Lernen in der Pandemie

Offenbacher VHS-Leiter setzt auf lokale Themen

„Offywood“ heißt das Streaming-Studio der Volkshochschule, das Dirk Wolk-Pöhlmann für neue Lern- und Informationsformate nutzt.
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„Offywood“ heißt das Streaming-Studio der Volkshochschule, das Dirk Wolk-Pöhlmann für neue Lern- und Informationsformate nutzt.

Es gibt sicherlich bessere Startvoraussetzungen, als die Leitung einer Volkshochschule inmitten einer Pandemie zu übernehmen – doch Dirk Wolk-Pöhlmann hat das Beste aus der Situation gemacht. Seit knapp einem Jahr verantwortet er das Bildungsangebot der Stadt. „Wir haben seitdem gefühlt jeden Monat eine komplett neue Lage und wir müssen unser Angebot ständig neu anpassen und justieren“, sagt er.

Offenbach - Die Freude an seiner Arbeit hat er, das betont der 51-Jährige, aber nicht verloren. „Ich denke, wir sollten die Krise als Chance begreifen: Wir sind eine Einrichtung des lebenslangen Lernens und die Krise fordert von uns, jeden Tag neu zu erlernen“, sagt er.

Für manche Formate gaben die Herausforderungen der Corona-Pandemie erst die Initialzündung: Wolk-Pöhlmann denkt dabei vor allem an die Online-Formate der Volkshochschule. Im vierten Stock des Gebäudes wurde eigens ein kleines Filmstudio eingerichtet, um Videos drehen zu können. „Offywood“ nennen es die Beschäftigten der Volkshochschule augenzwinkernd.

Greenscreen, Softboxen, Scheinwerfer – alles ist vorhanden, um professionell Videokonferenzen, Ansprachen oder Lernvideos zu erstellen. Denn so manches Angebot musste ins Digitale verlegt werden, da die Kontaktbeschränkungen nicht die gewohnte Kursgröße im Präsenzunterricht zulassen.

Schließung, Neustart, sich ändernde Zugangsregeln und Hygieneverordnungen haben sich deutlich auf das Angebot ausgewirkt: Gab es im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ 2019 noch rund 27 000 Unterrichtsstunden, fiel deren Anzahl im vergangenen Jahr auf 18 690. Auch „Qualifikationen für das Arbeitsleben“ sind gesunken: von 1 884 im Jahr 2019 auf 1 339 im vergangenen Jahr. „Besonders bei digitalen Kompetenzen wird es kritisch – was wir hier lehren, wird ja benötigt für die Arbeit im Homeoffice. Denn der Umgang mit PC oder E-Mails kann nicht vorausgesetzt werden bei allen. Und gerade die digitalen Kompetenzen, die im Lockdown verlangt sind, können wir nur noch teilweise anbieten“, sagt Wolk-Pöhlmann.

Eine Herausforderung sei auch die Vermittlung grundlegender Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen, bei denen es stark auf die persönliche Ansprache ankomme. Oder dass die Teilnehmerzahl der Integrationskurse deutlich eingeschränkt werden musste. „Da sitzen nun viele in der Warteschleife – und das System stand ohnehin schon unter Druck.“

Dass im Haus statt der 2G- oder 2G-Plus- die 3G-Regelung gelte, sei eine politische Entscheidung gewesen. „Wir haben auch Maskenpflicht im ganzen Haus“, betont Wolk-Pöhlmann. Bei den Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Schutzvorschriften sei auch das Lehrpersonal eingebunden. Die Idee: Wenn die vertrauten Gesichter aus den Kursen die Regeln am Eingang erklären, werden diese besser akzeptiert. Bisher, sagt Wolk-Pöhlmann, habe es kaum Probleme gegeben. „Fakt ist, die Menschen müssen sich sicher fühlen – und auch wir, die Kurse anbieten, müssen sicher sein.“

Trotz der mannigfaltigen Schwierigkeiten, den täglichen Betrieb aufrecht zu erhalten, bleibt Zeit, für die Zukunft zu planen: Die VHS soll sich nach Wolk-Pöhlmanns Wunsch weiterentwickeln. Dabei setzt er vor allem darauf, das Lokale zu betonen. „Wir wollen Offenbach stärker sichtbar machen beim Angebot“.

Daher wird etwa der „Politische Salon“ von Arbeiterwohlfahrt und VHS neu aufgelegt: Unter dem Namen „Zukunftsvision - gemeinsam weiterdenken“ sind vier Gesprächsrunden für das kommende Jahr geplant, die einen Bezug zu Offenbach haben. Zum Auftakt soll im März Armut in der Stadt thematisiert werden, im Mai dreht es sich um Offenbachs Partnerstädte und im Juli wird diskutiert, wie viel Platz es für die Jugend gibt in der Stadt.

Fest geplant ist auch eine Kooperation mit dem Behindertenbeirat, etwa zum Europäischen Protesttag für die Belange von Menschen mit Behinderung oder zum Thema „Leichte Sprache“ in Offenbach. Letzteres soll in den kommenden Jahren ausgeweitet werden. Da in der Stadt neue Rechenzentren entstehen, ist ein Vortrag zum Aufbau von Rechenzentren und deren nachhaltigem Betrieb angesetzt.

Ab kommendem Jahr wird es zudem Semesterschwerpunkte geben, „Nachhaltigkeit“ lautet der erste. „Dazu gibt es den neuen Programmpunkt ‘klimafit’“, sagt Wolk-Pöhlmann: Bei der VHS können sich Interessierte zu Multiplikatoren in Sachen Klimaschutz ausbilden lassen.

Infos im Internet vhs-offenbach.de

Von Frank Sommer

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