Offenbacher Trio beim Rallye-Abenteuer Allgäu-Orient

4000 Kilometer und ein Kamel

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Offenbacher aus Leidenschaft: Kristof und Balint Felsö sowie Klaus Deluse hielten auf dem Weg zur türkischen Grenze in einer bulgarischen Kleinstadt. Beim Tanken kam der „nette Herr“ (Zweiter von rechts) zu dem Trio und erzählte in gutem Deutsch, dass er in Offenbach geboren ist. Prompt haben sie ihn mit einem Aufkleber „Offenbacher sind überall“ und einer Dose Apfelwein ausgestattet.

Offenbach - Auch das ist eine Seite der kleinen Großstadt: Offenbacher sind überall! Alexander Geyer, Lukasz Krotkiewicz und Robert Wiech haben das vor gut einem Jahr zum vorzeigbaren Motto auf T-Shirts und Stickern erhoben. Von Martin Kuhn 

Mindestens drei Offenbacher tragen aktuell die Idee weiter – im Gepäck bis nach Jordanien. Eigentlich müsste man die Namen mal aufgeschnappt haben: „Rallye Monte Carlo“, „Paris-Dakar“; ultimative Herausforderungen für Mensch und Motor. Denkt jeder. Aber die haben sicher – wie zugegebenermaßen der Autor dieser Zeilen – noch nichts von der „Allgäu-Orient-Rallye“ gehört. Dabei sind nur Fahrzeuge zugelassen, die mindestens 20 Jahre alt und straßentauglich sind. Jüngere Fahrzeuge dürfen nur mit, wenn sie weniger als 1111,11 Euro wert sind.

Diesem Abenteuer stellen sich Kristof und Balint Felsö mit Klaus Deluse als „The O-Team“. Kristof Felsö ist Kapitän und Motor des Ganzen. Über ein „Bulli-Forum“ ist er auf das letzte automobile Abenteuer gestoßen und war sofort begeistert. Durch seine Schrauberleidenschaft und die Freude an alten Autos ist für den 30-Jährigen in diesem Projekt der Weg das Ziel.

Sogenannte Youngtimer und das Schrauben daran liegen Klaus Deluse. Der Heusenstammer hatte stets den Traum, an einer Rallye teilzunehmen, da kam ihm die „Allgäu-Orient“ gerade recht. Er war sofort begeistert. Als erfahrener Mechaniker ist er für die Fahrzeuge des Teams verantwortlich.

Mit im Gepäck: Kickers-Trikot und -Schal

Als einziger Offenbacher, der im Münchner Exil lebt, ist Balint Felsö für administrative Tätigkeiten im Hintergrund und „Mann fürs Marketing“ zuständig. Spaß am Autofahren und die Gelegenheit in vielen verschiedenen Ländern die Nationalspeisen auszuprobieren waren für ihn genug Gründe genug, um im Allgäu zu starten.

Mit im Gepäck: Kickers-Trikot und -Schal, 100 „Offenbacher sind überall“-Aufkleber. „Inzwischen sind 80 weg – verteilt an Grenzübergängen, Rallye-Autos, Fähre“, sagt Balint Felsö.

Die Kontaktaufnahme mit dem Offenbacher Trio erweist sich indes als schwierig; die E-Mail bleibt unbeantwortet. Der Kontakt läuft kostenlos über WhatsApp, falls Empfang möglich ist. Auf ihrer Internetseite datiert der aktuellste Eintrag vom 15. Mai. Ihnen wird doch auf dem Weg vom Allgäu in den Nahen Osten nichts passiert sein? „Nein, die sind auf der Fähre“, sagen Freunde – gemeint ist zu diesem Zeitpunkt die Querung des östlichen Mittelmeers von Mersin nach Haifa. Ansonsten haben sie wohl mehr mit sich, der Rallye und ihren Autos zu kämpfen als elektronische Korrespondenz zu erledigen. Und zu Hause heißt es nur: „Das alles ist nichts für Mutters Nerven.“

Das O-Team setzt bei der Rallye selbstverständlich auf einen Bulli, einen VW-Bus T4. „Die Verhandlungen mit dem türkischen Autohändler waren zäh. Aber am Ende bekamen wir das Auto zu einem passenden Preis“, schreiben sie auf ihrer Seite. Und das waren besagte 1111 Euro. Das zweite Auto ist ein Mercedes-Benz der Baureihe 124; Markenzeichen neben einem Tachostand von 230 000 Kilometer: „Schluckt wie Wikinger!“

Vielleicht das einzige Manko am Trip, „der für vieles entschädigt“: Den finalen OFC-Aufstiegskrimi erlebt man am morgigen Sonntag nicht live im Stadion. Balint Felsö lässt aber alle Fans wissen: „Hauptsache, sie drehen noch das Spiel! Wenn das klappt, reicht es mir auch, nur das Ergebnis mitzukriegen.“ Das Hinspiel haben sie im Flughafen von Amman am Laptop gesehen – so viel Zeit muss sein...

Die Rallye selbst wird übrigens von einem gemeinnützigen Verein jährlich ausgetragen. Erklärtes Ziel des Allgäu-Orient e. V. ist dabei die Förderung sozialer Projekte aus den Erträgen der am Ende versteigerten Fahrzeuge der Teilnehmer. Mal sehen, was die drei Offenbacher noch erlösen. Ebenso verhält es sich mit dem Hauptpreis – das Kamel wird Bedürftigen an Ort und Stelle gestiftet.

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