Prinzessin Manuela I. und Prinz Robert I.

Die packen das locker

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Der Prinz trägt seine Prinzessin auch privat auf Händen. Manuela und Robert Pies regieren für den Offenbacher Karnevalverein die leder-anischen Narren in der Kampagne 2013/14.

Offenbach - Nach dem Aschermittwoch richtet sich der Blick gleich auf die nächste Kampagne. Dann müssen die Macher im Offenbacher Karnevalverein (OKV) wieder überlegen, wen sie als nächstes Prinzenpaar anwerben könnten. Von Stefan Mangold

Denn ohne wäre die Fastnacht ein Desaster: wie England ohne Königin und Rom ohne Papst. In Offenbach ging mal wieder alles gut aus. Am Samstag stellten OKV-Chef Manfred Roth und die Seinen im Autohaus Nix am Spessartring die neuen Regenten vor: Prinz Robert I. und Prinzessin Manuela I., beide aus dem Geschlecht Derer von Lederanien, versteht sich von selbst.

Leicht ist es keineswegs, ein Prinzenpaar zu finden. „Während der Kampagne stehen mindestens 120 Termine auf dem Programm“, erklärt Brigitte Stiefel vom OKV-Vorstand. Die meisten am Wochenende, manche aber an Werktagen. Was heißt, Prinz und Prinzessin müssen sich freischaufeln können.

„Die paar Termine lassen sich arrangieren“

Was für einen Selbstständigen wie Robert Pies (46), dem Eigentümer des Familienunternehmens „Pies Arbeitsschutz-Bekleidung“ an der Wilhelmstraße, zu machen ist. Seine Frau Manuela Pies (44) arbeitet als Assistentin des Geschäftsführers einer Frankfurter Unternehmensberatung. „Die paar Termine lassen sich aber arrangieren“, ist sie sich sicher. Ihm sei sofort klar gewesen, um was es gehen würde, als OKV-Vorstandsmitglied Manfred Reißmann am Rande der Mission-Olympic-Aktionen im September nach ein wenig Vorgeplänkel mit „Ich muss euch mal was fragen“ ankam. Vor der Frage gab Robert die Antwort: „Ich sag’ nein.“

Warum der Mann wusste, worum es ging? Er. ist bei der Ranzengarde Bürgel (RAGA) der Kussminister. Seine Manuela war schon als Kind bei der RAGA aktiv. Zudem lernten sich die beiden beim Wassersportverein Bürgel am Fastnachtssonntag am 13. Februar 1999 kennen, als es dort hoch her ging. Mehr karnevalistisches Expertentum kann ein Prinzenpaar nicht mitbringen. Weshalb sich das „Nein“ schnell verflüchtigte: „Nach ein paar Gesprächen mit dem OKV-Vorstand sagten wir schließlich zu.“ Das Ehepaar findet sich schon jetzt in die Rolle der Regenten trefflich ein: „Wir haben großen Respekt vor der Aufgabe.“ Manfred Reißmann beruhigt: „Ihr packt das locker“.

Bei der Suche nach einem Prinzenpaar spielen gewisse Überlegungen eine Rolle, gibt der Sitzungspräsident der Wikingelfer Einblick. Es fallen Namen von Damen und Herren. Dann will diese aber nicht mit jenem, und mitunter komme es vor, dass der Ehemann einer potentiellen Prinzessin sein Veto zum möglichen Prinzen einlegt. Verständlich: Nicht jeder Mann verträgt es, seine Frau über Wochen an der Seite eines anderen zu wissen, der vielleicht sogar optisch was her macht. Gedanken, die beim sportlichen Prinzenpaar keine Rolle spielen.

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Ab Mitte Januar geht es richtig los. Dann gilt es an Samstagen und Sonntagen mehrere Auftritte hintereinander zu erledigen. Dauert einer bis nachts um zwei, steht Manuela I. trotzdem morgens um sechs wieder auf, um die Frisur machen zu lassen, wenn um zehn der nächste Termin ansteht.

Ans Steuer muss sich das Prinzenpaar in der Zeit nicht setzen. Eine komfortable Toyota-Großraumlimousine stellt Bernd Lein zur Verfügung, selbst passionierter Karnevalist und Betriebsleiter des Autohauses Nix. Als Chauffeure agieren Bernd Meuer und Thomas Isser. Die müssen Mineralwassergläser heben, wenn die Narrenkollegen ganz andere Flüssigkeiten die Kehlen runter laufen lassen. „Viel Alkohol ist sowieso nicht mein Ding“, versichert Isser, dass er nicht sonderlich leiden müsse. Ansonsten geht der OKV-Vorsitzende Manfred Roth von einer trefflichen Wahl des Prinzenpaares aus: „Ein Berjeler Mädchen und ein Offenbacher Schlipppche. Beide mit Fastnacht im Blut.“ Die größte Freude erwarte sie am Ende, „beim Hering am Aschermittwoch“.

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