Friedlicher als gedacht

Offenbacher Umweltamt rät von Wespenfallen ab

+
Nest im Boden: Diese Erdwespen, oder im lateinischen Vespula vulgaris, leben in einem ehemaligen Mauseloch.

Offenbach - „Flinke Lastenträger. . . “ betitelt der Fotograf die Bilderserie, aus der obiges Bild entstammt. Ja, das sind sie, die Erd- oder Gemeine Wespe (Vespula vulgaris), die am Wiesenrand der Bürgeler Gerhard-Becker-Straße ein Mauseloch annektiert und zu ihrem Zuhause auserkoren haben.

Zurzeit können es ja richtige kleine Plagegeiester sein. Allerdings rät das Offenbacher Umweltamt von Wespenfallen ab. Gut nur, dass wenigstens die abgebildeten Exemplare beschäftigt sind und sich auch von unserem Leser Jürgen Gries nicht stören ließen, der sich ihnen extrem näherte – mit ruhiger Hand. Das ist nicht jedermanns Sache. Im Gegenteil: Bei den schwarz-gelb-gestreiften Flüglern kriegen viele Menschen leichte Panik-Attacken bereits vor einem möglichen Stich.

Auch wenn diese es nicht glauben möchten: Wespen gehören im Sommer zum Alltag. Das Umweltamt jedenfalls rät jedoch davon ab, die Tiere in Fallen zu töten. „Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund“, heißt es von den Fachleuten. Mit diesem Vorgehen werde die „Wespenplage“ nicht geringer, weil zu den Fallen nur die Tiere kommen, die zufällig gerade in der näheren Umgebung umherfliegen und den Geruch der in der Falle befindlichen Lockflüssigkeit wahrnehmen.

Da sich Wespen zum Fang tierischer Nahrung für ihre Brut oft weit vom Nest entfernen, können diese Tiere aus mehreren hundert Metern entfernten Nestern stammen, wo sie oft für Menschen überhaupt nicht in Erscheinung treten. Als fliegende Kleinraubtiere, die ihre Brut ausschließlich mit tierischer Nahrung aufziehen, sind Wespen dem Menschen sogar ausgesprochen nützlich. Sie fangen in großer Anzahl Fliegen, die Krankheitskeime verschleppen und Schmetterlingsraupen, die an Obstbäumen und Gemüse schädlich sind. Neben den Wespen werden von den Fallen noch zahlreiche andere Insektenarten angelockt und ertrinken qualvoll in der Lockflüssigkeit. Zu diesen Opfern gehören Honigbienen und Hummeln, allseits beliebte Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Kleiner und Großer Fuchs sowie etliche Arten der Nachtfalter, darunter die unter Naturschutz stehenden Ordensbänder. Auch geschützte Hirschkäfer und Bockkäfer ertrinken regelmäßig in solchen Fallen. Die eigentlichen „Zielobjekte“, Deutsche und Gemeine Wespe, werden jedoch kaum weniger, weil sie in Staaten mit mehreren Tausend Tieren leben und solche Verluste tragen können.

Das Töten von Tieren, auch der nicht speziell unter Naturschutz stehenden Arten, ohne vernünftigen Grund ist durch die allgemeine Artenschutzvorschrift, § 39 Absatz 1 des Bundesnaturschutzgesetzes verboten. „Fürs Anlocken und Töten von Wespen ist kein vernünftiger Grund vorhanden, da angemessenes Verhalten in der Regel ausreicht, Gefahrensituationen zu vermeiden“, so das Umweltamt. - mk

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare