Hilfen von 3,5 Millionen Euro für Offenbachs Wirtschaft

Offenbacher Konjunkturpaket mit sozialer Komponente

Einkauf auf dem Offenbacher Wochenmarkt
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Die Gutschein-Aktion wird auch auf dem Offenbacher Wochenmarkt gelten.

Anfang September hat Oberbürgermeister Felix Schwenke vorgeschlagen, ein Konjunkturpaket für die corona-gebeutelte Offenbacher Wirtschaft zu schnüren. Nun, nach mehrwöchiger Beratung mit Vertretern aus Handel, Gastronomie, IHK, Kultur und Vereinen, hat der Magistrat das Programm vorgelegt. Am Mittwoch werden die Stadtverordneten in einer Sondersitzung darüber abstimmen. Eine Annahme darf als sicher gelten, da Schwenke und die Magistratsmitglieder der Tansania-Koalition es gemeinsam erarbeitet haben.

Offenbach - Das Konjunkturpaket hat ein Volumen von 3,583 Millionen Euro – größte Posten sind mit 1,183 Millionen Euro eine Gutschein-Aktion und mit 800 000 Euro eine Frühjahrs-Tombola. Oberstes Ziel, das betont Schwenke, müsse es sein, die Offenbacher Arbeitsplätze zu erhalten. Händler, Wirte und Gewerbeverein plädierten daher für eine Gutschein- und Tombola-Aktion, um Kaufanreize zu setzen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Dabei wird nicht nur kurzfristig auf das Weihnachtsgeschäft geschaut, der Zeitraum für die Wirtschaftsförderung ist bis 31. März angesetzt. „Aber wir wollen natürlich die Gutschein-Aktion so rasch wie möglich beginnen“, sagt Schwenke.

Die Idee: Ab einem Einkaufswert von 50 Euro in teilnehmenden Geschäften und Restaurants können nach Vorlage des Kassenbons die „Offenbachs Großes Herz“–Gutscheine in Höhe von 40 Prozent des Einkaufs eingetauscht werden. Das heißt, wer für 100 Euro einkauft, erhält an einer noch einzurichtenden Ausgabestelle einen Gutschein über 40 Euro. Die maximale Erstattungssumme liegt bei 125 Euro. Als soziale Komponente erhalten Menschen, die Grundsicherung beziehen, einen zehnprozentigen Zuschuss zum jeweiligen Gutschein.

Da der Wochenmarkt, wie Stadtrat Paul-Gerhard Weiß betont, ein besonderer Frequenzbringer ist, soll auch der Einkauf dort mittels Stempelsystem eingebunden werden: Ab zehn Euro Einkaufswert gibt es einen Stempel, ab fünf Stempeln gibt es einen Aktionsgutschein.

Der Haken: Momentan nehmen nur knapp 40 Händler und Wirte am bereits bestehenden Gutschein-System teil. „Ich bin aber zuversichtlich, dass deren Zahl schnell steigt“, sagt Regina Preis von der Stadtmarketing-Gesellschaft. Von Januar bis März soll zusätzlich die Aussicht auf Gewinne in einer Frühjahrs-Tombola die Menschen in die Geschäfte und Restaurants locken.

Mit einem Hygienesiegel nach Hanauer Vorbild und einer Werbekampagne in Höhe von 250 000 Euro soll der sichere Einkauf in der Stadt und auf dem Wochenmarkt in der Region beworben werden. Außerdem sollen Pop-up-Stores und der bereits etablierte „Superladen“, bei dem Kunstwerke erstanden werden können, unterstützt werden, um so das Einkaufsangebot in der Stadt noch zu erweitern.

326 000 Euro sind zudem eingeplant, um zwei Stunden kostenloses Parken und die kostenfreie Nutzung der Busse an Samstagen anzubieten. Mindestens an den vier Adventssamstagen, wahrscheinlich aber auch an weiteren Samstagen im neuen Jahr, sollen Stadtbusse und S-Bahnen innerhalb Offenbachs kostenfrei sein, auch die vier Innenstadt-Parkhäuser vom Betreiber City-Parking werden teilnehmen. Wohl auf dem Markt- oder Hugenottenplatz soll es einen bewachten Fahrradparkplatz geben, auf dem Radläden auch kleine Reparaturen anbieten.

Wenn die Corona-Infektionszahlen es wieder zulassen, plant die Stadt kurzfristig besondere Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt oder eine Eisbahn auf dem Stadthof. „Unser Konzept sieht vor, dass wir lageabhängig Veranstaltungen ansetzen können“, sagt Schwenke. Grundlage wären jeweils strenge Hygienekonzepte – beim Weihnachtsmarkt haben sich die Beschicker etwa selbst verpflichtet, ab einer 7-Tages-Inzidenz von 50 Fällen pro 100 000 Einwohner vom Markt abzusehen. Auch wenn die aktuellen Fallzahlen es nicht zulassen, ist somit bei einem Rückgang der Infektionen im Dezember ein Weihnachtsmarkt denkbar. Für die Eisbahn sind 100 000 Euro, für den Weihnachtsmarkt 120 000 Euro im Konjunkturpaket eingeplant.

Großen Wert legt der Magistrat darauf, dass auch Kultur, Vereine und Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren: Für Vereine werden 350 000 Euro als Notfallunterstützung zur Verfügung gestellt, der „Kleine Kultursalon“ wird mit 25 000 Euro gefördert. 380 000 Euro will die Stadt für ein noch zu erarbeitendes System vorhalten, damit etwa Inhaber der Bildungskarte oder Grundsicherungs-Empfänger kostenfrei Sportkleidung, Noten oder Bildungsmaterial in Geschäften abholen können. „An den Details arbeiten wir noch“, sagt Stadträtin Sabine Groß.

Doch wie kann sich eine klamme Stadt wie Offenbach dies alles leisten? Kämmerer Peter Freier erklärt, dass das Konjunkturpaket durch Zahlungen des Bundes finanziert wird: Rund elf Millionen Euro erhält die Stadt in diesem Jahr bereits vom Bund für die Übernahme der Kosten der Unterkunft für SGB II-Empfänger. „Daraus können wir neutral für unseren Haushalt die 3,5 Millionen Euro für das Konjunkturpaket finanzieren“, sagt Freier.

Von Frank Sommer

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