Lokale Wirtschaft

Beliebter Traditionsbetrieb macht nach mehr als 60 Jahren dicht

Wechsel zum Jahresbeginn: Ursula und Peter Nerlich (samt Riesenschnauzer Chilli) verabschieden sich, Vladimir Koristka (rechts) vom Mühlheimer Getränke-Paradies Ulitzsch übernimmt die Mitarbeiter und den Vertrieb.
+
Wechsel zum Jahresbeginn: Ursula und Peter Nerlich (samt Riesenschnauzer Chilli) verabschieden sich, Vladimir Koristka (rechts) vom Mühlheimer Getränke-Paradies Ulitzsch übernimmt die Mitarbeiter und den Vertrieb.

Der Getränkehandel Zilch ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in Offenbach. Zum Jahresende ist aber Schluss. Für die Mitarbeiter gibt es jedoch eine gute Nachricht.

Offenbach - Der Name Zilch ist in Offenbach eine feste Größe. Wenn es um Getränke, etwa den Bieberer Apfelwein, geht, fällt meist der Name des Getränkehandels und der ehemaligen Kelterei. Doch zum Jahresende geben Ursula und Peter Nerlich, die seit über 30 Jahren den Getränkehandel Zilch führen, das Geschäft auf.

Die gute Nachricht: Entlassen wird keiner der Angestellten, denn Vladimir Koristka vom bekannten Mühlheimer Getränke-Paradies Ulitzsch übernimmt diese. „Außerdem wird das Getränke-Paradies den Lieferservice fortführen – auf dem Trockenen muss keiner unserer Kunden sitzen“, sagt Peter Nerlich und lacht.

Offenbach: Mitarbeiter bleiben beim Getränkehandel Zilch

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Nerlichs ihre Bürgeler Filiale geschlossen, nun wird auch der Betrieb auf dem Gelände an der Germaniastraße eingestellt. „Wir sind über die ganzen Jahre ein Familienbetrieb gewesen, daher war es uns wichtig, dass ein Familienbetrieb unsere Mitarbeiter übernimmt und das Geschäft in unserem Sinne führt“, sagt Peter Nerlich. In Vladimir Koristka vom Mühlheimer Getränke-Paradies – dessen „Schoppe-mogul Lothar“ schon vom Kult-Duo Ohrenschmaus besungen wurde – fand sich ein Gleichgesinnter.

„Unser Mitarbeiterstamm wächst damit auf 30 Personen“, sagt Koristka, „die Offenbacher Kunden werden weiter von den ihnen bekannten Fahrern bedient – nur eben unter anderem Namen. Dafür mit einer erneuerten, umweltfreundlichen Fahrzeugflotte.“ Auch was die vertrauten Marken betrifft, bräuchten sich die langjährigen Kunden nicht umzustellen. „Bieberer Apfelwein und Apfelsaft wird weiter hergestellt und ab Januar über das Getränke-Paradies vertrieben“, sagt Ursula Nerlich, ebenfalls blieben die beliebten Prinz-Produkte im Verkauf. „Wir haben dann über 4000 Produkte im Sortiment, da wird bestimmt jeder fündig“, sagt Koristka.

Getränkehandel Zilch in Offenbach: Kunden bedanken sich

Sowohl bei ihm in Mühlheim wie bei den Nerlichs will das Telefon nicht still stehen, viele langjährige Kunden rufen an und fragen nach, wie es weitergeht. „Es gibt etliche, die sich bei uns bedanken und uns für die Zukunft alles Gute wünschen.“ Alles habe eben seine Zeit, betont Ursula Nerlich: „Mein Vater hat um 1958 in der Oberhofstraße mit der Kelterei angefangen, später hatten wir ein Geschäft in der Arthur-Zitscher-Straße, seit 1987 sind wir in der Germaniastraße – aber nun ist Schluss.“

In den gut sechs Jahrzehnten hätten sich die Wünsche der Kunden teils gewaltig geändert. „Apfelwein geht natürlich immer, aber in den vergangenen Jahren sind Mischgetränke äußerst populär geworden“, sagt Peter Nerlich. Koristka kann das bestätigen: „Ohne diese kommt kein Markt mehr aus – während früher die Leute etwa ihr Radler daheim selbst gemixt haben, möchten sie heute schon fertig gemischte Getränke kaufen.“ Gern erinnern die Nerlichs sich an die großen Feste, vor allem in Bieber zurück – denn die waren ohne Erfrischendes von Zilch kaum denkbar.

Getränkehandel Zilch in Offenbach: „Wollen noch etwas vom Leben haben“

Mit der Corona-Pandemie oder der Wirtschaftslage habe die Entscheidung zur Schließung jedoch nichts zu tun, betont das Paar. „Wir sind beide gesund, aber wir betreiben das Geschäft seit 30 Jahren und wollen in Gesundheit noch etwas vom Leben haben“, sagt Peter Nerlich.“ Vor allem, sagt Ursula Nerlich, wollten beide nach über eineinhalb Jahrzehnten wieder einmal gemeinsam Urlaube verbringen. „Außer mal ein Wochenende war nichts möglich – es musste immer einer da sein, um das Geschäft zu führen.“

Urlaube im Allgäu und in Griechenland sind fest geplant, außerdem haben sie sich Elektro-Fahrräder gekauft und wollen künftig mit ihrem Hund Chilli viele Ausflüge unternehmen. Nebenbei wird Peter Nerlich in den ersten Monaten noch beim Getränke-Paradies am Telefon aushelfen. „Ganz weg bin ich für die Stammkunden also nicht.“ (Von Frank Sommer)

Für ein bekanntes Modehaus in Offenbach gab es in diesem Jahr einen neuen Anstrich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare