Ein Offenbacher Lokalpatriot feiert 70. Geburtstag

+
70 Jahre und nicht müde: Hans-Peter Kloppenburg.

Offenbach ‐ „Wenn in Offenbach einer seine Stadt schmäht, dann ist er in der Regel hier geboren und aufgewachsen. Zuwanderer entwickeln sich eher zu Lokalpatrioten.“ Von Lothar R. Braun

So will es Hans-Peter Kloppenburg beobachtet haben, und nun grübelt er, warum sich das so verhält. Kloppenburg ist selbst ein Zuwanderer und Lokalpatriot. Er war 26, als er aus Göttingen an den Main kam. Heute wird er 70.

Als Kreditsachbearbeiter hatte er 1966 zur Offenbacher Sparkasse gefunden. 1982 trat er in den Vorstand ein. 1994 übernahm er im Vorstand den Vorsitz: eine kerzengerade Bilderbuch-Karriere. Seit 2002 ist er Ruheständler mit ungebrochener Aktivität.

Noch an der Spitze des Instituts stand er, als Ende der 1990er Jahre an der Berliner Straße für 40 Millionen Euro die neue Sparkassen-Zentrale entstand. Das Vorhaben ging auf einen Beschluss des Verwaltungsrats zurück. Der Vorstand war ursprünglich dagegen, weil der Neubau die angedachte und für nötig erachtete Fusion mit der Sparkasse Langen-Seligenstadt verhinderte. Doch Kloppenburg zeigte sich schon bald zufrieden mit dem Bau, den Insider „die Kloppenburg“ nannten und den die Architektenkammer öffentlich lobte. Heute bekennt er sogar Stolz auf das Haus. Er nennt es „ein positives Stück Stadtgestaltung“.

„Kloppenburgstiftung“ fördert Kultur, Sport und Bildung

Dass ihm die Stadt und ihre Gestaltung am Herzen liegen, zeigt auch die Stiftung, die der kinderlose Hans-Peter Kloppenburg und seine mittlerweile verstorbene Ehefrau Gisela begründet haben. Die gemeinnützige „Kloppenburgstiftung“ fördert Kultur, Sport und Bildung in Offenbach. Sie unterstützt Projekte der Altenhilfe und der Jugendarbeit, Theater- und Musikinitiativen. Das Haus der Stadtgeschichte hatte davon schon Nutzen, die Stadtbibliothek und die Museen, die Hospizbewegung und die Bildende Kunst. Es ist eine lange Liste. „Wir wollten damit auch andere zum Engagement anregen“, sagt er. Denn: „Ohne Engagement hat die demokratische Gesellschaft keinen Bestand“.

Dreißig Positionen, von der Alzheimergesellschaft bis zur Vereinigung „Freunde des Klingspormuseums“, füllen die Liste seiner Mitgliedschaften. Kloppenburg ist Aufsichtsrats-, Beirats- und Kuratoriumsmitglied, Schatzmeister bei den einen, Vorsitzender bei anderen. „Eine verlässliche Größe im Vereinsleben der Stadt“, nannte ihn einst der damalige Oberbürgermeister Gerhard Grandke bei der Auszeichnung mit der Silbernen Bürgermedaille.

„Ich habe dieser Stadt viel zu verdanken“

Warum lädt sich einer das auf? „Ich habe dieser Stadt viel zu verdanken“, sagt er, „ich will zurückgeben“. Als er 1966 kam, habe Offenbach ihn sofort freundlich aufgenommen und im Handumdrehen integriert. Gehalten habe ihn zudem etwas, das er „Geist und Luft bürgerlicher Freiheit“ nennt. Das muss etwas sein, das es in seinem Göttingen nicht gab.

Doch dazu müssen wohl auch noch andere Bedürfnisse und Eigenschaften kommen. Kommunikationsfähigkeit etwa und starkes Verlangen nach freundschaftlichen Kontakten. Seine Kontakte pflegt er in einer unaufdringlichen, bedächtigen Weise Dass er sich vordränge, hat noch keiner gesagt. Er bietet sich nicht an, aber wenn man zu ihm kommt, gewinnt man zumindest sein Ohr.

Eine Stadt hat Bewohner, und sie hat Bürger. Bürger sind jene Bewohner, die etwas schultern für das Gemeinwesen. Kloppenburg schultert eine Menge.

Kommentare