Entlarvt über das Telefon

Offenbach (jb) - Der Traum vom schnellen Geld endete für einen 27-jährigen mazedonischen Taxifahrer Ende vergangenen Jahres, nachdem die Polizei ihn und zwei Komplizen in der Offenbacher Innenstadt festgenommen hatte.

Nun verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck den Mann wegen Drogenhandels zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Der Verurteilte hatte sich im Herbst 2011 mit zwei weiteren Mazedoniern von Süddeutschland aus mit dem Auto auf den Weg nach Offenbach gemacht. In der Batterie ihres Mercedes hatten die Männer ein Kilogramm Heroin versteckt. Marktwert: Rund 20 000 Euro. Für 200 Gramm hatten sie bereits einen Abnehmer in der Stadt gefunden. Mit diesem führten die Komplizen des Angeklagten mehrere Telefonate, die die Polizei abhörte.

In einem Café in der Innenstadt übergaben die Gehilfen des Angeklagten die Ware und erhielten dafür 4 000 Euro. Der Taxifahrer wartete währenddessen im Auto und bewachte dort weitere 800 Gramm Heroin. Anschließend übernachteten die drei in einem Hotel in der Innenstadt. Tags darauf wurde dem Angeklagten ein Telefonat mit mazedonischen Rauschgifthändlern zum Verhängnis, die er nach möglichen Kunden für das verbliebene Heroin befragte. Die Polizei ortete das dabei benutzte Handy und überwachte fortan das Hotel. Als die Männer Anstalten machten, sich samt Heroin in die Schweiz abzusetzen, klickten nach Verlassen des Hotels am nächsten Morgen die Handschellen.

Ein Mann wieder auf freiem Fuß

In den Taschen des Angeklagten fand die Polizei 3 925 Euro – den Rest des Geldes aus dem vorangegangenen Deal. Weil einer der drei Männer anhand der Telefonate nicht eindeutig zu erkennen war, musste die Polizei ihn schließlich wieder auf freien Fuß setzen. Seine Tatbeteiligung stellte sich erst durch die Festnahme des Käufers der 200 Gramm Heroin heraus, der den Mann als Verkäufer identifizierte.

Inzwischen war dieser aber über alle Berge und dürfte sich wahrscheinlich in Mazedonien aufhalten, wo er nun seine Festnahme durch internationalen Haftbefehl befürchten muss. Der andere Komplize des Angeklagten gestand und bat um ein mildes Urteil, um Frau und Kinder möglichst bald wieder zu sehen. Gegen ihn verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten.

Die Behauptung des Hauptangeklagten, er sei nur ein Gehilfe gewesen, glaubte das Gericht nicht. Richter Manfred Beck wies den Mann darauf hin, dass er sich in seinem Telefonat selbst als Eigentümer des Heroins bezeichnet habe und er in Besitz der Verkaufssumme gewesen sei. Zudem sei es Privileg des Chefs, bei Drogenübergaben nicht beteiligt sein zu müssen, da das Risiko des Entdecktwerdens hierbei am größten sei. Nach fünf Verhandlungstagen verweigerte das Gericht ihm die erhoffte Bewährungsstrafe.

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