Überfall auf Offenbacher

Deutsches Konsulat: Für Notfälle nicht zuständig

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Manfred Vater ist nach seiner Reise besonders vom deutschen Konsulat in Spanien bedient.

Offenbach - „Willkommen bei den Deutschen Vertretungen in Spanien“, heißt es auf der Internetseite des Generalkonsulats in Barcelona. Der Offenbacher Manfred Vater muss das als Hohn empfinden. Von Matthias Dahmer

Die Erfahrungen, die er und Ehefrau Marina vor wenigen Tagen nach einem krimireifen Überfall auf der iberischen Halbinsel mit der vermeintlichen Anlaufstelle für Notfälle gemacht haben, lässt bei den beiden noch immer den Zorn hochkochen.

Die Geschichte von vorne: Es ist Donnerstag, 27. September. Die Vaters fahren mit ihrem Auto auf der spanischen A7 in Richtung Saragossa. Ihr Ziel ist Lissabon, wo Manfred Vater, einstiger Wasserballer beim EOSC und seit Jahren als Funktionär auf internationaler Ebene für den Wassersport unterwegs, an einer Konferenz des Europäischen Schwimmverbands teilnehmen will. Den Termin wollen die Vaters mit einem Urlaub in Portugal verbinden.

Gegen 15.30 Uhr, sie befinden sich in der Höhe von Barcelona, hören sie plötzlich zwei Schläge, Schüssen nicht unähnlich, am Heck ihres Wagens. Die Insassen eines überholenden Fahrzeugs deuten auf die Rückseite des Autos, der Pkw setzt sich vor den 3er-BMW der Vaters und lotst sie auf den Standstreifen der zu diesem Zeitpunkt viel befahrenen Autobahn. In der Befürchtung, ihr Auto sei beschädigt, halten die Offenbacher an.

Ein Insasse des spanischen Wagens steigt aus, fuchtelt wild mit den Armen und deutet nach hinten. Manfred und Marina Vater steigen aus, gehen mit dem vermeintlichen Helfer zum Heck. „Als ich mich runter beugte und keinen Schaden sah, dachte ich, da ist was faul“, sagt Vater. Seine Ahnung trügt ihn nicht. Er sieht einen zweiten Mann in seinen Wagen springen, Marina Vater rennt zur Beifahrertür, versucht sie zu öffnen, wird kurz mitgeschleift und dann von dem ersten angeblichen Helfer niedergeschlagen, der daraufhin zu seinem Auto rennt und damit abhaut. Manfred Vater rennt ebenfalls hinter seinem Auto her, stürzt, der BMW rast davon.

„Das Ganze hat höchstens 20 Sekunden gedauert“, schätzt Manfred Vater. Nur noch mit ihren Kleidern am Leib, ohne Pass, ohne Geld, ohne Handy, stehen sie an der Autobahn. Nach einigen Minuten hält eine Frau an, Manfred Vater, der fließend spanisch spricht, schildert die Situation, gemeinsam rufen sie über das Handy der Frau die Polizei an.

Ignorante Auslandsvertretung

Auf der Wache berichtet die Polizei davon, dass solche Überfälle keine Seltenheit seien und machen den Vaters klar, dass sie gewaltiges Glück gehabt haben, noch am Leben zu sein. Manfred Vater will seine Schwester in Deutschland informieren, sie um Hilfe bitten, doch von der Polizeistation aus ist ein Anruf ins Ausland nicht möglich. Also wählt der 75-Jährige die Nummer des deutschen Konsulats in Barcelona. Dort nimmt ein vermutlich auf den Feierabend eingestellter Mitarbeiter ab, der im geschäftsmäßigen Ton darauf verweist, dass Vater am nächsten Tag nach Barcelona kommen könne, um sich Ersatzdokumente ausstellen zu lassen. Den Einwand, ohne Geld und ohne Auto sei das schlecht möglich, bügelt der Konsulatsangestellte mit dem Hinweis ab, seine Behörde sei für so etwas nicht zuständig, die Vaters sollten sich an eine spanische Sozialeinrichtung oder Hilfsorganisation wenden.

„Wie kann man in einer derartigen Notsituation so ignorant sein“, empört sich Manfred Vater, der wohl wie viele Auslandsreisende davon ausgegangen ist, dass ein Konsulat in solchen Fällen erstmal unbürokratisch hilft. Was den Funktionär Vater besonders ärgert: „Bei Empfängen zu größeren internationalen Sportereignissen stellen sich die Botschaften immer im besten Licht dar.“

Noch während der Aufnahme des Überfalls durch die Polizei kommt wenigstens eine gute Nachricht: Der BMW ist 50 Kilometer vom Ort des Überfalls gefunden worden. Der Zündschlüssel steckt noch, ansonsten haben die Täter Koffer, Wertsachen und Papiere mitgenommen.

Umfassende Hilfe erhalten die Vaters dank des entsprechenden Schutzbriefs schließlich vom ADAC. Er organisiert Hotel, Essen und sogar den Termin in einer Klinik, wo die beiden unter anderem wegen Schürfwunden und Blutergüssen behandelt werden müssen. „Ein ganz großes Lob für den ADAC, ohne den wir aufgeschmissen gewesen wären“, sagt Manfred Vater.

Doch die Pechsträhne der Offenbacher ist damit noch nicht zu Ende: Auf dem Weg vom Krankenhaus zu einer Apotheke, wo sich die Vaters Medikamente abholen wollen, fährt ihnen einen Tag später ein Spanier hinten aufs Auto drauf. Der Mann steigt aus – und verschwindet. Kurz darauf kommen sowohl der Besitzer des Lieferwagens als auch die Polizei zur Unfallstelle. Ob in diesem Fall die Schadensregulierung klappt, bleibt offen.

Mit dem lädierten Wagen und der Erkenntnis, dass deutsche Vertretungen im Ausland nicht unbedingt immer die Interessen von Deutschen vertreten, machen sich die Vaters auf die Heimreise nach Offenbach.

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