Wirrwarr um Logos beendet?

Eine neue Markenfamilie

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SOH-Chef Peter Walther und Rathaus-Chef Horst Schneider blättern im Gestaltungshandbuch, an das sich jeder städtische Mitarbeiter, aber auch Designbüros künftig halten müssen. Die Grafik zeigt die neuen Geschäftsfelder der Stadtwerke: Cyanblau für die Dachmarke, Rot für Immobilien, Orange für kommunale Leistungen wie Müllabfuhr, Grün für Mobilität, Grau für Veranstaltungen.

Offenbach - Einst war das Stadtwappen gut genug, um das Handeln der Stadtverwaltung als Marke zu repräsentieren. Von Fabian El Cheikh

1977 wurde es zur Tausendjahrfeier der Stadt durch das bis heute genutzte Kennzeichen-Kürzel „OF“ ersetzt, bevor dieses in seiner Fortentwicklung die cyanblaue Farbe weitgehend verlor und ab 1982 um den Schriftzug „Stadt Offenbach am Main“ ergänzt wurde. Die neuen technischen Möglichkeiten seit den 90er Jahren und das Herausbilden eines Markenbewusstseins in der öffentlichen Kommunikation verführten schließlich Amtsleiter und Mitarbeiter von Stadt und Stadtwerke-Holding (SOH) dazu, selbst Logos, Bildchen, Faltblätter und Broschüren zu entwerfen oder teure Agenturen mit dieser Aufgabe zu betrauen.

Das Ergebnis ist ein nicht mehr überschaubarer Wirrwarr aus 19 Logos allein für die städtischen Gesellschaften. Nicht selten verschwindet das „OF“ hinter einer gestalterischen Vielfalt, der es an Übersichtlichkeit und Ästhetik mangelt. Die Erkenntnis, die auch Marktforschung und Kundenumfragen ergaben: „Kaum jemand vermag noch zu erkennen, woran die Stadt beteiligt ist und was sie alles für ihre Bürger tut.“

Es ist Zeit für etwas Neues

Was Matthias Müller vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit gestern rückblickend im Rathaus formuliert, war Anlass dafür, die gestalterische Kakophonie ein für allemal zu beenden. „Es ist Zeit für etwas Neues, das strukturiert, vereinheitlicht und verbindet und das Image der Stadt hervorhebt.“ Offenbach verfüge über leistungsfähige Ämter und Gesellschaften, und nur wenn diese Stärke für alle sichtbar werde, könne sie zu einem Imagefaktor werden, ergänzt SOH-Geschäftsführer Peter Walther.

Städtische Angestellte leeren die Mülltonnen, erteilen Baugenehmigungen, steuern Busse, unterrichten an der Volkshochschule, erschließen Grundstücke, zeigen Schätze in den Museen, betreuen den Nachwuchs in Kitas oder organisieren Veranstaltungen im Capitol. „Die Menschen müssen sehen, welche Bandbreite die Stadt den Bürgern zur Verfügung stellt“, sagt Müller.

Markenarchitektur nennen er und seine Kollegin von der SOH, Regina Preis, was mit Hilfe der Offenbacher Grafikerin Agnes Stockmann entwickelt wurde – durchdekliniert von der Stadtverwaltung bis in die letzte städtische Gesellschaft unter dem Dach der Holding. „Ein Meilenstein“, kommentiert Oberbürgermeister Horst Schneider. „Wir schaffen so ein gemeinsames Zugehörigkeitsgefühl bei den Beschäftigten und zeigen dem Kunden die Breite unseres Angebots.“ Das Leitmotto dahinter: „Wo Offenbach drin ist, steht auch Offenbach drauf.“

Künftig also firmieren, wie in der Grafik links zu sehen, alle Töchter und Enkel der Stadt unter der gemeinsamen Dachmarke „Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe“ im Offenbacher Cyanblau. Untergliedert wird einheitlich in nur noch vier farbige Geschäftsfelder, die sogenannten Kompetenzmarken Immobilien (dazu gehören zum Beispiel OPG, GBO, Mainviertel und GBM), Stadtservice (ESO Stadtservice und Eigenbetrieb), Mobilität (OVB, Mainmobil und NiO) sowie Veranstaltungen (Stadthalle, SBB und E.C.O.).

Stadtwerke überall als Oberbegriff

Weil die Stadtwerke jedem ein Begriff sind, soll dieser auch überall als Oberbegriff der neuen Markenfamilie auftauchen. Verzichtet wird dagegen nach außen hin auf die eher Distanz schaffende Bezeichnung Holding. Die bisherigen Logos sollen nach und nach von Briefköpfen, Visitenkarten und Publikationen verschwinden. Die Firmierung der Gesellschaften bleibt jedoch erhalten, daran ändert sich nichts. Ebenso wenig bei den Logos von Produkt- und Projektnamen, deren Markenbekanntheit ausgeprägt ist, etwa „An den Eichen“, „Hafen Offenbach“, „Capitol“ und „Sparda-Bank-Hessen-Stadion“. Sie treten mit eigenem Logo, aber immer mit Hinweis auf das Geschäftsfeld auf.

Auch für alle Ämter der Stadtverwaltung gelten fortan einheitliche Vorgaben, die Agnes Stockmann in einem verbindlichen Gestaltungshandbuch festgehalten hat. Erkennbar ist dies an einem cyanblauen Streifen am linken Rand einer jeden Publikation. Das OF-Logo wird dezent modernisiert, der Zusatz „Stadt“ entfällt. Es verbleiben jedoch nach wie vor Gestaltungsfreiräume für Akzente, die das jeweilige Thema setzt. Erstmals für alle sichtbar werden dürfte dies bei der Einführung der Biotonne im kommenden Jahr, die von einer Informationskampagne begleitet wird.

Wohnungsbrand in der Ottersfuhrstraße

Wohnungsbrand in der Ottersfuhrstraße 

Gespannt sein dürfen die Offenbacher auch auf den komplett neuen Internetauftritt der Stadt, mit dem ebenfalls nächstes Jahr zu rechnen ist. Er soll nicht nur optisch mehr Orientierung geben, sondern auch bei der konkreten Beantwortung einer Frage, die der Bürger üblicherweise beim Aufruf der Online-Seiten hat.

Bleibt der finanzielle Faktor: Die Stadt beziffert ihre Kosten für die Umstellung auf derzeit etwa 25.000 Euro, die SOH rechnet mit zusätzlich 40.000 Euro. Amortisieren sollen sich die Gelder innerhalb kürzester Zeit, weil in den Ämtern nicht mehr für jedes Werk externe Designbüros beauftragt würden. „Genau lassen sich die Einsparungen allerdings nicht beziffern.“ So wie sich der Imagegewinn kaum in Zahlen ausdrücken lässt.

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