Jobs in der Patchworkfamilie

Stadtwerke umwerben Bewerber mit Charmeoffensive

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Ein Lächeln, das Bewerber umgarnt: Wie Onlineredakteurin Katharina Skalli personifizieren 20 Mitarbeiter als Botschafter das gute Arbeitsklima bei den Stadtwerken.

Offenbach - Die Zeiten, da sich Firmen selbstsicher zurücklehnen und eine ausreichende Zahl von qualifizierten Kandidaten für offene Stellen erwarten konnten, sind offenbar vorbei. Von Thomas Kirstein 

Die Offenbacher Stadtwerke haben das erkannt und starten eine Offensive, um sich als charmanter Arbeitgeber möglichst interessant für potentielle Mitarbeiter zu machen. Der Offenbacher Stadtkonzern umwirbt Bewerber. Die 15 Unternehmen der Gruppe hat es sich 40.000 Euro kosten lassen, sich mit einem ganz neuen Auftritt auf verschiedenen Plattformen als fürsorglichen Anbieter attraktiver Jobs zu präsentieren. Man will sich sich als „Arbeitgebermarke“ positionieren, hat mit Unterstützung von Trendforscher und Agenturen ein „Personalmarketingkonzept“ entwickelt. „Das ist kein Schnickschnack“, hält die für die Unternehmenskommunikation verantwortliche Prokuristin Regina Preis vorbeugend möglicher Skepsis entgegen. Offene Stellen sind keine Selbstläufer mehr, weiß auch Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther, der „gute Mitarbeiter braucht, um einen guten Job für die Stadt Offenbach zu erledigen“. Zunehmend sei es so, dass sich Mitarbeiter ihren Arbeitgeber aussuchen könnten.

„War of talents“ heißt das modische Stichwort: Krieg um die Begabungen. Den führen Offenbachs Stadtwerke mit sanften Mitteln. Die Gruppe, die bei der Ausschreibung von Positionen künftig an vorderster Front agiert und ihre diversen Töchter erst nachrangig ins Spiel bringt, inszeniert sich im Internet und entsprechend in Anzeigen unmissverständlich als Wohlfühlinstitution. „Wir sind wie eine Patchworkfamilie“ lautet etwa einer der zahlreichen Eckpunkte der „Arbeitgebermarke“ Stadtwerke. Einer von deren mehr als 900 Leuten zu sein, heißt auch, Job, Freizeit und Familie vereinbaren zu können, lautet eine der zahlreichen Botschaften. Wie schön das Arbeitsleben als Stadtwerkler ist, dafür stehen auch die einen Offenbacher Querschnitt präsentierenden Mitarbeiter in Wort und Bild ein.

Die vielfältigen Aufgaben im Konzern werden zwecks „Bewerberansprache“ zu Gesichtern; auf der Internetseite, auf Plakaten im Stadtbild oder auf gedruckten Anzeigen bezaubern die „Informationsquelle“ (Internetredakteurin), der „Teamplayer“ (Kaufmannsauszubildender), die „Mobilmacherin“ (Busfahrerin), der „Entsorgungsspezialist“ (Müllmann) oder die „Spielführerin“ (Eventmanagerin). Ihr Lächeln soll verbreiten, was die Offenbacher Stadtwerke so attraktiv als Arbeitgeber macht – angesichts der im Rhein-Main-Gebiet herrschenden Konkurrenz um die besten Köpfe und Hände wichtige Kriterien: Teamgeist, flache Hierarchie, Verwurzelung in der Region. Es ist auch ein Versprechen auf vielfältige Arbeitgeberleistungen, beispielsweise betriebliche Altersvorsorge oder die Finanzierung von sportlicher Gesundheitsvorsorge.

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Gesucht sind, so Chef Walther, sich möglichst auf lange Zeit bindende Mitarbeiter, keine Jobhopper, sondern welche, „die sich mit Offenbach identifizieren und der Bevölkerung als Helfer, Macher oder Problemlöser zur Seite stehen wollen“. Spitzengehälter gibt’s nicht, macht er klar, aber man zahle recht ordentlich. Die steile Karriere stehe momentan ohnehin nicht mehr ganz oben auf der Lebensziel-Liste. Soll wohl heißen: Bei den Offenbacher Dienstleistern voranzukommen, wird auch über die Währungen Selbstverwirklichung und Gemeinschaftsgefühl entlohnt. Eine Firmengruppe bietet zudem Auffangmöglichkeiten. So weiß die städtische Frauenbeauftragte Karin Dörr vom einstigen Busfahrer, der aus gesundheitlichen Gründen das Steuer meiden muss und jetzt bei der GBM sein Auskommen als Hausmeister hat.

Weitere Infos: www.soh-of.de/jobs-und-perspektiven/

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