Wie die Stellenbesetzung das Jahresergebnis beeinflusst

Offenbacher Kindergartenbetrieb hat 3,3 Millionen übrig

Kinder und Spielsachen in einer Kita.
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40 Stellen für Erzieher sind noch immer unbesetzt in Offenbacher Kitas.

Satte 3,3 Millionen Euro Gewinn hat der Eigenbetrieb Kindertagesstätten der Stadt Offenbach für das vergangene Jahr als Gewinn verzeichnet - einen Geldsegen bedeutet das für die Stadt allerdings nicht.

Offenbach – Hat sich unter städtischem Dach, von der Öffentlichkeit unbemerkt, ein äußerst rentables Unternehmen entwickelt? Wirft Kinderbetreuung satten Gewinn ab? Zu diesem Schluss könnte kommen, wer die Magistratsvorlage Nr. 2020/291 studiert: Stolze 3,3 Millionen Euro weist der Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) für 2019 als Gewinn aus. Das Ergebnis soll, so die zuständige Stadträtin Sabine Groß im Antrag, aufs laufende EKO-Wirtschaftsjahr vorgetragen werden.

Das ist auch geboten, denn es bestehen in den „Wirtschaftsjahren 2020 ff. erhebliche, nicht kalkulierbare wirtschaftliche Risiken“ – vermutlich müssen bald Verluste mit den Reserven ausgeglichen werden. Nun ist es aber keineswegs so, als hätte der EKO wirklich greifbare Einnahmen über seine Ausgaben hinaus erzielt. Der ansehnliche Gewinn verdankt sich vielmehr der Differenz zwischen – vorsichtiger – Kalkulation un echtem Bedarf..

Wie Kindergärten-Betriebsleiter Roberto Priore erläutert, verdankt sich das Plus hauptsächlich nicht oder anders als vorgesehen besetzten Stellen. Der Plan sieht 410 vor: 40 Offenbacher Erzieherpositionen sind noch frei. Entweder, weil dafür noch Kräfte gesucht werden, oder weil die entsprechenden Einrichtungen noch nicht in Betrieb genommen wurden. Das gilt etwa für die künftige Kindertagesstätte im neuen „Goethequartier“ an der Berliner Straße. Priore beziffert die vorläufige Einsparung durch diese Posten auf 2,3 Millionen Euro.

Zudem ist die Verdopplung der Hauswirtschaftsstellen noch nicht umgesetzt, muss die für die staatlich bezuschusste Qualitätsentwicklung entwickelte „Pädagogische Praxisberatung“ noch drei Monate auf ihre für den 1. August vorgesehene Inbetriebnahme waren.

Laut Priore wirkt sich auch Hessens „Gute-Kita-Gesetz“ durch eine Zunahme von Drittmitteln aus, die aber noch nicht in stellen umgemünzt werden konnten.

Weiteres Sparpotenzial ergab sich laut Roberto Priore durch „Personen in der Tätigkeit“: Das sind Betreuer, denen die gesetzliche Qualifikation für die Anerkennung als Fachkraft (noch) fehlt und die keine Gruppen leiten dürfen; beispielsweise handelt es sich um Menschen mit nicht anerkannter Ausbildung im Ausland, in Umschulung oder Nachqualifizierungsprogramm oder angehende Sozialpädagogen.

Die gegenwärtig 45 „Personen in der Tätigkeit“ verdienen deutlich weniger als anerkannte Fachkräfte – für sie gilt nicht die Stufe 8, sondern nur 4 in der Entgelttabelle des Tarifvertrags für den öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst. Der Wirtschaftsplan kalkuliert jedoch mit vollbezahlten Stellen.

Das alles sind Faktoren, die sich ändern und somit den schönen EKO-Gewinn dieses Jahres schmälern werden. Ziel der Stadt ist es ja auch, so viele Stellen wie möglich mit den bestens Ausgebildeten zu besetzen. So heißt es im „Ergebnisverwendungsvorschlag“ des Magistrats: „Insbesondere Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung, zum Beispiel die Ko-Finanzierung der dualen Ausbildung und die Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit des EKO, werden die zukünftigen Ergebnisse ohne Gegenfinanzierung im Rahmen der regelhaften Mittelzuflüsse belasten.“

Kurz: Es wird so viel Geld kosten, um Erzieherinnen in ausreichender Zahl einstellen oder ausbilden können, dass am Ende künftiger EKO-Wirtschaftsjahre kein netter Batzen mehr wie in diesem übrig bleibt. Von Thomas Kirstein

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