Publikumsmagnet muss wirtschaftlichen Überlegungen weichen

Keine Oldies mehr am Pool

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Neuanfang auf der Rosenhöhe: Die Oldie-Club-Macher Wolfgang Boltes (l.) und Volker Röhm freuen sich auf die Live-Konzerte bei Rosengarten-Wirt Jiannis Bagordakis (r.). Los geht es, wegen der Fußball-EM später als üblich, am 7. Juli. bis September sind sieben Veranstaltungen geplant.

Offenbach - Eine der erfolgreichsten und ausdauerndsten Musikveranstaltungen Offenbachs muss nach 15 Jahren den Ort räumen, der ihr den Namen gab. Die Wirte geben an, der Erlös lohne nicht mehr den Aufwand. Ersatz ist aber gefunden. Von Thomas Kirstein 

15 Jahre lang hat der Offenbacher Oldie-Club (OCO) den Sommer musikalisch mit seiner Reihe „Live am Pool“ bereichert. Live, das waren die dem Kulturpreisträger des Jahres 2011 angeschlossenen Bands, der Pool, das war Becken im Waldschwimmbad des EOSC, die Bühne, das war die Terrasse der angeschlossenen Gaststätte. Die Bilanz des OCO-Vorsitzenden Wolfgang Boltes: mehr als zehn Konzerte im Jahr, insgesamt also über 150, jeweils 200 bis 400 Gäste, die an Donnerstagen von Juni bis September unter freiem Himmel Oldies, Rock, Beat, Soul und Blues von rund 60 Bands erlebten.

Das wird es in diesem Jahr in diesem einmaligen Ambiente nicht mehr geben, die Wirte haben dem Verein praktisch gekündigt. Somit musste der OCO musste für seine Open-Air-Angebote (im Herbst und Winter ist „Am Waldeck“ das Domizil) eine neue Bleibe suchen. Die ist inzwischen gefunden: Jiannis Bagordakis, Wirt des Rosenhöhe-Lokals „Am Rosengarten“ nimmt die Oldie-Freunde ab Juni in seinem Biergarten auf. Der ist so gelegen, dass sich kein Nachbar über aufgedrehte Verstärker beklagen müsste. Im Sommer fast heimatlos geworden wäre der Club, weil die seit 2012 in der EOSC-Gaststätte „Am Waldschwimmbad“ wirkenden Pächter das Geschäft mit den Musikfreunden nicht mehr für lukrativ halten. „Es hat sich nicht gerechnet“, sagt Valeria Gotesdiner, die mit ihrem Mann Sunny erst das Schwimmbad-Lokal zur Pizzeria „Don Pedros“ gemacht hat und es nun als ehrgeiziges Meatcut-Steakhaus führt.

Der Aufwand an Personal, hochwertigen gastronomischen Produkten, Zeltmiete, Essen und Getränken für die Musiker, so erfuhr der Oldie-Club, sei nicht vom Umsatz an den Live-Abenden gedeckt. „Na ja“, meint Ober-Oldie Boltes, „unsere Gäste haben schon anständig gegessen und getrunken.“ Die Argumentation kann er nicht ganz nachvollziehen: „Ob wir nach diversen Bemerkungen während der letzten Veranstaltungen schon so Vorahnungen hatten, war’s für uns ein Schlag ins Gesicht.“ Es hatte auch nichts gebracht, dass sein Club anbot, künftig nicht nur für GEMA-Gebühren, Zelt-Beleuchtung und Bühne zu sorgen, sondern auch die 2000 Euro für das Zelt zu übernehmen.

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Nun ist man nicht im Unfrieden geschieden. Der OCO-Vorstand bedankt sich artig bei seinen bisherigen Wirtsleuten Bedauert wird der Zwangs-Abschied des Publikums-Magneten auch beim Eigentümer der Gaststätte. Leider habe der Erste Offenbacher Schwimm-Club keinen Einfluss auf die Entscheidung seiner Pächter. „Alles immer unter dem Deckmantel der Wirtschaftlichkeit zu betrachten und nicht die Intention dieses tollen Projekts weiter zu verfolgen, können wir nicht nachvollziehen“, heißt es in einem Schreiben des EOSC-Vorstands. Als Alternative bot der Schwimmverein die Gaststätte seiner Tennisabteilung an. Doch entschied sich der Oldie-Club letztlich für eine andere „Location“ auf der Rosenhöhe. Statt „Live am Pool“ könnte es jetzt also „Live beim Griechen“ heißen.

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