Kämpfer für die Rettung der Meere

Offenbacher Tierschützer Gerhard Wegner wird Heiligabend 70

Mit Großfotos bereicherte Gerhard Wegner im Rumpenheimer Schlosspark die Kunsttage.
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Mit Großfotos bereicherte Gerhard Wegner im Rumpenheimer Schlosspark die Kunsttage.

Die Botschaften des „Clube of Rome“ aus den 1950er Jahren zur Erhaltung des ökologischen Gleichgewicht verhallten Jahrzehnte ungehört, auch in der Politik. Jetzt, quasi eine Minute vor 12, versucht man weltweit umzusteuern. Seit 20 Jahren versuchte dagegen ein in der Szene weltweit bekannter Tier- und Meeresschützer mit Aktionen, Organisationen und Büchern gegenzusteuern: der Offenbacher Werbefachmann, Fotograf und Umweltaktivist Gerhard Wegner. Am heutigen 24. Dezember wird der kraftvolle, sensible Mann aus Rumpenheim 70 Jahre alt.

Offenbach - Sein Alter sieht man ihm nicht an, obwohl er im Dauereinsatz für seine Projekte ist. Wegner berichtet: „Alles habe ich mit Leidenschaft und Spaß gemacht, auch meine 4000 Tauchgänge, davon 1500 zu Haien. Für diese Tiere, die keine Monster sind, empfinde ich großen Respekt. Wenn wir zulassen, dass weiter pro Jahr an die 200 Millionen Haie getötet werden, zerstören wir das Ökosystem der Meere.“

Wegner, in großer Tradition von Meeresforschern wie Hans und Lotte Hass oder Tierrettern wie Waldemar Grzimek stehend, zählt auch den Schauspieler und Öko-Aktivisten Hannes Jaenicke zu seinen Freunden. Zu einem Wegner-Vortrag kam sogar das Ehepaar Hass ins mit 500 Zuhörern besetzte Naturkunde-Museum Wien. In Offenbach hat Wegner 2002 das „Sharkproject“ ins Leben gerufen, einer der größten Organisation zur Rettung der Haie. „Vor allem das wahllose, brutale Finning, das Abschneiden der Haiflossen bei gleichzeitiger Entsorgung des verstümmelten Haikörpers im Meer, muss aufhören“, fordert Wegner, „im Gegensatz zur traditionellen Haijagd von Meeresvölkern betreibt die Haiflossen-Mafia damit schwunghaften Handel für Suppen und Haisteaks, vor allem mit Asien. Diese Machenschaften habe ich jetzt in meinem Roman "Blaues Gold" verarbeitet, der im Frühjahr auf den Markt kommen wird – als Thriller.“

Wegner gilt als einer der besten Hai-Experten weltweit. Der Rumpenheimer aus Frankenthal, der via Werbefachschule Frankfurt 1974 nach Offenbach kam und seitdem hier mit seiner Familie lebt, ist darüber fast erstaunt: „Ich leitete eine sehr gut gehende Verkaufsförderungsagentur und war erfolgreich – bis ich mit Ende 40 in eine Midlife-Crisis geriet. Ich hinterfragte den Sinn meiner Arbeit und suchte nach Sinnvollerem. Als Taucher war ich für Meeresangelegenheiten sensibilisiert.“ Dann zeigt er einen Bierdeckel aus der Karibik, auf dem er spontan Ideen zur Hairettung aufzeichnete: „Damit fing alles an. Nach der Gründung meiner Haischutzvereinigung mit 8 anderen in Offenbach war ich bis 2017 auch Vorsitzender. Inzwischen hat Sharkproject große Dynamik bekommen und sich ausgebreitet. Jetzt leiten junge Leute die Organisation.“

Für seine Verdienste um Weltmeere und Tierschutz hat Wegner viele Preise bekommen, die in seinem Wohnzimmer einen guten Platz haben. Der wichtigste war der „Taucher-Award“ 2016 fürs Lebenswerk. Der Originellste. Von der ägyptischen Regierung wurde er zum Ritter geschlagen und erhielt ein Schwert als „Verteidiger des Roten Meeres“.

Wegner dazu: „Lebenswerk – das ist zu früh, ich lege die Hände keineswegs in den Schoss. Die Serie meiner 18 Sach- und Kinderbücher bzw. Romane setze ich fort. Dazu halte ich nach wie vor Vorträge, gerne vor Kindern und Schulklassen. Um Meeresschutz zu finanzieren, betreibe ich einen Verlag und den gemeinnützigen Buchvertrieb "Ocean Heroes". Für ein besseres Image der Haie zu bewerben, ist nach wie vor meine Leidenschaft. Haie sorgen als Spitze der Nahrungskette für den nötigen Ausgleich im Ozean, halten die Balance. Aber die Medien verbreiten immer wieder Horrorgeschichten. Eigentlich sind Haie auch scheue Tiere.“ Wegners Engagement geht weit über die „Hailights“ hinaus, die er im gleichnamigen Buch fotografisch und textlich vorstellt. Zum Klimakongress Glasgow sagt er: „Sind die sich dort klar gewesen, was draußen wirklich passiert? Wenn wir es schaffen, 15 Prozent der Weltmeere zu Reservaten zu machen – ohne Schifffahrt oder Bodenschatzausbeutung – können wir vieles retten. Schädliche Fischereisubventionen sind ebenso zu stoppen wie der Fang gefährdeter Haiarten, Wal- und Delfinjagd müssen aufhören, der Export von Plastikmüll ist zu verbieten - solche Forderung gehen an die EU-Kommission. Bisher sind nur 1,5 Prozent der Meere geschützt. Beim Umkippen der Ozeane verlieren wir 70 Prozent des Sauerstoffs der Erde, der im Meerwasser gebunden ist. Wollen wir ersticken?“

Wegner versteht, seine Mitmenschen aufzurütteln. Im Sommer erregte er im Rumpenheimer Schlosspark zu den Kunsttagen Aufsehen mit seinen Großfotos afrikanischer Tiere – Afrika ist eine große Liebe Wegners. Dabei fügte er lebensgroßen Ansichten mit Geschick in Büsche, Sträucher und Baumkulissen ein, um naturgemäßen Anblick zu erzeugen. Dabei erzielte er an einem Stand mit Büchern zu Tier- und Umweltschutz einen Erlös von einigen hundert Euro zur Rettung der Bäume im Rumpenheimer Park, der auch wertvolles Vogelschutzrevier ist.

Von Reinhold Gries

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