Auf 4000 Quadratmetern wird Seife veredelt

Traditionsfirma Kappus hat neuen Sitz im Industriegebiet

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Chefin Patricia Kappus-Becker präsentiert Seifen in Tierform. Das Offenbacher Traditionsunternehmen ist mittlerweile komplett ins Gewerbegebiet Waldhof umgezogen.

Offenbach - Seit Mai sitzt das Offenbacher Traditionsunternehmen Kappus komplett in Waldhof: In den ehemaligen Dachser-Räumen werden nun Seifen hergestellt statt Maschinen gelagert. Patricia Kappus-Becker, die in fünfter Generation an der Spitze der M. Kappus GmbH & Co. KG steht, berichtet über Anlaufschwierigkeiten und Vorteile des neuen Standorts. Von Achim Lederle

Vor der Tür begrüßt den Besucher ein Schild „Klingel kaputt – bitte in der Verwaltung im ersten Stock melden“. Die Eingangshalle wirkt verwaist, ein kleiner Raum, der früher wohl als Empfang diente, ist leer. Die Halle bis auf Metallschränke in der Ecke ebenfalls. Eine große Freitreppe führt nach oben, dann wird es lebendiger, Bilder hängen an den Wänden, oben stapeln sich die Umzugskartons. Es duftet nach Seife.
„Entschuldigen Sie, aber es ist alles noch etwas improvisiert“, begrüßt mich Patricia Kappus-Becker. Die Firmenchefin sitzt gegenüber einem Mitarbeiter in einem Großraumbüro mit Blick auf den Eingang und das Industriegebiet Bieber-Waldhof. „An den neuen Ausblick musste ich mich erst gewöhnen nach all den langen Jahren an der Luisenstraße“, sagt Kappus-Becker und lacht.

Das Grundstück Carl-Legien-Straße 22 wurde im Januar 2016 gekauft, im Januar dieses Jahres kamen die ersten Maschinen und Mitarbeiter. Mitte Mai war die komplette Verwaltung umgezogen, und langsam kehrt wieder Normalität bei Kappus ein. „Der Umzug war für alle eine immense Mehrbelastung“, erzählt die Unternehmerin. „Wir wollten schließlich den Produktionsfluss nicht unterbrechen. Es war es eine logistische Herausforderung, trotz Umzugs die gleichen Seifen-Stückzahlen herzustellen.“

10.000 Quadratmeter groß sind die neuen Räume, die bis 2015 vom Logistiker Dachser bezogen waren. 4000 Quadratmeter nutzt Kappus als Produktions- und Lagerfläche. „Der neue Standort hat viele Vorteile, hat uns aber auch viel Geld gekostet“, so Kappus-Becker.

Sie nennt vor allem Brandschutzvorschriften, die ihr einige schlaflose Nächte bereitet hätten. „Insgesamt mussten wir einen hohen sechsstelligen Betrag investieren, um die Brandschutzbestimmungen für einen Produktionsbetrieb in einer ehemaligen Lagerhalle zu erfüllen“, sagt sie. Inzwischen würden die Vorzüge der neuen Räume immer offensichtlicher: „Wir können auf einer Ebene produzieren und brauchen keine Silos mehr für die Grundseife.“

Bereits 2004 hat Kappus die eigene Verseifung geschlossen und veredelt nur noch Grundseife, vor allem für Industriekunden, aber auch für Eigenmarken. Auf Rollenbahnen und Walzen können verschiedene Grundseifen gleichzeitig verarbeitet werden. „Auch die Erreichbarkeit für Lkw und die Parkmöglichkeiten haben sich im Vergleich zu unseren verwinkelten Produktionsräumen an der Luisenstraße entscheidend verbessert“, unterstreicht Kappus-Becker.

Anfang 2016 sorgten die Pläne von Kappus, den seit fast 170 Jahren in der Innenstadt produzierenden Seifenbetrieb umzusiedeln, für großes Aufsehen in Offenbach. Das Angebot des Immobilieninvestors Kondor Wessels aus den Niederlanden für das Areal war attraktiv, und so willigte schweren Herzens auch Seniorchef Wolfgang Kappus ein, einen Neuanfang im Industriegebiet zu wagen.

An der Luisenstraße sollen bis 2020 die „Kappus-Höfe“ entstehen, ein neues Stadtviertel mit 310 Wohnungen. Zwölf Häuser, die sich um drei begrünte Innenhöfe gruppieren, werden vom renommierten Büro Hilmer & Sattler und Albrecht (München/Berlin) überplant. Auf 25 400 Quadratmetern Wohnfläche sollen schließlich 700 bis 800 Menschen ein neues Zuhause finden.

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„Wichtig war uns ein vernünftiger Übergang. Mit diesem Wohnprojekt bleibt der Name Kappus in der Innenstadt lebendig, und in Waldhof nutzen wir unsere neuen Möglichkeiten“, sagt Patricia Kappus-Becker.

Wichtig sei dem Unternehmen auch gewesen, in Offenbach zu bleiben: „Wir fühlen uns mit der Stadt verbunden und hatten bei unseren Plänen immer die Rückendeckung von Verwaltung und Wirtschaftsförderung.“

Der größte Festseifen-Produzent in Westeuropa will in Waldhof den Betrieb nicht wesentlich ausweiten, auch die Mitarbeiterzahl von etwa 65 soll unverändert bleiben: „Wir beziehen weiter von unseren drei Produktionsstandorten im sächsischen Riesa, in Krefeld und im baden-württembergischen Heitersheim die Grundseife und verarbeiten sie zum Beispiel zu den beliebten Naturseifen mit Lavendel- oder Bergamotte-Aroma.“ Ein weiterer Verkaufsschlager sei die Pink Rose, eine Luxusseife in Rosenform.

Kappus fertigt vor allem Seifen für Industriekunden, die in Drogerien, Apotheken und im Lebensmittelhandel unter anderem Namen auftauchen. „Der Endkunde ist uns am wichtigsten“, betont Kappus-Becker.

Kunden können die Eigenmarken ausschließlich im Online-Shop unter www.kappus-seife.de ordern. Einen Laden wird es in Waldhof nicht mehr geben. „Der Shop wurde uns aus Brandschutzgründen untersagt“, bemerkt Kappus-Becker mit einem Achselzucken. Allenfalls einen gelegentlichen Verkaufscontainer kann sie sich in Zukunft vorstellen. „Dies ist ein Nachteil des neuen Standorts, aber die Vorteile überwiegen.“ Und wenn dann noch die Klingel funktioniert, ist alles gut.

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