Tausendsassa mit Offenbach-DNA

Offenbacher Sozialarbeiter Wolfgang Malik geht in den Vorruhestand

Dem Boxclub Nordend bleibt Wolfgang Malik (rechts) weiterhin als Präsident erhalten, unterstützt dort auch künftig gemeinsam mit Bernd Hackfort Jugendliche.
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Dem Boxclub Nordend bleibt Wolfgang Malik (rechts) weiterhin als Präsident erhalten, unterstützt dort auch künftig gemeinsam mit Bernd Hackfort Jugendliche.

Der Offenbacher Wolfgang Malik hat viel erreicht. 42 Jahre lang hat er sich um zahlreiche Jugendliche gekümmert.

Offenbach – Wolfgang Malik ist nicht bescheiden. Warum sollte er auch? In den vergangenen Jahrzehnten hat er viel geleistet und erreicht, für Offenbach, für die Offenbacher, für sich selbst. „Da bin ich schon stolz drauf“, sagt er. Kann er auch sein. Nach 42 Jahren, in denen er sich als Sozialarbeiter vor allem für die Jugendlichen in der Stadt engagierte, ist Malik seit dieser Woche offiziell im Vorruhestand. Und blickt zurück auf ein bewegtes Berufsleben.

Ende der 70er-Jahre kam er als Seiteneinsteiger zu seinem Job in der städtischen Jugendarbeit, zunächst als Honorarkraft, später als festangestellter Sozialarbeiter. „Davor war ich erst Fensterputzer, dann Bühnenarbeiter im Offenbacher Theater. Man musste ja von irgendwas leben“, erzählt Malik. Über Kontakte und nach verschiedenen Fortbildungen kam er dann zur städtischen Jugendarbeit. „Da konnte ich mich dann entwickeln.“

Sozialarbeiter Wolfgang Malik hat sich in Offenbach um Generationen junger Leute gekümmert

Nachdem er schon mit dem musikalischen Integrationsprojekt für marokkanische Jugendliche „Gadda Mallal“ große Erfolge feierte und unter anderem auf Europatournee ging, übernahm Malik in den 80ern die Leitung des Jugendzentrums Nordend, das bis zum Ende seiner Berufslaufbahn seine Wirkungsstätte bleiben sollte. Dort begleitete er Generationen von Jugendlichen, in der Regel mit Migrationshintergrund, setzte mit ihnen verschiedene Projekte rund um die Themen Demokratie, Identität und politische Bildung um.

„Das waren meinen Themen“, erzählt er. Er wollte die jungen Leute aufklären, ihnen zur Seite stehen. Wie wichtig das ist, habe die Erfahrung gezeigt, sagt Malik. Das weiß er auch aufgrund seiner eigenen Herkunft.

Offenbache: Malik kommt aus den gleichen Verhältnissen wie seine Schützlinge

Selbst aufgewachsen in einem sozialen Brennpunkt, im Eschig, war ein Werdegang wie seiner nicht selbstverständlich. „Der Eschig war damals sehr verschrien“, sagt Malik. Der Job bei der Stadt war für einen jungen Mann wie ihn die große Chance. Vom Fensterputzer zum Sozialarbeiter, heute sei das erst recht nicht mehr denkbar.

Trotzdem ist Wolfgang Malik der Meinung, dass ihm gerade seine Herkunft bei seiner Arbeit mit Jugendlichen, die aus ähnlichen Verhältnissen kommen wie er, immer geholfen hat. „Ich konnte sie dadurch besser verstehen.“

Wohl auch ein Grund dafür, weshalb das, was Wolfgang Malik in seinem Job als Sozialarbeiter anpackte, oft von Erfolg gekrönt war. Etwa das Boxprojekt, das später zum Boxclub wurde und das er im Jugendzentrum Nordend gemeinsam mit Bernd Hackfort aus der Taufe hob. Eine Idee, mit der die Offenbacher weit über die Stadtgrenzen von sich reden machten.

Jugendliche in Offenbach sind dankbar für Maliks Unterstützung

Die, die er unterstützte, dankten es ihm, auch noch Jahre später, oft mit deutlichen, aber herzlichen Worten. „Danke, Wolfgang, dass du mir damals den Arsch gerettet hast“, das bekäme er immer wieder zu hören, erzählt Malik. Diese Wertschätzung – von den Jugendlichen und von anderer Seite – bedeutet ihm viel. „Ich glaube, ich habe da ein paar Vorbilder hervorgebracht, die zeigen, was trotz schwieriger Voraussetzungen möglich ist.“

Trotzdem ist jetzt Schluss. „Alles hat seine Zeit. Ich bin jetzt 62 Jahre alt, jetzt muss man die Jungen ranlassen.“ Noch zwei Monate unterstützt er zum Übergang auf Honorarbasis seinen Nachfolger im Jugendzentrum, will die Zeit auch nutzen, um sich trotz Corona von allen ordentlich zu verabschieden.

Offenbach: Wolfgang Malik verabschiedet sich aus der Sozialarbeit

Und auch danach wird Wolfgang Malik die Sache mit dem Vorruhestand nicht allzu wörtlich nehmen. Ruhe kann er nicht, will er nicht. Auf der Couch sitzen? „Das ist überhaupt nicht mein Ding“, sagt er. Neben seinem Job hat er darum schon immer diverse andere Aufgaben übernommen: im Personalrat der Stadt, als Mitglied im Expertenrat Bildung und Fachkräfte bei der IHK, als Mitglied der Grünen, als Mitherausgeber des Stadtmagazin „Mut&Liebe Offenbach“.

Wolfgang Malik ist ein Tausendsassa. Er sei eben jemand, der etwas bewegen will, vor allem in Offenbach. „Ich habe die Offenbach-DNA.“ Und er will der Stadt, in der er aufgewachsen ist, die es ihm möglich machte, seinen Weg zu gehen, etwas zurückgeben. Auch weiterhin. Viele seiner Posten bekleidet er darum auch künftig, bleibt dem Boxclub etwa als Präsident erhalten und tritt für die Grünen bei der Kommunalwahl an. (Von Lena Jochum)

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