Offenbacher setzen auf Asien

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Die Zeichnung zeigt die Lackfabrik von Christoph Schramm im Jahr 1874.

Offenbach ‐ Peter Brenner kann seinen Stolz nicht verbergen. „Die Schramm Holding AG ist die erste deutsche Firma, die in Hongkong an die Börse gegangen ist“, sagt der Vorstandsvorsitzende unserer Zeitung in Offenbach. Von Marc Kuhn

In Asien ist das Traditionsunternehmen stark engagiert und sieht in der Region auch die größten Wachstumsmöglichkeiten. Ende Dezember wagten die Offenbacher den Sprung aufs Parkett. Mit dem Geld solle das Wachstum beschleunigt werden, erklärt Brenner. Er betont: „Wir stehen zum Standort Deutschland.“ Im September feiert die Firma ihr 200-jähriges Jubiläum. Sie sei wahrscheinlich die älteste noch existierende Lackfabrik in Deutschland, berichtet Günter Waasen, der gemeinsam mit Brenner die Geschäftsleitung der Schramm Coatings GmbH bildet. Sie ist wiederum Teil eines weltumspannenden Firmengeflechts unter dem Dach der Holding. Dazu gehören die Asien-Zentrale in Hongkong, eine Produktionsstätte in Spanien, drei Standorte in China, ein Werk in Thailand, eine Vertriebsgesellschaft in Korea, ein Designstudio in Taiwan sowie Lizenzpartner in Australien, USA und Japan, wie Brenner erläutert.

Peter Brenner

Schramm ist ein Zulieferer von Beschichtungsstoffen für die Automobilindustrie - insbesondere für den Innenraum und bei Anbauteilen. Zudem werden Produkte für die allgemeine Industrie und für Elektrounternehmen hergestellt. Darüber hinaus werden sogenannte Coil-Coating-Lacke für die Bandbeschichtung angeboten. Ob Verkehrsschilder, Aschenbecher oder Rollläden aus Aluminium, die Verbraucher kommen bei zahlreichen Dingen des täglichen Lebens mit Produkten von Schramm in Kontakt, wie Waasen sagt. In Asien werden Computer und Handys mit den Lacken der Firma verziert. In Offenbach produzieren etwa 260 Mitarbeiter elf bis zwölf Tausend Tonnen Lacke im Jahr. In der ganzen Gruppe stehen rund 820 Menschen auf den Gehaltslisten von Schramm. 2007 ist das Unternehmen von der Grebe-Gruppe an die koreanische SSCP Co. Ldt. verkauft worden - „ein langjähriger Partner von uns“, wie Brenner erklärt.

Günter Waasen

Früh hatten er und Waasen die Zeichen der Zeit erkannt. Einst wurden die Unternehmensteile als Joint Ventures geführt. Seit dem Jahr 2000 habe Schramm begonnen, die Mehrheit bei den Firmen zu übernehmen und so das Unternehmensggeflecht aufgebaut, erklärt Brenner. „Gott sei Dank sind wir diesen Weg gegangen“, sagt er. Als Gruppe sei es möglich gewesen, die Wirtschaftskrise zu überstehen. Im vergangenen Jahr sei der Umsatz der Holding sogar auf 133 Millionen Dollar (etwa 100 Millionen Euro) nach mehr als 128 Millionen Dollar 2008 erhöht worden, berichtet Brenner. „Wir wachsen in Asien.“ In Europa habe es im ersten Halbjahr 2009 eine schwierige Phase gegeben. Zeitarbeiter seien am Standort Offenbach nach Hause geschickt worden, erläutert Waasen. Kurzarbeit sei zeitweise eingeführt worden. „Wir haben die Kernmannschaft gehalten.“ In der zweiten Jahreshälfte sei die Wende in Offenbach gelungen, sagt Brenner. Seit November geht es bei Schramm wieder aufwärts. In diesem Jahr erwarten die Manager für ihr Unternehmen in Asien ein Wachstum von bis zu 25 Prozent. In Europa werden die Umsätze nach ihrer Einschätzung dagegen nur um fünf Prozent zulegen. In der Gruppe werde 2010 ein Umsatz von etwa 150 Millionen Dollar angepeilt, berichtet Waasen. „Das ist konservativ gerechnet“, fügt Brenner hinzu. Dennoch zeigen sie sich lediglich vorsichtig optimistisch und verweisen auf die Probleme in Griechenland, Portugal und Italien, die die wirtschaftlichen Entwicklung in Europa bedrohen.

Weiterhin enorme Wachstums chancen für die Lackfabrik sieht Brenner künftig in der asiatischen Automobilindustrie. Alleine der chinesische Markt wachse um 10 bis 15 Prozent im Jahr. „Wir sind mit einer eigenen Infrastruktur vor Ort“, sagt der Vorstandschef. Das beschere Schramm Zeitvorteile.

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