Offenbacher Kickers optimistisch auf dem Wochenmarkt

Aufs Wechselgeld verzichtet

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Ideengeberin Marita Prieur und die beiden OFC-Vizepräsidenten Volker Stumpf und Peter Roth (rechts) warben am Samstag am Rande des Wochenmarkts unter anderem für das 56-seitige Liederheft mit Fangesängen und den neuen Kickers-Schal.

Offenbach - Der wolkenverhangene Himmel über dem Wilhelmsplatz verheißt nichts Gutes. Und es dauert gar nicht lange, da öffnet Petrus am Samstagvormittag seine Schleusen, lässt die Standcrew am Rande des Wochenmarktes buchstäblich im Regen stehen. Von Harald H. Richter

Niemand hat daran gedacht, ein paar Kickers-eigene Regenschirme mitzubringen. Und das rot-weiße Dach, welches den Werbestand des hundertzweijährigen Traditionsvereins vor der Witterung hätte schützen können, ist auch nicht pünktlich angeliefert worden.

Ein vorbeikommender Passant deutet die Regentropfen als von Petrus mitleidig vergossene Tränen über die am Abend zuvor erlittene 0:2-Auswärtsniederlage der Mannschaft von Trainer Rico Schmitt in Kaiserslautern. „Dabei haben die Kickers doch über weite Strecken besser gespielt, aber es gelang ihnen einfach keine Treffer“, bilanziert der Mittfünfziger und teilt diese Analyse mit jenen, die das Spiel entweder auf dem Betzenberg gesehen oder an unserem Liveticker auf op-online zumindest mitverfolgt haben.

OFC-Vize Volker Stumpf und Peter Roth

Schlechte Laune kommt dennoch nicht auf. Die beiden OFC-Vize Volker Stumpf und Peter Roth nehmen den Regenschauer gelassen und verteilen bei aufreißender Wolkendecke zweckoptimistisch ein paar Flyer. Darauf wird für den Comedy-Abend am 9. Dezember unter dem Motto „Kichern für die Kickers“ geworben. „Damit wir endlich mal was zu lachen haben.“ Mit Hilfe der Wortakrobaten Bodo Bach, „Maddin“ Schneider und Johannes Scherer sollte das wohl gelingen. Aus dem nahen Mühlheim steigt für einen Abend sogar Gerda von ihrer kleinen Weltbühne, um in der Stadthalle ihren frech-frivolen Senf dazuzugeben. Tickets dafür gibt’s unter anderem noch im OFC-Fanshop. Die Einnahmen fließen direkt in die Vereinsarbeit.

Auch an diesem Samstag klappert es im bereitgestellten Spendenschweinchen für den guten Zweck, denn so mancher OFC-Anhänger, der für einen kurzen Plausch mit den Vereinsoberen am Infostand verweilt, öffnet gern das Portemonnaie zum Kauf des neuen Fanschals etwa, auf dem das rot-weiße Bekenntnis prangt: „Ich bin ein 1901er“. Oder für das druckfrisch aufgelegte Liederheftchen mit „Kiggäääs“-Gesängen. Die hat man zwar als eingefleischter Fan ohnehin Zeile für Zeile verinnerlicht, möchte aber gern auch noch das heimische Devotionalienregal damit schmücken. Für drei Euro pro Stück ist jeder Käufer dabei. Der Erlös kommt der Kickers-Jugend und dem Fanmuseum zugute.

Gestaltung des 56-seitigen Nachschlagwerks

Die Idee dafür und für die Gestaltung des 56-seitigen Nachschlagwerks in Sachen Fanliedgut hat Kickers-Freundin Marita Prieur gehabt. Sie hat all die eingängigen Weisen zu Papier gebracht, für die es keine Notenkunde braucht, weil man sie im weiten Stadionrund sehr einfach und voller Leidenschaft mitzuschmettern vermag. Andreas Menglers Klassiker „Forever OFC“ ist darin ebenso aufgeführt wie seine neue Hymne „Wir sind Offenbach“. Nicht fehlen darf natürlich „Rot und Weiß sind unsere Farben“, das Buddy Caine schon in den 80er Jahren mit etlichen Spielern anstimmte. „Der Fangesang bei den Kickers ist so einmalig wie der Bieberer Berg“, sagt Marita Prieur, deren sächsischer Zungenschlag ihre wahre Herkunft offenbart. Trotzdem ist die Dresdenerin überzeugte Anhängerin des Offenbacher Traditionsvereins und hat mit ihrer Hingabe für den Fußball das rot-weiße Liederbüchlein, in dem sich reichlich „Berg-Gesänge“ befinden, vollendet.

Ein Drittel der Erstauflage – Stückzahl 1901 – ist verkauft, am Infostand wandern weitere Exemplare in neue Hände. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Fanschal, der – man muss es nicht erraten – zum Preis von 19,01 Euro zu haben ist. Kein Käufer lässt sich 99 Cent Wechselgeld zurückgeben, jeder rundet großzügig auf. Dafür gibt’s als süßes Dankeschön eine Tafel Voll(treffer)milch-Schokolade im OFC-Design. Vielleicht klappt’s jetzt auch wieder mal mit dem Toreschießen...

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