Großer Masten-Abschiedstag für Souvenirjäger

Offenbacher Leuchttürme enden in Schrottpresse

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Offenbach - „Mit dem Zweiten sieht man besser. “ „The Show MAST go on. “ „Dein Blut für die Masten. “ Mit diversen Aktionen und Sprüchen taten die Kickersfans einiges, um die Erhaltung zumindest eines Flutlichtträgers zu sichern. Von Martin Kuhn 

Es gab sogar eine Choreografie beim Auswärtsspiel in Aalen mit Eichbaum und zwei Masten. Sie wurde im Februar 2011 von Besuchern der Dritte-Liga-Website zur „Choreo des Monats“ gewählt. Alles vergebens. Die Masten werden verschrottet. „Time To Say Goodbye“ heißt es am Sonntag, 16. März. Der Masten-Abschiedstag beginnt um 12 Uhr am Hafen (Hafen 19, etwa in Höhe des Boxclubs), wo die Masten seit nahezu drei Jahren lagern.

Die Thematik polarisiert die Fans seit jeher. „Wenn ich von der Schnellstraße komme und die Masten sehe, geht mein Herz auf. Und jetzt keine Wegmarke mehr“, heißt’s etwa in unseren Kommentaren. Andere bekunden hingegen: „Kein Altmetall in meinem Designer-Stadion!“ Vielleicht machen sich ja beide Seiten auf den Weg in den Offenbacher Hafen. Zeit haben sie: Der OFC tritt bereits am Freitag in Ulm an...

Gemeinsamer Abschiedstag

Um dem traurigen Anlass trotzdem etwas Sinnvolles abzugewinnen, laden Offenbacher Kickers, Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) und Interessengemeinschaft Stadionbau (IGS) die Anhänger zum gemeinsamen Abschiedstag – „wie bei Trauerfeiern üblich mit Kaffee und Kuchen“. In Erinnerung an großartige Flutlichtspiele und viele tolle Momente auf dem Bieberer Berg wird die Mitnahme von Teilen der Masten als Erinnerungsstücke ermöglicht. Stahlstreben, kleine Verbindungsstücke und Schrauben sind – solange der Vorrat reicht – gegen eine (großzügige) Spende erhältlich, die dem Verein zu Gute kommt.

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Schweren Herzens bleibt das Licht also sprichwörtlich aus für die Masten; eine Rettung war aus wirtschaftlicher Sicht unmöglich. „Leider“, heißt es unisono. Und IGS-Sprecher Volker Goll fügt hinzu: „Wir alle sind schon enttäuscht.“ Er wird mit „gespalteten Gefühlen“ am Sonntag in den Hafen gehen. Für ihn ist’s auch ein endgültiger Schlussstrich. Er fügt sarkastisch hinzu: „Wenn irgendjemand in Deutschland Flutlichtmasten aufbauen möchte, können wir unser Wissen anbieten...“ Am Geld scheitert letztlich auch die Idee, wenigstens einen Mast an anderer Stelle einzuordnen. „Das ist nicht darstellbar“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis.

Baustelle Bieberer Berg mit Flutlichtmasten (2011)

Baustelle Bieberer Berg

Nicht bestätigen möchte sie, was an anderer Stelle zu vernehmen ist: Allein der Transport beider Masten vom Stadion in den Hafen hat gut 10.000 Euro gekostet. Dieser Betrag wäre für einen zweiten Schwerlasttransport erneut fällig geworden – illusorisch. Heißt: Die Reste der „Offenbacher Eiffeltürme“ wandern am Montag in die Schrottpresse.

Damit endet eine Ära: Erbaut wurden die gut 60 Meter hohen Masten 1968 von der Wiesbadener Firma Richard A. Ott (welche nicht mehr existiert), die zur damaligen Zeit ein Monopol auf Zwei-Mast-Flutlichtanlagen hatte. Diese legendären Masten („Offenbacher Leuchttürme“) sorgten mehr als 40 Jahre lang für die besondere Abendstimmung am Bieberer Berg. Die Mönchengladbacher Borussen sollen sich übrigens noch in den 90er Jahren geweigert haben, unter Flutlicht im DFB-Pokal anzutreten. Sie erreichten eine Verlegung, weil: „Man weiß ja, wie stark Offenbach unter Flutlicht spielt!“

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