Herzstück mit Galerie

+
Spatenstich mit Begleitung durch Brieftauben und Wyandotten-Hühner: An der Rheinstraße 9 entsteht eine neue Ausstellungshalle für den 1. Offenbacher Kleintierzuchtverein. Im August 2012 wurde die alte Halle abgerissen für den Bau des Polizeipräsidiums.

Offenbach - Ohne Halle geht es nicht. „Wir warten darauf, wir brauchen sie“, sagt Ronald Mertinkus vom Vorstand des 1. Offenbacher Kleintierzuchtvereins 1905 (KTZV) am Spessartring. Von Veronika Szeherova

Weil das Buchhügelgelände für den Bau des neuen Polizeipräsidiums freigeräumt wird, mussten die Züchter Federn lassen. Im August vorigen Jahres wurde ihre alte Ausstellungshalle von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) abgerissen. Gestern folgte der ersehnte Spatenstich für den Neubau.

Frei von Komplikationen war das Projekt nicht. Denn nicht nur die alte Halle, auch 1600 Quadratmeter seiner Fläche musste der KTZV einbüßen. „Das ist schon dramatisch, wenn man Gelände abgeben muss“, sagt der Vorsitzende Jörg Donath. Die 56 Vereinsmitglieder fühlten sich wohl auf dem vertrauten Terrain, schätzten ihre Räume. So waren viele Gespräche und Kompromissbereitschaft seitens der Züchter wie auch der OPG notwendig, um sich auf einen neuen Standort für die Halle und Bebauungsplan des Geländes zu einigen.

Bedürfnisse des Vereins

„Es war ein Lernprozess für uns, welche Bedürfnisse so ein Verein hat“, sagt Geschäftsführerin Daniela Matha. „Beide Seiten mussten sich annähern, gegenseitiges Verständnis wecken.“ Die OPG erwarb schließlich ein bisher ungenutztes, 655 Quadratmeter großes Grundstück an der Rheinstraße 9, das südlich ans bestehende Vereinsgelände grenzt. Dieses verpachtet sie an den KTZV und baut dort die neue Ausstellungshalle. Kostenpunkt: 400 000 Euro. Das Geld stammt vom Verkauf des Buchhügelareals ans Land Hessen für das künftige Polizeipräsidium.

Die Kleintierzüchter können sich auf eine Halle in Massivbauweise auf zwei Ebenen freuen. „Wir bekommen eine Galerie, an diesen Begriff muss ich mich erstmal gewöhnen“, schmunzelt Mertinkus, der dem Verein seit 1974 angehört. Im Galeriegeschoss (105 Quadratmeter) befinden sich das Vorstandszimmer, die Teeküche und ein Versammlungsraum. Im Erdgeschoss sind auf 280 Quadratmetern unter anderem der Brutraum und der eigentliche Ausstellungsraum untergebracht. „Früher haben wir eine Folie vor die Käfige gelegt, dahinter stand schon der Kaffeetisch“, so der Züchter. Das passiert künftig nicht mehr – zur Zufriedenheit des Veterinäramts. Essen und Getränke werden oben serviert, Federvieh und Kaninchen im Erdgeschoss bewundert und bewertet.

Wehmut um die alten Flächen

Bei aller Wehmut um die alten Flächen und die langjährige Halle überwiegt bei den Züchtern die Vorfreude auf das neue Gebäude. „Es wird schön aussehen, ist eine Kombination aus Stein und Holz“, zeigt sich Mertinkus zuversichtlich. Auch OPG-Chefin Matha findet, es werde „was Großartiges geschaffen“. Im Herbst soll der Bau abgeschlossen sein.

Im zweiten Bauabschnitt folgt der Neubau von Volieren. Diese entstehen auf der früheren Fläche des Kleingartenvereins Süd, der sechs Gärten abgeben musste. „Diese Ausstellungshalle ist für den Verein ein Herzstück“, betont Mertinkus. Die Züchter sind auf eine eigene Halle angewiesen. „Hallenmieten sind sehr hoch, bis zu 1000 Euro, das können wir uns nicht erlauben.“ Außerdem wird die Halle nicht nur für mehrere Ausstellungen im Jahr genutzt, sondern auch für Vereinsaktivitäten wie Weihnachtsfeiern. Der KTZV hofft, durch die baulichen Neuerungen attraktiver zu werden – für das eine oder andere neue Mitglied.

Die am stärksten bedrohten Tierarten

Bilder: Die am stärksten bedrohten Arten

Kommentare