dem Schuhkauf. Schuhe passen immer, selbst bei Gewichtszunahme, wenn die Hose schon zwickt - aber die Schuhgröße bleibt. “.

Das DSI hat aber bedeutend mehr Aufgaben, als geschlechtsspezifische Schuh-Vorlieben zu erforschen. Drei wichtige Bereiche deckt das 1956 in Frankfurt gegründete Institut ab, das Ende der 90er-Jahre nach Offenbach umzog. „Wir passen gut hierher“, findet Geschäftsführer Junkert, „wegen der Tradition Offenbachs als Lederstadt und der zentralen Anbindung.“ Erst vor kurzem sei er aus Japan zurückgekommen, seine Kollegin aus China - „so tragen wir immer ein Stück Offenbach in die Welt hinaus“, erklärt Junkert.

PR-Agentur für den Schuh

Die drei fachspezifischen Arbeitsfelder sind Mode, Kinderschuhe und Verbraucherschutz. „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist ein ganz wichtiger Bereich, der alle diese Felder umfasst“, so Claudia Schulz. „Wir sind sozusagen die PR-Agentur für den Schuh.“

Getragen wird das DSI je zur Hälfte vom Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) und vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS), der seinen Sitz ebenfalls in Offenbach hat und dessen Leiter Junkert ist. 15 Mitarbeiter beschäftigt das DSI. Darunter auch Mode-Scouts, die für den DSI-Fashionsektor „ModEurop“ den internationalen Markt beobachten und Trends aufspüren. Sie sammeln Style- und Farbinformationen für Mode und Industrie. „Diesen Herbst und Winter sind vor allem die drei Cs gefragt - Cognac, Chili und Curry“, verrät Claudia Schulz. Rückbesinnung auf Klassik laute das Credo, ein Muss seien Stiefeletten.

60 Prozent aller Erwachsenen haben Fußschäden

Im Arbeitsfeld „Kinderschuh“ geht es hauptsächlich um WMS. Das steht zum einen für Weiten-Maß-System, zum anderen für weite, mittelstarke und schmale Kinderfüße. Etwa 1000 Geschäfte in Deutschland arbeiten nach diesem System, das die Länge des Fußes in korrekten Bezug zu seiner Breite setzt und für das die Verkäufer speziell geschult werden. „Die Wachstumsreserve im Kinderschuh ist ganz wichtig“, sagt Junkert. „Unpassende Schuhe führen im schlimmsten Fall zu Haltungsschäden.“ Die Statistik lässt wieder aufhorchen: 98 Prozent aller Kinder kommen mit gesunden Füßen zur Welt, doch 60 Prozent aller Erwachsenen haben Fußschäden.

Umweltfreundlichkeit und Verbraucherschutz sind die Kernpunkte des dritten Arbeitsfelds CADS (Cooperation at DSI). Schadstoffe in Schuhen und ihre Vermeidung sind dabei ein zentrales Thema. „Wir informieren uns gegenseitig über Forschungsergebnisse und setzen sie für die Schuhproduktion um“, so Junkert. Dabei reisen die DSI-Vertreter auch in die Produktionsländer. „Die Unternehmen, die CADS angeschlossen sind, sind die führenden in der deutschen Schuhbranche“, betont der Geschäftsführer.

Aufklärungsbedarf besteht zur Genüge

Doch nicht nur für die Industrie, vor allem auch für die Verbraucher sieht sich das DSI als Ansprechpartner. 80 Prozent der Deutschen tragen unpassende Schuhe. Aufklärungsbedarf besteht also zur Genüge. „In den letzten Jahren ist das Interesse am Produkt Schuh in den Medien gestiegen, auch die Bevölkerung wendet sich immer öfter an uns“, freut sich Claudia Schulz.

Beim Schuhkauf sollten einige Regeln beachtet werden: „Besser erst am Nachmittag kaufen, dann ist der Fuß breiter. Außerdem beide Schuhe anziehen und damit einige Schritte gehen.“ Wichtig sei es, die Schuhe jeden Tag zu wechseln, da der Fuß täglich Schweiß in der Menge von etwa einem Schnapsglas produziere. „Die Schuhe müssen gut gepflegt werden, und vor allem bei offenen Schuhen auch die Füße“, rät die Expertin. Klobige, dunkle Herrenschuhe zum hellen Anzug seien ein modisches Tabu. So auch abgetretene Absätze. „Spätestens dann wird es Zeit für neue Schuhe“, weiß Claudia Schulz, „und immer dann, wenn Sie das Gefühl haben, keinen richtigen Halt im Schuh zu haben.“

Mit einem Vorurteil räumt sie auf. „Orthopäden verteufeln High-Heels keineswegs, es ist nur wichtig, sie mit flachen Schuhen abzuwechseln.“ So kann die Damenwelt guten Gewissens weiter ihrer Schuhleidenschaft frönen.

Einen Ratgeber des DSI zum Thema Schuhe erhalten die ersten fünf Anrufer, die am Montag um 14 Uhr die Nummer 069 8570681 wählen.

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