Überlastungsanzeige

Offenbacher Lehrern reicht’s: Beschwerde beim Kultusministerium

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Die Edith-Stein-Schüler versammeln sich für ein Foto. Deren Lehrer vereinigen sich nun für eine Beschwerde über die dauerhafte Überlastung des Kollegiums.

Offenbach - Für viele Offenbacher Lehrer ist das Maß voll: Nach Informationen unserer Zeitung wollen kommende Woche fünf Haupt-, Real- und Gesamtschulen mit einem Schreiben offiziell Beschwerde beim Kultusministerium einreichen. Von Tamara Schempp

Das Kollegium der Edith-Stein-Schule preschte vor und rechnet in seiner Überlastungsanzeige mit der Schüler- und Elternschaft ab. Genug ist genug. Aus diesem Grund hat sich das Kollegium der Integrierten Edith-Stein-Gesamtschule mit einem dringenden Appell an unsere Zeitung gewandt. Was laut einer Pädagogin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, öffentlich gemacht werden soll, ist die Überlastung der gesamten Belegschaft. Das formale Mittel, die Probleme zum Dienstherrn zu transportieren, ist eine sogenannte Überlastungsanzeige. Das fünfseitige Schreiben, gerichtet an den Kultusminister Alexander Lorz, haben 50 von 56 Edith-Stein-Lehrern unterschrieben. Darin fordern sie bessere Arbeitsbedingungen, da die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter in der derzeitigen Situation nicht mehr garantiert werden könne. Konkret heißt das: Überlastung führt zu Krankheit, ein zunehmend hoher Krankheitsstand zu Ausfällen, die wiederum die verbliebenen Mitarbeiter belasten. Ein Teufelskreis.

„Wir sind ein geschlossenes Team und haben ein gutes Verhältnis zur Schulleitung. Das ist nicht der Grund für die Anzeige“, betont die Edith-Stein-Lehrerin gegenüber unserer Zeitung. Durch die hohe Arbeitsbelastung gebe es – trotz des guten Verhältnisses – immer wieder „Unzufriedenheit und teilweise Spannungen im gesamten, früher sehr solidarischen Team“, heißt es im Schreiben der Belegschaft. In erster Linie machen wohl Schüler und Eltern den Edith-Stein-Lehrern das Leben schwer. Die Pädagogen schreiben von „wachsender Heterogenität durch die kulturelle und religiöse Vielfalt“. Die Schule befinde sich in einem sozialen Brennpunkt, nicht wenige Schüler litten unter „sozialer und emotionaler Verwahrlosung“ durch „häusliche Probleme und mangelnde Unterstützung in den Familien“.

Viele Eltern seien nicht kooperativ oder verstünden durch ihren Migrationshintergrund das deutsche Bildungssystem nicht. Sie überforderten ihre Kinder zusätzlich mit zu hohen Ansprüchen („Mein Kind macht Abitur!“). Und damit auch die Lehrer. „Durch fehlende Räume und zu wenig geschultes Personal können wir der Inklusionsarbeit nicht gerecht werden“, moniert die Sprecherin ein weiteres Problem. Überstunden seien keine Ausnahme mehr. Die Schule brauche zudem dringend drei Sozialarbeiter, Psychologen, eine pädagogische Leitung und einen Konrektor – die beiden letztgenannten Positionen sind nicht besetzt. „Die Schulleitung muss wieder komplettiert werden“, fordert die Pädagogin im Namen ihrer Kollegen.

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An anderen Schulen seien die Verhältnisse fast identisch, gibt eine Lehrerin der Schillerschule unserer Zeitung weiter. Auch die Gesamtschule im Nordend wolle kommende Woche eine Überlastungsanzeige einreichen. Namentlich genannt wurden außerdem die Ernst-Reuter-, Mathilden- und Bachschule. Was die fünf Haupt-, Real- und Gesamtschulen gemeinsam haben, ist neben der Überlastung der Lehrkräfte der hohe Anteil an Schülern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien mit hohem Migrationsanteil. Von der Stadt war bezüglich der Lehrer-Klagen keine Stellungnahme zu erhalten – nicht zuständig. Die Leiterin des Schulamts, Susanne Meißner, kündigt auf Anfrage ein Gespräch mit dem Personalrat der Edith-Stein-Schule sowie mit deren Leiter, Salvatore Caruso, an.

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