Achte „Komische Nacht“ mit sieben Lachstationen in der Lederstadt

Offenbacher Publikum als lustige Selbsthilfegruppe

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Lokalmatadorin Lena Liebkind.

Offenbach - Komische Nacht kann viel heißen: Schlechter Schlaf, viel los auf der Polizeidienststelle, mieses Wetter. Einmal im Jahr ist es wörtlich zu nehmen, wenn an sieben Örtlichkeiten laut gelacht werden darf. Von David Heisig 

Sieben Künstler, laut Veranstalter „auf dem Sprung in die erste Liga der deutschen Lachkultur“, drehen neulich zum achten Mal ihre Runden durch die Gastroszene. Immer dabei ist der Wiener Hof in Bieber. „Die Location, wo am meisten los ist“, wie Johannes Flöck in seiner Eröffnung kund tut. Das habe ihm sein Fahrer erzählt. Die Leute würden ausrasten. Der Bonus ist ihm sicher. Das Publikum folgt ihm, wenn er vom Altern, vom Befinden seiner Freundin und anderen Alltagswidrigkeiten erzählt. So sei ihm die Welt der Frauen noch unerschlossen. Deren Alter zu schätzen sei „wie das Entschärfen einer Weltkriegsbombe“. Der Unterschied zwischen einer Frau auf Diät und einem Pitbull sei „ein wenig Lippenstift“. Den 150 Gästen gefällt’s: Flöck ist ein im Zum-Lachen-Bringen Erfahrener. Nach 25 Minuten Programm zieht er das Fazit: „Wusst‘ ich’s doch, Wiener Hof!“

Zweite im Reigen ist Lena Liebkind. Sie hat ihren ersten Auftritt im Markthäuschen hinter sich. Da habe es keine echte Bühne gegeben, sie habe in der Ecke gestanden. „Ich putze hier nur“, sei ihr Satz gewesen. Fünfmal am Abend dasselbe Programm zu spielen sei hart, „weil man irgendwann nicht mehr weiß, wann man welchen Gag gemacht hat.“ Auch muss für 25 Minuten ein Potpourri her. Sie komme aus Offenbach, eröffnet sie ihr Programm. Somit seien alle im Publikum Teil einer Offenbacher Selbsthilfegruppe. Sie sei im Lauterborn zur Schule gegangen. „Ich weiß, wie es ist, mit der 105 da reinzufahren. Dem Mutterschiff der Asozialen.“ Ihr Programm läuft haarscharf auf einem Grat, ohne ins Zotige abzudriften. Unter der Gürtellinie? Manchmal ja, aber immer mit neutralisierender Selbstironie. Ihr anderes Thema ist ihre Heimat, die Ukraine. Wo vieles mit Essen gelöst werde. So imitiert sie den Akzent ihrer Mutter, wenn sie deren Antwort auf die Frage „Warum hat mich mein Freund betrogen?“ wiedergibt: „Hast du schon gegessen, mein Kind?“ Zudem erklärt sie, dass in der Ukraine die Frauen entweder Model oder Gewichtheberin seien und wie sie ihren Ruhestand als „Techno-Oma“ verbringen will. Nach der Nummer klopft ihr Techniker der Künstlerin auf die Schulter. Ob sie das, wovon sie genüsslich erzählen kann, schon getan habe, fragt er. Nein, gegessen habe sie noch nichts.

Für den Zuschauer machen die wechselnden Örtlichkeiten den Reiz aus. KJK Sandgasse, Hafen 2, Markthaus am Wilhelmsplatz, Meatcut oder Münch’s: Jeder bleibt an einem Ort, fünf Komiker kommen und führen ihr Programm auf. Für Liebkind eine Herausforderung; müsse sie sich doch immer neu aufs Publikum einstellen. Dann geht es für sie weiter, zur Turnhalle des TV Bieber. Nicht ohne vorher den nächsten Künstler anzusagen. David Anschütz heiße der und habe „wunderschöne Dumbo-Ohren“. Auch er bietet seinen eigenen, teils sehr abstrakten und grotesken Blick auf den Alltag und die Welt. Ihm folgt die New Yorkerin Tamika Campbell und zum Abschluss David Kebe. Kurz nach 23 Uhr ist Schluss. Zeit für Wiener-Hof-Chef Reinhard Prekel, die letzten Lachsäcke in die richtige Nacht zu entlassen.

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