Renée Abe komponiert Musik für „Johnnie Walker - Dear Brother“

Offenbacher Töne Teil eines Internet-Erfolgs

Offenbach - Die raue Natur der schottischen Insel Skye. Zwei rotschopfige Brüder, einer trägt ein Stoffpaket unterm Arm, stolpern durch klaffende Steine. Graue Bäume, Meeresluft. Der Clip zeigt die erwachsenen Geschwister auf der Suche nach Orten ihrer Jugend. Von Sarah Neder 

Der gebürtige Offenbacher Renée Abe hat die Musik zum Youtube-Erfolg „Dear Brother“ geschrieben.

Das Ziel ist eine Steilklippe. Der eine Bruder öffnet das Paket und lässt Asche aus einer Urne fliegen. Die des anderen Bruders. Auf den Rückweg macht er sich allein. Das emotionale Video namens „Dear Brother“, das für eine bekannte Whiskymarke wirbt, wurde über Nacht zum Internet-Erfolg. Nach zwei Tagen hatte es mehr als zwei Millionen Zugriffe. Inzwischen wurde es schon mehr als 3,5 Millionen Mal angesehen. Und das, obwohl es nicht aus einer großen Werbeagentur stammt. Für den Hit sind die Studenten Daniel Titz und Dorian Lebherz von der Filmakademie in Ludwigsburg verantwortlich. Die Musik zur Geschichte komponierte aber ein Offenbacher: Renée Abe hat sogar einen Teil der Instrumente eigenhändig gespielt.

Im Hintergrund lässt ein leicht verstimmtes Klavier Melancholie in die karge Landschaft tropfen. Dann Celloklänge. Ein zweites Klavier klöppelt direkt auf die Tränendrüsen. Von ihren tiefen Gefühlen beim Angucken des Films berichten Hunderte Nutzer in ihren Kommentaren auf Facebook und Youtube. Sie seien zu Tränen gerührt. Hätten Gänsehaut, steht da. „Das Video hat viele Leute berührt“, spricht Renée Abe aus der Erfahrung der vergangenen Wochen. Freunde, aber auch Fremde haben ihn angeschrieben, internationale Zeitungen und Magazine über ihn und seine Kommilitonen berichtet.

Abe ist 25 Jahre alt und studiert seit drei Jahren an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Nach dem Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in einem kleinen Studio in Frankfurt. „Das war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Abe. Denn die Ausbildung öffnet ihm so manche Tür: Er schreibt die Musik für zwei Kinofilme. Danach bewirbt sich der frühere Leistungssportler im Rudern bei der Filmakademie, die nicht nur in Deutschland einen sehr guten Ruf hat. Nur eine handvoll Studenten wird angenommen. Abe ist dabei. Der virale Werbespot „Dear Brother“ ist ein Teil seiner Abschlussarbeit für das im Frühjahr anstehende Diplom. Danach hofft er auf eine Festanstellung als Komponist. Wenn das nicht klappt, will sich der Offenbacher selbstständig machen, eigene Projekte umsetzen, kreativ bleiben. Das Video-Projekt sei schon mal eine Hilfe für die Zukunft, meint Abe. „Es ist eine tolle Werbung für uns.“

Rubriklistenbild: © Screenshot op-online.de

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