„Feuerwerk der guten Laune“

Rathaus ab sofort geschlossen

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Der Kuss ist nicht nur Show – das frisch gekrönte OKV-Prinzenpaar Robert I. und Manuela I. ist auch im wahren Leben ein Paar.

Offenbach - Eine ausverkaufte Stadthalle, illustre Gäste, ein erlesenes Programm. Der Offenbacher Karnevalverein (OKV) weiß, wie es geht. Und das, ohne den Stadtsäckel zu belasten. Von Veronika Schade 

„Fastnacht ist weder Mission Impossible noch Mission Olympic“, sagt Vorsitzender Manfred Roth mit Blick zu Oberbürgermeister Horst Schneider, bevor er das „Feuerwerk der guten Laune“ zündet: Die Krönungsgala in der Stadthalle bietet fünf Stunden geballtes Programm mit einer Mischung aus Karneval, Comedy und Show. Lokales Geschehen im Versmaß auf den Punkt zu bringen – das ist die Disziplin des Offenbacher Fastnachtsurgesteins Karl-Heinz Eitel. Von den Entlassungen im Sana-Klinikum bis zum verlassenen Hauptbahnhof: „Vorne O und hinne ach, des ist halt unser Offebach.“ Flugs geht es nach Köln, und zwar im Wortsinn: Das Tanzcorps Colonia Rut Wieß der Schlenderhaner Lumpen lässt die Mariechen fliegen, baut atemberaubende Pyramiden, für keinen Moment verlieren die Gesichter ihr Lächeln: Die hochprofessionelle Darbietung kommt nicht um eine Zugabe umhin.

Und schon folgt der eigentliche Anlass des Abends, die Krönung des neuen lederanischen Prinzenpaars Robert I. und Manuela I. Doch vorher sorgt schon die Verabschiedung des scheidenden Prinzenpaars Matthias I. und Kirsten I. für Gelächter im Saal. Matthias bringt kaum einen Satz ohne Versprecher hervor, wünscht zuletzt „Manaela“ alles Gute. Sie und Prinz Robert sind ein Ehepaar, bei der Bürgeler Ranzengarde aktiv und lernten sich durch die Fastnacht kennen. Zusammen mit dem Kinderprinzenpaar Donna und Maxi, die in ihre zweite Kampagne starten, ist Burgilla in diesem Jahr prominent vertreten.

Nach der Krönung durch OKV-Chef Roth („Das Diadem sieht aus, als hätten wir bei Cartier ins Schaufenster geguckt – und dann nebenan gekauft“) verkünden die frisch gekürten Regenten: „Wir haben beschlossen, das Rathaus bleibt ab sofort geschlossen. OB Schneider hat gut lachen, kann bis Aschermittwoch Urlaub machen.“

Männerballett und Büttenreden

Auf ihren Thronen auf der Bühne genießen sie nun das weitere Programm – den Tanz der Prinzengarde der TGS Jügesheim, die Rede des „fassenachtenden Fußballspielers“ Gunter Raupach von der Mainzer Carneval-Gemeinschaft und den Showtanz „Feuerwehr“ der Dance-Company Hainburg. „Der deutsche Michel“ in Gestalt von Bernhard Knab vom Casteler Carneval-Club nimmt sich das politische Geschehen in Deutschland vor, wie die Umverteilung der Ministerposten: „Der zahme Rottweiler Nahles is nun zuständisch für Soziales. Des lässt zwar kaane Hoffnung keime, aber an Fassenacht sich gut reime.“ Auch den NSA-Abhörskandal, den Papstrücktritt im vergangenen Jahr ausgerechnet an Rosenmontag („So etwas kann nur ein Bazi mache“) und den „Luxusbischof“ Tebartz-van Elst verpackt er in Reime. Der Lohn ist Applaus im Stehen.

Da flogen nicht nur die Beine in die Luft: Der Tanzcorps Colonia Rut Wieß der Schlenderhaner Lumpen kam aus Köln und sorgte für einen Auftakt nach Maß.

Das Männerballett Assenheim, deutscher Meister in seiner Disziplin und bekannt aus HR-Fernsehauftritten, erzählt und tanzt humorvoll die Geschichte einer verpatzten Hochzeit: „Günnis last day in paradise“. Danach betritt Rodolfo Reyes die Bühne und entschädigt dafür, dass das Neujahrs-Varieté im Capitol zeitgleich stattfand. Der „Meister der Kopfbalance“ jongliert gekonnt mit verschiedenen Gegenständen – im Kopfstand. Eine lokale Komponente bringt der Bieberer Willy Röder: Seine berühmte Schornsteinfeger-Rede hat er diesmal nicht dabei, denn er hat „den Kischedisch vergesse, und da liegt se druff“. Also spinnt er einen wunderbaren Vortrag über eben jenen „Kischedisch“, wie er früher in jedem Haushalt stand und um den sich das Familienleben abspielte.

OKV mit „Feuerwerk der guten Laune“

OKV mit „Feuerwerk der guten Laune“

Comedy-Stargast Johannes Scherer nimmt die NSA-Affäre ebenso aufs Korn wie den Verfassungsschutz und die Bahn, die Verspätungen mit „Verzögerungen im Betriebsablauf“ begründet: „Die Züge kommen also zu spät, weil sie verspätet sind“, übersetzt er. „Zugabe“-Rufe erklingen nach dem Auftritt von Stimmenimitator Mr. Tomm: Ob Elvis, Joe Cocker oder Tina Turner – nicht nur die Stimme, auch das Gebaren der Stars gibt er grandios wieder. Anschließend zeigen hübsche Damen vom Tanzstudio Sander-Wilke Bad Homburg eine Marylin-Monroe-Show.

Weiblichkeit in ihrer üppigsten Form bringt Daphne de Luxe auf die OKV-Bühne, die über die Vorzüge von „Dicken Mädchen“ singt und von ihrer Liebe zu Sänger Michael Bublé und dem sächsischen Dialekt berichtet. Für einen standesgemäßen Abschluss sorgen die Siegburger Funken Blau-Weiß. Der Traditionscorps kommt in Bataillonsstärke und zeigt Gardetanz auf höchstem Niveau. Das Publikum ist immer noch hellwach und begeistert. Kommandeur Peter-Josef Luswig ist es ebenfalls in Bezug auf die OKV-Sitzung und sagt zu Präsident Simon Isser: „Eine Veranstaltung auf solchem Niveau sucht selbst in Köln ihresgleichen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Seniorensitzung des OKV (2013)

Seniorensitzung des OKV

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