Nacht der Museen

Irritationen im Neuzugang

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Offenbach - Die Einrichtungen der Lederstadt waren bei der 16. Nacht der Museen durch ihr vielfältiges Programm sichtbar belebter als in den Vorjahren. Durch die Künstlerkolonie in den Zollamtsstudios erweiterte sich das Angebot erstmals auf vier Standorte. Von Claus Wolfschlag 

Ledermuseum: Vor dem Haus an der Frankfurter Straße hat die Offenbacher Suppenbar „Soupreme“ ihren gut frequentierten Stand aufgebaut, an dem sich Besucher mit Westernchili und veganem Dal eindecken. Der Renner ist die „Offenbacher Erdbeer-Bowle“ mit Äppler Rosé, Holunder und Minze. Die stellvertretende Museumsdirektorin Rosita Nenno schwärmt: „Der Mittagstisch der Gastwirtschaft erfreut sich beim Personal des Ledermuseums großer Beliebtheit. Das Essen ist qualitativ hochwertig, die Bedienungen sind immer lächelnd.“ Zugleich preist sie das Abendprogramm an: „Die Vielfalt der Führungen soll den Gästen Lust darauf machen, uns noch einmal intensiver zu besuchen.“ Um dem Publikum die Lederverarbeitung sinnlich näher zu bringen, gewähren im ersten Obergeschoss drei Täschnerinnen Einblicke in ihr Schaffen. Die Frankfurterin Daniela Damm, die ihre Handtaschen vorstellt, erklärt: „Die Portefeuiller-Szene ist mittlerweile klein. Man kennt sich untereinander. Und so steht auch das Ledermuseum stets im Kontakt mit uns.“ Kollegin Kathrin Hempel aus Alzenau ergänzt: „Auch ich bin dem Ledermuseum viele Jahre bekannt. Eine meiner Taschen befindet sich in der Sammlung.“

Arbeiten der beiden werden in der aktuellen Sonderausstellung „Taschen!“ vorgestellt. Hempel zeigt anschaulich, wie Rinderleder zugeschnitten und Kanten geschliffen werden: „Wichtig ist mir auch, die Teile mit Hand zu nähen. Nimmt man zwei Nadeln, ist jeder Stich verknotet. Eine solche Tasche kann einen im Gegensatz zur billigen Industrieware ein Leben lang begleiten.“ Die Frankfurter Künstlerin und frühere HfG-Studentin Gaby Blam präsentiert ihre mit Blattgold überzogene Schmuckkollektion. Ringe, Ohrringe und Haarnadeln aus zackig geformten Lederstücken werden aufwändig mit goldener Randbemalung veredelt. „Abgesehen von Ausnahmen herrscht bei den bekannten Lederwaren-Kollektionen wenig Umweltbewusstsein vor. Meine Ketten fertige ich dagegen aus pflanzengegerbten Stanzabfällen. Und ich verwende nur ökologisches Blattgold, fairtrade und fairmining.“ Musikalisch wird das Museum von dem Jazz-Saxophonisten Matthias Breuning bespielt, der bekannt für seine Open-Air-Auftritte unter Frankfurter Brücken ist. Ab 23 Uhr übernimmt dann Cineast Daniel Brettschneider als DJ die musikalische Regie.

Zollamtsstudios: Aus einem der oberen Stockwerke schallt Musik. Zugang haben die Besucher allerdings nur zum Erdgeschoss, in dem einige Gemälde ohne weitergehende Erklärung zu den Künstlern zu sehen sind. „Noch weiß ich nicht, was ich mit diesen Bildern anfangen kann. Es gibt nicht einmal Namensschilder“, rätselt etwa Volkshochschul-Chefin Gabriele Botte. Ein anderer Besucher zeigt sich von einem Schild am Gebäudeeingang irritiert: „Ausstellung heute geöffnet. 3. Stock – Raum 305“. Doch darf am Samstag niemand nach oben. „Das war gestern, das Schild hängt aber immer noch“, lächelt ein zufällig vorbeikommender Insider. „Und mir kommt das hier vor, als hätte man nur schnell etwas im Erdgeschoss aufgehängt, um sagen zu können, dass man auch Teilnehmer der Museumsnacht war“, meint ein anderer Zollamts-Besucher etwas verärgert.

Klingspormuseum: Vor interessierten Zuhörern hält Kalligraph Gottfried Pott einen Vortrag zur Handschrift im Klingspormuseum. Ihm folgt eine musikalische Einlage der Konzertpianistin Cordula Hacke aus Wiesbaden. „Sie ist eine Freundin meiner Hausärztin“, verrät Museumsleiter Stefan Soltek. Nebenan leitet Museumsmitarbeiterin Dorothee Ader gemeinsam mit den jungen Frankfurter Kunstgeschichtsstudentinnen Kristina Becker und Claudia Pink einen Workshop zum experimentellen Drucken. Im Monotypie-Verfahren wird Fingerfarbe auf Glasplatten aufgetragen und dann per Hand auf Plakate, Karten oder alte Bücher gedruckt. „Wir gehörten zum Planungsteam der aktuellen Ausstellung, die Künstlerbücher aus der Frankfurter Universitätsbibliothek zeigt. Mit dem Workshop wollen wir herumexperimentieren, mit Strukturen spielen und Spaß am Herumsauen vermitteln“, erzählt Kristina Becker. „Vor allem Kinder kommen bei uns vorbei. Die Erwachsenen haben es leider oft zu eilig.“

Nacht der Museen 2015

Impressionen von der „Nacht der Museen“ 2016

Haus der Stadtgeschichte: Maler Marc Simon hat es eilig, in den Bernardbau zu kommen. Dort beteiligt er sich mit zwei Kollegen an einer künstlerischen Performance. Museumsleiter Jürgen Eichenauer zeigt sich sichtlich erfreut, dieses Happening ins Haus geholt zu haben. Simon malt ein Bild zur arabischen Livemusik von Riad Kheder. Bereits seit 1981 arbeitet der Offenbacher gemeinsam mit Tonkünstlern, unter anderem Rockbands in England. Simon sagt: „Malerei und Musik animieren sich im gegenseitigen Dialog. Nichts ist geplant, die beiden Elemente beeinflussen und verführen einander.“

Der Offenbacher Kalligraph Hasan Temiztürk zeichnet zudem Bilder aus Blüten. Und der Mühlheimer Karikaturist Klaus Puth, ein ehemaliger HfG-Student, bringt den Besuchern im Flipchart-Verfahren das Wesen satirischer Zeichnungen inhaltlich nahe. Die Stimmung ist ausgelassen, und Marc Simon fasst zufrieden zusammen: „Mir gefällt das kleine Museum, weil es sich so bemüht, den Bürgern Informationen und Zusammenhänge anschaulich nahe zu bringen. Das geschieht nicht protzig, sondern ganz an Offenbach angepasst.“

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