Debatte um Umweltzone

„12.000 Autobesitzer werden verunsichert“

Offenbach - Die CDU bekräftigt die Ablehnung einer starren Umweltzone. Auch angedachte Durchfahrverbote für Lastwagen hält die sie für widersinnig.

Der Bürgermeister möge doch nicht in Aktionismus verfallen und wiederholt die Landesregierung wegen einer angeblichen Verweigerungshaltung rügen. Das empfiehlt die CDU-Fraktion dem grünen Umweltdezernenten Peter Schneider. Die aktuelle Diskussion um Sinn und Unsinn von Umweltzonen ist Wasser auf die Mühlen der Union.

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Breite Front gegen eine Umweltzone

Die Stadtverordnete Anja Fröhlich meint: „Der Magistrat war offensichtlich trotz wiederholter Aufforderungen nicht in der Lage, die Fachleute auf Landesebene von der Wirksamkeit der Offenbacher Luftreinhalteplanung zu überzeugen.“ Eine Zone ist beantragt, aber noch nicht genehmigt. Die „bunte Koalition“ (SPD, Grüne, Freie Wähler) solle besser auf intelligente Verkehrssteuerung denn auf Fahrverbote setzen, fordert Fröhlich. Jüngste Messergebnisse aus hessischen Großstädten (wir berichteten gestern auf der Hessen-Seite) belegen für die Christdemokraten die fehlende Wirksamkeit von Umweltzonen. Sie erinnern an eine 2011 vorgestellte Studie der Technischen Universität Darmstadt. Am Beispiel der Kreuzung Bieberer Straße/Untere Grenzstraße wurde darin gezeigt, dass eine situationsabhängige, umweltorientierte Steuerung zur Verbesserung des Verkehrsflusses effizient die Stickstoffoxid-Jahresmittelwerte senken könnte. Staus einfach ins Umland zu verlagern, dürfe jedoch keine Folgerung daraus sein, erklärt Anja Fröhlich. Sie weist auch darauf hin, dass die Erwartungen von Politik und Umweltschützern an die Wirksamkeit starrer Umweltzonen zur Reduzierung von Feinstaubbelastungen in den Städten bisher nicht erfüllt worden seien. Frankfurt, Mannheim oder München wiesen teilweise sogar höhere Messwerte auf als zuvor.

Die CDU steht der Einführung einer starren Umweltzone in Offenbach seit jeher äußerst skeptisch gegenüber. „Es ist nicht zu verantworten, für ein zweifelhaftes Experiment die 12.000 Offenbacher Besitzer von Autos ohne grüne Plakette zu verunsichern“, meint Anja Fröhlich. Alle älteren Autos würden über einen Kamm geschoren, ohne dass deren individuelle Fahrleistung Berücksichtigung finde. So treffe es beispielsweise kleinere Handwerksbetriebe, die ihre Transporter nur verhältnismäßig wenig führen, aber aus finanziellen Gründen nicht in der Lage seien, sich neuere Autos zu kaufen.

Auch angedachte Durchfahrverbote für Lastwagen hält die CDU für widersinnig, da sie nur zur Verlagerung führten. Fröhlich: „Eine Sperrung der Mainstraße für Lkw führt unmittelbar zu noch höheren Belastungen auf der Unteren Grenzstraße, Rhönstraße und dem Ring.“ Diese Feststellung sieht sie durch die Studie der TU Darmstadt bekräftigt.

tk

Rubriklistenbild: © Symbolbild / dpa

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