Kita bald auf dem ehemaligen Rowenta-Gelände

Zwangsumzug zum Jahresende

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Weil in der Innenstadt keine passende Immobilie zu finden war, ziehen 45 Kinder und sieben Erzieherinnen zum Jahresende in Offenbachs Süden um.

Offenbach - Die Nachricht kam nicht überraschend, eine Lösung ließ trotzdem lange auf sich warten. Wie allen Mietern wurde auch dem Internationalen Bund als Träger der Kita auf dem Dach des Toys-R’Us-Gebäudes zum Jahresende gekündigt.Von Jenny Bieniek 

Weil sich in der Innenstadt keine alternativen Räume fanden, zieht die Kita nun aufs ehemalige Rowenta-Gelände. Fast zehn Jahre hat Heike Hartmann nach einem neuen Standort für ihre Einrichtung gesucht – erfolglos. „Entweder die Vermieter wollten keine Kinder, oder es fehlte ein Außengelände“, erinnert sich die Leiterin der Kita „Kinderkiste“, die bislang auf dem Dach des in die Jahre gekommenen Toys’R’Us-Centers in der Innenstadt residierte.

Zum Jahresende muss sie samt Mitarbeiterinnen und 45 Schützlingen trotzdem in ein Interimsquartier ohne angeschlossenes Außengelände ziehen. Wie allen Mietern wurde auch dem Internationen Bund (IB) als Träger der Kita im Dachgeschoss des Toys’R’Us-Komplexes wegen anstehender Sanierungsarbeiten gekündigt.

Gerne wären Hartmann und ihr Team in der Innenstadt geblieben, eine vielversprechende Option wenige Meter neben dem alten Standort aber platzte. Nun soll die Kita an der Rowentastraße Unterschlupf finden, dort, wo der IB seine Geschäftsräume hat und seit 2013 schon einen Hort betreibt. Die Rahmenbedingungen dort sind zwar weniger günstig als am alten Standort, „aber es war die einzige Möglichkeit, die Kita vor der Schließung zu bewahren“, betont IB-Geschäftsführerin Rita Waterstradt.

38 Familien betroffen

Vom Zwangsumzug betroffen sind 38 Familien. Zu einem jüngst angesetzten Info-Abend kamen nur acht. Wo es ging, hat Kita-Leiterin Hartmann die Eltern vorab schon persönlich über die anstehende Veränderung informiert, doch sprachliche Barrieren bei den überwiegend aus dem Ausland stammenden Eltern erschweren die Kommunikation. „Womöglich haben noch nicht alle Eltern verstanden, worum es überhaupt geht“, mutmaßt Hartmann.

IB-Geschäftsführerin Rita Waterstradt und Kita-Leiterin Heike Hartmann zeigen einen der möglichen Räume für die Kita-Gruppen, die bislang auf dem Dach des Toys’R’Us-Gebäudes untergebracht sind. Noch gehört dieser zur Hortbetreuung des Internationalen Bunds, die ebenfalls an der Rowentastraße untergebracht ist.

Ab Januar stoßen die 45 Kinder aus der Ziegelstraße auf 50 Hortkinder, die ebenfalls in dem roten Gebäude an der Rowentastraße untergebracht sind. Unter sich sind sie dann nicht mehr. Weil in der dritten Etage auch Büroräume untergebracht sind, bleibt Mitarbeiter- und Publikumsverkehr nicht aus. „Bewegungsfreiheit geht dadurch verloren“, bedauert Hartmann. Zwar sind der Waldzoo und die Wiesen am Hainbach innerhalb weniger Laufminuten zu erreichen. Ein spontanes Austoben ist mangels Außengelände aber nicht mehr möglich. Einige Eltern hätten schon angekündigt, dass sie ihre Kinder aus organisatorischen Gründen nicht an die Rowentastraße werden bringen können. „Ein paar Kinder werden wir also vermutlich verlieren“, befürchtet Leiterin Hartmann.

Immerhin wären im Notfall vereinzelte Aufnahmen in die IB-Kita an der Kaiserstraße möglich. Andere Eltern billigten den Umzug, solange das Team mitgehe. „Das freut uns natürlich, weil es zeigt, dass die Eltern mit unserer Arbeit zufrieden sind“, sagt Hartmann. Ein Gespräch mit EKO-Leiter Hermann Dorenburg führte zu dieser Lösung. Weil an der Rowentastraße bereits eine Betriebserlaubnis besteht, gab das Jugendamt schnell grünes Licht.

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Offiziell ist es ein Interrimsquartier. Die Erfahrung aber zeigt, dass es nicht einfach ist, etwas Neues zu finden. „Wir können nur versprechen, dass wir intensiv suchen. Mehrere Makler haben uns auf der Liste“, sagt Waterstradt. Doch auf dem Immobilienmarkt tue sich wenig. „Es stehen immer noch dieselben für uns ungeeigneten Gebäude leer, die vor zehn Jahren schon zu haben waren“, ist Heike Hartmanns Erfahrung. Statt Urlaub zu nehmen, stemmt das Team der Kita „Kinderkiste“ also zwischen den Jahren den Umzug. Drei Wochen lang muss die Einrichtung deshalb geschlossen bleiben.

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