Offenbacher Oldtimer rollen mit Elektroantrieb

Offenbach - Marco Lorey gibt Gas, doch sein Kombi rollt flüsterleise vom Hof. Der Elektromotor unter der Haube macht’s möglich. Seit 2008 fährt der 31-jährige Offenbacher auf Strom ab. Damals musste Ersatz für die Familienkutsche her.

Der neue Wagen hatte einen defekten Motor und etliche Jahre auf dem Buckel. Mit E-Antrieb brachte Lorey ihn wieder ins Rollen. Seither gilt der Juniorchef einer Maschinenbaufirma als Umrüst-Experte , Spezialgebiet alte Wagen. „Wir bauen nur Autos um, die älter sind als zehn Jahre.“

Umbau kostet bis zu 20.000 Euro

Privat fährt der 31-Jährige unter anderem einen stromgetriebenen Original-Mini Baujahr 1985, der es auf 85 Stundenkilometer bringt. „Beim Elektroauto wird der Großteil der Energie in Leistung umgesetzt, nicht in Abwärme“, erläutert Lorey. Für seinen jüngsten Auftrag darf es etwas mehr Leistung sein: Ein Porsche 968 soll 150 Stundenkilometer schnell werden. So will es der Schweizer Besitzer.

Alles eine Frage des Geldes. Denn der Umbau kann bis zu 20.000 Euro kosten. Teuerstes Teil ist der Akku. „Blei-Akku ist günstig. Lithium-Batterien kosten mehr, bringen aber mehr Leistung“, sagt der Fachmann. Die Motoren ordert er passgenau für jeden Klassiker bei Zulieferern in Deutschland und Asien. Technisch ist die Umrüstung der alten Wagen relativ einfach, weil keine oder nur wenig Elektronik wie Airbag oder Klimaanlage eingebaut ist.

E-Umbau dauert zwei bis drei Wochen

Mehr als zehn Old- und Youngtimer hat Lorey in der Halle des familieneigenen Maschinenbautriebs in Offenbach bisher umgerüstet. Erster Auftrag war ein Karmann Ghia, ein Framo-Pritschenwagen und Enten folgten. Ältestes Auto war ein 40 Jahre alter Käfer. Dessen Besitzer kutschieren ihr Gefährt seit diesem Frühjahr als Firmenwagen durch das Rhein-Main-Gebiet, wie Lorey erzählt. Andere nutzten ihre umgerüsteten Autos als Freizeit- oder Zweitwagen. Viele Besitzer seien selbst leidenschaftliche Tüftler und würden zusätzlich zu Geld und einer gewissen Grundüberzeugung Eigenleistung einbringen. Sie bauen etwa den alten Motor aus und bereiten die Elektrik vor. Der E-Umbau dauert dann zwei bis drei Wochen.

Der Aufwand rechne sich, findet Lorey. „Die Probleme mit der Ersatzteilbeschaffung für die Oldtimer fallen weg. Das macht die Sache attraktiv.“ Keine Zündkerzen, kein Ölwechsel - dafür freie Fahrt durch städtische Umweltzonen und kaum Kfz-Steuer seien weitere Vorteile. Und: Stehengeblieben sei noch keiner der Alten.

dpa

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Rita Thielen

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